Frank Phillipps
Es wurde viel geredet, diskutiert und gestritten. Nun naht der Moment der Wahrheit: Ein Expertengremium spricht eine Empfehlung zu einem von Cell Therapeutics entwickelten Krebsmittel aus - und dürfte damit den Aktienkurs massiv beeinflussen. In die eine oder die andere Richtung.
Es gibt nur wenige Biotech-Unternehmen, die derart polarisieren wie Cell Therapeutics (CTI). Unter Experten auf diversen Kongressen und bei Laien in verschiedenen Internet-Foren wird bereits seit Jahren über die Erfolgssaussichten für die amerikanische Biotech-Firma gestritten. Und wie unterschiedlich die einzelnen Auffassungen sind, lässt sich auch gut an der Entwicklung des Aktienkurses ablesen. Vor nicht einmal einem Jahr wechselte eine Aktie noch für fünf Cent den Besitzer. Bis zum Sommer 2009 stieg die Notierung auf über 2,20 Dollar - eine Wertsteigerung um sagenhafte 4.300 Prozent. Lange freuen konnten sich Investoren darüber aber nicht. Bis heute hat das Papier wieder mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt.

Panel-Meeting voraus
Und die Chancen, dass sich die wilde Achterbahnfahrt in den nächsten Tagen wieder beschleunigen wird, sind durchaus gegeben. Denn für Mittwoch, den 10. Februar hat die US-Gesundheitsbehörde ein Treffen unabhängiger Experten angesetzt. Die Fachleute sollen eine Empfehlung darüber aussprechen, ob das von CTI entwickelte Medikament Pixantrone für den Verkauf in den USA zugelassen werden soll oder nicht. Pixantrone soll zur Behandlung von Patienten mit sogenannten non-Hodgkin-Lymphomen, bestimmten Formen von Lymphdrüsenkrebs, eingesetzt werden, bei denen zwei vorherige Therapien nicht angeschlagen haben.
Die US-Behörde selbst wird dann bis Ende April eine Entscheidung fällen. Sie ist zwar nicht an den Rat ihrer Experten gebunden, ist in der Vergangenheit aber meistens ihren Fachleuten gefolgt. Insofern kann das Panel-Meeting am Mittwoch als eine Art Vorentscheidung angesehen werden.
Aussichten ungewiss
Auch kurz vor dem Vorentscheid hat sich an der unübersichtlichen Gemengelage rund um die Erfolgsaussichten von CTI wenig geändert. Der umtriebige CTI-Chef James Bianco warb in den letzten Monaten auf fast jeder Fachkonferenz für sein Unternehmen, das mit Opaxio einen weiteren Kandidaten in der dritten und entscheidenden Phase klinischer Studien hat. Zumindest partiell ist Bianco mit seiner Offensive erfolgreich. Denn immer wieder schafft es der Vorstandschef, neue Investoren zu finden und damit die klammen Kassen des Unternehmens aufzubessern.
Die Frage ist nur: Können Anleger es wirklich als gutes Zeichen werten, dass Bianco nur vier Wochen vor dem Panel-Meeting eine weitere Kapitalmaßnahme mit einem Volumen von 30 Millionen Dollar durchführte? Wenn er so sehr vom Pixantrone-Erfolg überzeugt ist, hätte er nicht vier Wochen später deutlich besser Konditionen als die Ausgabe neuer Aktien zu einem Kurs von 1,21 Dollar herausschlagen können?
Profi-Investoren skeptisch
Während CTI unter Privatanlegern immer noch viele Anhänger hat, sind sich die Profi-Investoren weitgehend einig. So äußerte sich etwa Ira Loss, Healthcare-Analystin bei Washington Analysis skeptisch: "Ich glaube nicht, dass das Produkt zugelassen wird und ich glaube auch nicht, dass die vorgelegten Daten ausreichen, um eine positive Zulassungsempfehlung zu erhalten." Von Fachleuten wird zudem immer wieder bemängelt, dass die von CTI durchgeführten Studien zu wenige Teilnehmer eingeschlossen hätten. Auch die Ergebnisse der Tests werden durchaus unterschiedlich interpretiert.
Die Einschätzungen der Experten korrespondieren auch mit den Handelsaktivitäten der Profis in Sachen CTI an den US-Derivate-Börsen. Laut Chris Rich, Optionsscheinexperte bei JonesTrading Institutional Services, ist die Zahl der Short-Seller, als der Anleger, die auf fallende Kurse bei CT setzen, in den vergangenen Wochen auf den höchsten Stand seit März 2007 gestiegen. "Eine Menge Leute setzen darauf, dass der Aktienkurs wieder Richtung Null tendiert", so Rich.
Finger weg!
Eine Biotech-Firma, die notorisch klamm ist, ein Medikamentkandidat vor der Entscheidung, ein überzeugter Firmen-Chef und skeptische Experten. Dazu die US-Gesundheitsbehörde und ihre Fachleute, die in den letzten Jahren auch für die eine oder andere Überraschung gut waren. Dies sind die Zutaten für eine der heißesten Biotech-Spekulationen des Jahres.
Da Durchführung und Ergebnisse der Studien mit Pixantrone viele Fragen aufwerfen, glaubt DER AKTIONÄR nicht an ein vorläufiges Happyend für CTI. Ein negatives Votum der Experten ist wahrscheinlich - und damit auch herbe Verluste bei der Aktie. Für Privantanleger heißt das: Finger weg!