Wir schreiben das Frühjahr 2007. Die Gold-Hausse ist in vollem Gange und auch die Deutsche Bank will bei dem Geschäft dick mitmischen. Über den Londoner Zweig pumpt das Kreditinstitut 120 Millionen Australische Dollar in den Goldproduzenten Crescent Gold und sichert sich dadurch die Mehrheit an dem Unternehmen. Dabei geht es der Deutschen Bank vor allem um das Laverton-Projekt - eines der aussichtsreichsten Goldprojekte in Australien.
Doch die Investition entwickelt sich zum Fiasko. Nicht etwa, weil die Mine nicht ergiebig war. Nein, 2010 wies Crescent Goldreserven von 445.000 Unzen in Laverton aus. Es waren vielmehr die viel zu hohen Cashkosten, die dem Unternehmen letztlich das Genick brachen. Im September-Quartal summierten sich die Kosten auf 1.600 Dollar je Unze - und das bei einer Mine, die im Tagebau betrieben wird.
Focus Minerals tritt auf den Plan
Im Sommer 2011 schien das Projekt am Ende. Die Aktie von Crescent Gold war nur noch einen Bruchteil dessen wert, was die Deutsche Bank vier Jahre vorher auf den Tisch legte. Und an diesem Punkt kommt der Konkurrent Focus Minerals (WKN A0F 610) ins Spiel. Der australische Konzern kaufte Crescent - zur Überraschung und zum Unverständnis vieler Experten - auf. Die Fragezeichen waren groß: Kann Focus Minerals das Laverton-Projekt wirklich profitabel gestalten? Um es vorwegzunehmen: Es sieht vieles danach aus, als ob es dem Management wirklich gelingen würde. „Wir verstehen die Skepsis. Aber wir werden den Markt und die Investoren überzeugen. Seien Sie sicher", sagte CEO Campbell Baird während des European Gold Forums in Zürich im Gespräch mit dem aktionär. Die Zahlen sprechen für sich: Focus konnte auf Laverton die Produktion deutlich nach oben fahren. Baird strebt eine konstante Produktion von 25.000 Unzen pro Quartal an. Die Cashkosten konnte Focus in den vergangenen beiden Quartalen bereits um 130 Dollar je Unze reduzieren. Kurzfristig sollen 1.250 Dollar je Unze erreicht werden. „Damit erzielen wir auf Laverton solide Margen", so der CEO.
Weitere Liegenschaften
Laverton ist zwar das neueste, aber bei Weitem nicht das einzige Projekt von Focus Minerals. Nach wie vor ist der Konzern stark in der Region Coolgardie engagiert. Dort betreibt Focus drei Minen. Die Produktion hat sich dort in den vergangenen drei Quartalen zwischen 22.000 und 25.000 Unzen stabilisiert. Die Cashkosten liegen hier zwischen 900 und 1.100 Dollar je Unze. Dazu treibt das Unternehmen das Explorationsprogramm auf der Liegenschaft Treasure Island und auch in Laverton weiter voran.
Goldpreis im Auge behalten
Angesichts der noch immer relativ hohen Cashkosten des Laverton-Projekts ist Focus Minerals natürlich auf einen hohen Goldpreis angewiesen, um profitabel arbeiten zu können. Anleger sollten daher die Gold-Notierung bei einem Engagement immer im Auge behalten. Kurse von 1.500 Dollar je Unze sollten hier nicht dauerhaft unterschritten werden.
Hebel auf den Goldpreis
Angesichts der Vergangenheit des Laverton-Projekts ist die Angst einiger Marktteilnehmer zwar verständlich, dennoch scheint das Focus-Management einen guten Job zu verrichten. Gelingt es, die Cashkosten auf 1.250 Dollar je Unze zu senken, dürfte Laverton zum Glücksgriff für Focus Minerals werden. Zudem sollte die Aktie einen hohen Hebel auf einen wieder steigenden Goldpreis bieten.