"Wir stehen am Anfang einer vielversprechenden, neuen Unternehmensentwicklung", sagt Felix Höger, Vorstand der Pironet NDH AG (WKN 691 640), im Gespräch mit dem AKTIONÄR. Die Zeiten, in denen die Kölner IT-Gesellschaft vor allem mit Verlusten, hohen immateriellen Vermögenswerten und einem eingeschlafenen Börsenkurs aufwartete, gehören demnach der Vergangenheit an.
Pironet NDH hat in den vergangenen Monaten reinen Tisch gemacht. Defizitäre Geschäftsbereiche wurden abgestoßen, Risiken minimiert und unternehmensinterne Prozesse optimiert. "Mit den damit auch einhergegangenen Veränderungen im Management sowie mit der Fokussierung auf unsere chancenreichen Wachstumssegmente ist die Restrukturierung zunächst abgeschlossen", erklärt der Unternehmens-Vorstand.
Neue Ausrichtung
Was bringt die Zukunft? Mit den verbleibenden Säulen des Geschäftsmodells (ITK-Outsourcing, Content Management sowie Beratung) ist Pironet NDH in extrem wachstumsstarken Märkten gut positioniert. Die Kölner zählen zu den führenden ITK-Outsourcing-Anbietern im deutschen Mittelstand und bieten den Betrieb von Anwendungen und ITK-Infrastrukturen nach modernen Konzepten wie Software-as-a-Service (SaaS) oder Cloud Computing an. In diesem Bereich wird bereits über die Hälfte der Umsätze generiert und eine Marge von mehr als zehn Prozent erzielt. Nach der Neuausrichtung auf die drei, jeweils operativ profitablen Konzernsegmente, kommt Pironet NDH auch bei der Kostenreduktion voran. Die daraus resultierenden positiven Effekte werden sich aber erst ab dem laufenden Geschäftsjahr vollständig auswirken. Höger ist daher zuversichtlich, dass mit dem Jahresabschluss 2011 letztmalig rote Zahlen präsentiert werden müssen. Im laufenden Jahr dürften dann Umsätze von 56 Millionen Euro sowie ein EBIT von zwei bis drei Millionen Euro in den Bücher stehen. Das entspricht einer Marge von 3,6 bis 5,4 Prozent. Unter dem Strich sollte Pironet damit 0,25 Euro je Aktie verdienen. Mittelfristig peilt der Vorstand für die gesamte Gesellschaft eine Marge oberhalb von zehn Prozent an.
Ebenfalls positiv: Pironet NDH sitzt auf einer hohen Cash-Position. Betrugen die liquiden Mittel zum Halbjahr 2011 noch 9,5 Millionen Euro, dürften mittlerweile rund 16 Millionen Euro in der Firmenkasse schlummern. Diese Summe dürfte nach der erfolgreichen Neuausrichtung Monat für Monat weiter wachsen. Doch damit nicht genug: Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass durch den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung möglicherweise noch einmal zwei bis drei Millionen Euro in die Kasse gespült werden könnten.
Hohe Cash-Position
Der Vorstand ließ sich zwar kein Statement zu diesem Thema entlocken. Geht die Rechnung vom aktionär aber auf, dürfte die Liquidität am Ende des ersten Quartals bereits bei rund 20 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt gerade einmal 27 Millionen Euro. Ob es zur Wideraufnahme einer Dividendenzahlung kommt oder Teile des Geldes für Akquisitionen eingesetzt werden, ist noch unklar.
Sicher ist dagegen, dass Pironet NDH angesichts dieser Kennzahlen ein interessantes Übernahmeziel ist. "Durch eine geringe Unternehmensbewertung besteht immer die potenzielle Gefahr einer Übernahme", so Höger.
Mit Scherzer & Co gibt es zumindest einen neuen Großaktionär. Die Beteiligungsgesellschaft hat kurz vor Weihnachten einen Anteil von mehr als drei Prozent gemeldet. Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass dies aber nicht die letzte Veränderung in der Aktionärsstruktur sein dürfte. Dem Vernehmen nach steht der Anteil der Otto Wolff Industrieberatung und Beteiligungen (27,35 Prozent) zur Disposition. In welche Richtung das Paket geht, ist zwar noch unklar. Dass die Stücke unter zwei Euro je Aktie abgegeben werden, ist allerdings unwahrscheinlich.
Schnäppchen sichern
Pironet NDH befindet sich auf einem profitablen Wachstumskurs und dürfte sich als wesentliche Größe im Cloud-Computing-Markt im deutschen Mittelstand etablieren. Gelingt es, die Marge mittelfristig in den zweistelligen Bereich zu bringen, ist die schon jetzt mit einem cash-bereinigten KGV von 3 günstig bewertete Aktie ein echtes Schnäppchen. Der Kurs dürfte daher schon bald aus seinem Dornröschenschlaf erwachen und eine nachhaltige Aufwärtsbewegung starten.