Auf den ersten Blick scheint die Konstellation alles andere als günstig: Zum einen soll die Konjunktur im kommenden Jahr lahmen, zum anderen haussieren noch immer die Energie- und Rohstoffkosten. Und als ob das noch nicht genug wäre, dürfte sich auch der Sparzwang der öffentlichen Hand in den kommenden Monaten mehr und mehr bemerkbar machen. Wie gesagt: Auf den ersten Blick spricht wenig für einen Einstieg bei dem Baustoffproduzenten HeidelbergCement (WKN 604 700).
Doch der zweite Blick spiegelt ein anderes Bild wider: So steigerte der DAX-Konzern seinen Umsatz zuletzt um 6,6 Prozent auf 3,62 Milliarden Euro. Als Wachstumstreiber, wie soll es anders sein, erwies sich auch bei HeidelbergCement der asiatische Raum. Aber auch in Afrika verläuft das Geschäft für den Baustoffproduzenten überraschend gut. Hier kletterten die Umsätze im dritten Quartal um 8,5 Prozent. Als Problemfall entpuppte sich zuletzt die Marge. Hier machen sich die hohen Energie- und Rohstoffkosten bemerkbar. "Das wird ein Ziel für 2012 sein, die Margen im Zementgeschäft zu stabilisieren und zumindest teilweise zurückzuholen", sagte Vorstandschef Bernd Scheifele. Dazu will der Konzern Preiserhöhungen in allen wichtigen Märkten durchsetzen. Zudem will das Management Treibstoffkostenzuschläge erheben.
Fox 2013 macht Mut
Gleichzeitig kommt HeidelbergCement bei seinem Kostensenkungsprogramm "Fox 2013" schneller als geplant voran. Bislang konnten die Kosten bereits um 251 Millionen Euro gesenkt werden - das war mehr als von Analysten erwartet. So ist es dem Konzern gelungen, die Verschuldung auf 8,5 Milliarden Euro zu senken. Finanzvorstand Lorenz Näger hält es für möglich, dass die Nettoverschuldung auf unter acht Milliarden Euro sinken könnte. Durch den Verkauf von Unternehmensteilen könnte das Finanzergebnis noch weiter verbessert werden.
Eine Frage der Bewertung
Sicherlich, es gibt nach wie vor eine große Unbekannte für HeidelbergCement: Die konjunkturelle Entwicklung. Es scheint mittlerweile ausgemacht, dass sich die Konjunktur in den kommenden Monaten abkühlen dürfte. Eine Rezession? Unmöglich scheint dies nicht. Und als Baustoffproduzent ist HeidelbergCement von der Konjunktur abhängig. Doch die Frage ist: Wie viel von diesem Worst-Case-Szenario ist bereits in dem Kurs eingepreist? Ein Blick auf die Bewertung gibt hier Aufschluss. Selbst nachdem die Analysten ihre Schätzungen aufgrund der sich verschlechternden konjunkturellen Lage für das kommende Jahr stark zurückgenommen haben, weist der Titel nur noch ein KGV von 9 auf. Zum Vergleich: Branchenprimus Holcim gesteht der Markt eine Gewinnmultiple von 15 zu.

Zu günstig bewertet
Der Bewertungsabschlag ist nicht gerechtfertigt, immerhin lieferten die Heidelberger zuletzt bessere Zahlen ab als Holcim.