Weihnachten: 47 Prozent gingen in die Kirche und nur 43 Prozent kauften einen Christbaum. Nur bei einem machen fast alle mit: dem großen Naschen. Die Deutschen futtern derzeit mehr Schokolade und Pralinen, als produziert werden kann - einige Schokoladensorten sind ausverkauft. Vor allem die Produkte der Halloren Schokoladenfabrik (WKN A0L R5T) scheinen begehrt wie nie: "Wir kommen mit der Produktion kaum nach", so Firmenchef Klaus Lélle gegenüber dem AKTIONÄR.
Volkspraline rollt
Kerngeschäft der ältesten Schokoladenfabrik Deutschlands sind weiterhin die Original Halloren Kugeln. Insbesondere in Ostdeutschland kennt die süße, zuckrige Praline jedes Kind. In den alten Bundesländern greifen bislang viele Kunden hingegen lieber zur etwas bittereren „Mozartkugel" der Konkurrenz. Halloren will das ändern. Bereits im März 2012 berichtete der aktionär von den Plänen, mit der "Volkspraline - eine für alle" eine Wiedervereinigung der Gaumen anzustoßen. Sie scheint geglückt. Seit September ist die „Volkspraline" im Handel - und die Praline mit Milch-Nuss-Creme, Haselnusskrokant, Karamell und knackiger Schokolade ist tatsächlich ein Renner.

Aber auch die Original Halloren Kugel hat ihr Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft. Zwar ist sie in Deutschland hinter Mon Cheri, Toffifee und Merci bereits das vierterfolgreichste Pralinen-Produkt. Doch gerade in den westlichen Bundesländern ist die Bekanntheit ausbaufähig. Halloren hat daher in den letzten Wochen in Großstädten 750 Großplakate mit dem Slogan "Ich brauch's süß" aufhängen lassen. Die Kampagne funktioniert.
"Die besten der Welt"
Die urbayrische Layouterin dieses Artikels hat spontan ausgerufen: "Halloren-Mozartkugeln? Das sind besten der Welt - dafür würde ich töten!" sowie über ihren Vorrat von zehn Schachteln berichtet. Ganz offensichtlich rollt die "Ost-Kugel" auch über immer mehr westdeutsche Wohnzimmertische. Dieser subjektive Eindruck bestätigt sich durch die jüngst vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal 2012. Während der Gesamtmarkt für Schokoladen stagniert, wächst Halloren mit großen Schritten. So kletterte der Umsatz im dritten Quartal um 31 Prozent auf 23 Millionen Euro. Der operative Gewinn verbesserte sich dabei sogar um 80 Prozent auf 0,9 Millionen Euro. Hilfreich war neben der operativen Entwicklung die Einbeziehung des übernommenen Schokotaler-Herstellers Steenland.

Bei der Vorlage der Zahlen Mitte November wurde das Jahresziel eines Umsatzes von 86 Millionen Euro bestätigt. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR rundete der in der Boulevardpresse zum "Schokoladenkönig" gekrönte Lélle nun auf "rund 90 Millionen Euro" auf.
Die volatile Preisentwicklung der Rohstoffe Zucker und Kakao hat Halloren dabei mittlerweile in den Griff bekommen, weswegen auch die Gewinnentwicklung überzeugen sollte.
Leckerer Nebenwert
Nicht nur Naschkatzen lieben Halloren. Auch die Aktie präsentiert sich von ihrer Schokoladenseite: Der Nebenwerte-Anleger lässt sich eine Dividendenrendite in Höhe von knapp vier Prozent schmecken, genießt den knackigen Aufwärtstrend im Chart und kann sich zudem die glänzenden Wachstumsperspektiven des Schokoladenherstellers auf der Zunge zergehen lassen. Hmmm ...
Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 01/2013 erschienen.