Immer wieder die Zwei. 2009 war bei zwei Euro Schluss, nachdem sich die QSC-Aktie (WKN 513 700) zuvor um 100 Prozent in die Höhe geschraubt hatte. Im Herbst ging die Kursparty erst richtig los, nachdem die Marke von zwei Euro überwunden wurde. Schließlich war es auch die Zwei, die dem Papier Halt bot, als der Höhenflug in einen steilen Sinkflug überging. Das war im Sommer 2011.
Seither pendeln die Anteilscheine des Kölner Kommunikationsspezialisten um die Marke bei zwei Euro - wo auch sonst? Wenn man die Ausreißer nach oben und unten außer Acht lässt, hat sich bei QSC schon ziemlich lange nichts getan, um genau zu sein seit 2008. Aber stimmt das wirklich?
Vom TK-Provider zum ITK-Vollanbieter
2008 erzielte QSC einen Jahresumsatz von 413 Millionen Euro und ein Konzernergebnis von mageren 0,8 Millionen Euro. Der Großteil der Erlöse, annähernd 60 Prozent, entfiel damals auf die Geschäftssparte Wholesale/Reseller. Weniger als ein Fünftel machte hingegen das margenstarke und deshalb lukrative Geschäft mit Managed Services aus, in dem QSC seinen Geschäftskunden maßgeschneiderte Kommunikationslösungen anbietet.
Drei Jahre später hat sich auf den ersten Blick kaum etwas verändert. 2011 dürften die Kölner den Umsatz auf 485 Millionen Euro gesteigert haben, gegenüber 2008 ein Plus von 17 Prozent. Das geht in Ordnung, reißt aber niemanden vom Hocker, zumal das Wachstum insbesondere der Konsolidierung von IP Partner und der INFO AG geschuldet ist. Der Unterschied könnte deutlicher trotzdem kaum sein. Denn neben dem Gewinn, der von Analysten im Schnitt bei 22 Millionen Euro gesehen wird, ist die Zusammensetzung der Erlöse eine gänzlich andere.
Ein Blick auf die Drittquartalszahlen verschafft Klarheit. Anfang November meldete QSC einen Umsatz von 128 Millionen Euro und ein EBIT von acht Millionen Euro. Dank den neuen Töchtern und dem Gewinn von Mittelstandskunden für das neue ITK-Lösungsgeschäft betrug der Anteil IP-basierter Umsätze am Gesamtgeschäft aber bereits 80 Prozent. Lediglich ein Fünftel der Erträge entfielen noch auf das konventionelle Geschäftsfeld eines TK-Anbieters (Call-by-Call, DSL-Reseller).
Zweigeteilte Entwicklung
Der deutlich veränderte Produktmix spiegelt den Konzernumbau bei QSC vom TK-Anbieter zum ITK-Serviceprovider wider. Der Strategiewechsel, mit den Übernahmen von IP Partner (Housing und Hosting) und der INFO AG (Outsourcing und Consulting) eingeleitet, kommt zum richtigen Zeitpunkt. Die Konjunktur dürfte sich 2012 eintrüben und das wird nach Einschätzung des Managements „insbesondere im Sprachgeschäft zu einer nochmaligen Verschärfung des Preiswettbewerbs führen". Im Klartext: Der Druck auf die Margen wird zunehmen. Die gleichen Probleme sieht man in Köln im DSL-Wholesale-Geschäft auf sich zukommen. Demgegenüber bietet der IT-Markt und hier insbesondere das Consulting-Geschäft nach Einschätzung von Marktforschern in den kommenden Jahren solide Zuwachsraten.
Erst die Pflicht, dann die Kür
Die kernigen Aussagen des Managements zur zukünftigen Fahrtrichtung sind von den Marktteilnehmern bislang kaum zur Kenntnis genommen worden. Das liegt nach Einschätzung des aktionär daran, dass die Investoren der strategischen Neuausrichtung der Kölner insgesamt eher skeptisch gegenüberstehen. Hinzu kommt, dass der Ausbau der IT-Sparte und die Zusammenarbeit zwischen QSC auf der einen und IP Partner und INFO AG auf der anderen Seite zunächst die Kosten in die Höhe treibt.
Um das Potenzial, das sich aus dem Branchenwachstum und den vielfältigen Cross-Selling-Möglichkeiten ergibt, ausschöpfen zu können, wurde beispielsweise allein im dritten Quartal das Personal bei INFO AG um 26 auf 638 aufgestockt. Nach Konzernangaben sind in den kommenden Quartalen zusätzliche Einstellungen geplant. Mittelfristig gehen die Rheinländer fest davon aus, dass sich die Investitionen auszahlen werden.
Ambitionierte Ziele
Ist der Transformationsprozesses erst einmal abgeschlossen, will QSC einen kräftigen Wachstumskurs einschlagen. Bis zum Jahr 2016 sollen die Erlöse auf 800 Millionen Euro bis eine Milliarde Euro ansteigen. Die Prognose, abgegeben während einer Präsentation im Herbst 2011, entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 10,5 bis 15,5 Prozent. Die Ausweitung der Umsätze soll dabei nicht zulasten der Profite gehen. Vielmehr strebt QSC gleichzeitig eine EBITDA-Marge von 25 Prozent und einen freien Cashflow von 120 bis 150 Millionen Euro an.
Günstige Bewertung
Die stiefmütterliche Behandlung durch die Investoren hat die QSC-Aktie in den vergangenen Monaten auf ein attraktives Bewertungsniveau gedrückt. Auf Basis des für 2012 von Analysten im Schnitt erwarteten Gewinns pro Aktie von 0,22 Euro errechnet sich ein KGV von moderaten 10. Der Wert spiegelt keinesfalls das Wachstumspotenzial des Unternehmens als ITK-Serviceprovider wider.
Was Anleger bei dem TecDAX-Unternehmen zudem gerne übersehen: Für das Geschäftsjahr 2011 dürfte erstmalig eine Dividende bezahlt werden. Analysten erwarten im Schnitt eine Ausschüttung von mindestens 0,10 Euro pro Aktie. Das entspricht auf dem aktuellen Kursniveau einer attraktiven Dividendenrendite von 4,4 Prozent. 2012 könnte die Ausschüttung um zehn bis 15 Prozent steigen.
Aufgewacht!
An der Börse ist die QSC-Story bislang (noch) nicht richtig angekommen. Mit dem Sprung über die Hürde bei 2,40 Euro hat QSC zuletzt ein erstes Kaufsignal geliefert. Jetzt nimmt der TecDAX-Wert den deutlich wichtigeren Widerstand bei 2,56 Euro ins Visier. Das Niveau markiert das Kurshoch vom letzten Herbst. Die günstige fundamentale Bewertung eröffnet Anlegern auf Sicht von zwölf Monaten Potenzial bis drei Euro. Werden die langfristigen Ziele erreicht, dürfte das erst der Anfang gewesen sein. Die magische Zwei wäre dann endgültig Vergangenheit.