Mehr als 5.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Malaysia und Japan. Und dennoch: Die Reaktorkatastrophe in Fukushima hat auch die Menschen in Malaysia sensibilisiert für die Gefahren, die durch Radioaktivität ausgehen. Sehr zum Leidwesen des australischen Seltene-Erden-Produzenten Lynas (WKN 871 899). Der Konzern wollte eigentlich schon im laufenden Jahr mit der Produktion von Seltenen Erden auf Malaysia beginnen. Doch die Menschen liefen Sturm. Der Grund: Bei der Produktion von Seltenen Erden fallen radioaktive Abfallprodukte an. Und die Menschen fürchteten um ihre Gesundheit.
Die Proteste zeigten Wirkung: Die endgültige Genehmigung für die Anlage blieb aus. Der Produktionsstart verschob sich - die Aktie von Lynas begab sich auf Talfahrt. Doch jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Die Regierung der Provinz Pahang sieht keine ernsthaften Gefahren für Menschen und Umwelt. Damit steht einem Produktionsbeginn im ersten Quartal 2012 wohl nichts mehr im Wege.
Konsolidierung - auf hohem Niveau
Gegenwind gab es für den Kurs von Lynas zuletzt auch durch die Preisentwicklung bei den Seltenen Erden. Die Preise gaben seit Sommer getrieben durch Rezessionssorgen nach. Allerdings dürfte dies nach der Entwicklung der vergangenen Monate keine wirkliche Überraschung sein. Immerhin hatten sich die Preise für einige der begehrten Elemente binnen eines Jahres mehr als versiebenfacht. An einen wirklichen Einbruch glaubt niemand. Zu wichtig sind die Metalle für Zukunftstechnologien wie Elektromotoren, Windkraft oder auch Handys. Noch immer ist die Wirtschaft abhängig von China. Das Reich der Mitte ist für rund 95 Prozent der weltweiten Seltene-Erden-Produktion verantwortlich. In den vergangenen Jahren hat China die Exportquoten sukzessive gesenkt. Nicht zuletzt deshalb hat der Technologiekonzern Siemens bereits im Sommer ein Joint Venture mit Lynas zum Bau von Spezial-Magneten, wie sie in Windrädern benötigt werden, geschlossen.
Die Preise dürften schon bald wieder nach oben drehen, schließlich hat der weltgrößte Produzent von Seltenen Erden, die staatliche chinesische Gesellschaft Inner Mongolia Baotou Rare-Earth Hi-Tech, zuletzt die Produktion gestoppt. Mit dem Produktionsbeginn zu Beginn des kommenden Jahres könnte Lynas demzufolge einen Markt vorfinden, der von Knappheit geprägt ist. Ein weiterer Vorteil der Australier: Außerhalb Chinas werden meist höhere Preise für Seltene Erden gezahlt als in China selbst.
Selten günstige Chance
Die Aktie von Lynas ist mittlerweile mehr als nur günstig bewertet. Auf Basis der geschätzten Gewinne für das Geschäftsjahr 2012/13 weist das Papier lediglich ein KGV von knapp 5 aus. Angesichts der bereits bestehenden Engpässe bei einigen Seltenen Erden dürften auch die Preise wieder steigen.