Als Altkanzler Helmut Kohl 1990 großspurig versprach, im Osten Deutschlands würden bald blühende Landschaften entstehen, hatte er wohl kaum das Geschäftsmodell von Tonkens Agrar (WKN A1E MHE) im Sinn. Denn das Unternehmen sorgt derzeit an vier Standorten in Sachsen-Anhalt tatsächlich für blühende Landschaften.
Die von Gerrit Tonkens geführte Gesellschaft betreibt dort Ackerbau, Milchwirtschaft und ab dem kommenden Jahr auch Biogasanlagen. Die Schwerpunkte beim Anbau liegen auf Kartoffeln (32 Prozent der Produktionsmenge für 2009/10), Getreide (23 Prozent) und Zwiebeln (12 Prozent).
Rekordernte erwartet
Für das abgelaufene Geschäftsjahr (30.06.) konnte die seit Juli an der Börse notierte Firma eine starke Bilanz vermelden: Während sich zahlreiche Konkurrenten wegen der Wetterkapriolen mit einer schwachen Ernte begnügen mussten, gelang es Tonkens sogar, mehr als die ursprünglich angepeilten 25.000 Tonnen Kartoffeln zu ernten. Zu verdanken hat dies das Unternehmen dem fruchtbaren Lössboden, der sich besser als Wasserspeicher eignet als sandige Böden. Dadurch führen Hitzeperioden zu deutlich geringeren Schäden.
Mit einem leicht auf 16,85 Millionen Euro gesteigerten Umsatz und einem EBIT von 2,92 Millionen Euro erfüllte Tonkens damit die eigenen Prognosen. Für das laufende Jahr soll das EBIT auf 5,5 Millionen Euro anziehen. Hierbei dürfte vor allem der deutliche Preisanstieg bei Kartoffeln hilfreich sein. Kosteten 100 Kilo der Feldfrucht im Sommer noch weniger als zehn Euro, sind es nun mehr als 19 Euro pro 100 Kilo.
Preise steigen weiter
Neben einer höheren Produktion dürften Umsatz und Gewinn bei Tonkens auch in den kommenden Jahren dank steigender Lebensmittelpreise steigen. So geht die verfügbare Anbaufläche pro Kopf weiterhin zurück. Zudem dürften der fortschreitende Klimawandel wie auch die Tatsache, dass immer mehr Agrarprodukte als Brennstoffe verwendet werden, für höhere Preise sorgen.
Analyst positiv gestimmt
Mit der Aktie befasst sich derzeit nur ein Analystenhaus: Silvia Quandt Research. In der jüngsten Studie wurde das Kursziel nun von 24,50 auf 28,00 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Analyst Harald Gruber erwartet für das laufende Fiskaljahr einen Umsatz von 20,8 Millionen Euro und einen Gewinn von 2,53 Euro je Aktie - was mehr als einer Verdopplung entsprechen würde. Im kommenden Geschäftsjahr rechnet er mit Erlösen von 23,8 Millionen Euro und einem weiteren Ergebnissprung auf 3,29 Euro. Die aktuelle Bewertung spiegelt Grubers Ansicht nach nicht den Wert und das Wachstumspotenzial der Aktie wider.

Reiche Ernte fürs Portfolio
Mit einem Investment bei Tonkens Agrar können Anleger von steigenden Preisen für Agrarrohstoffe profitieren. Angesichts der guten Wachstumsperspektiven sind die Aktien des Konzerns mit einem 2011er-KGV von 9 unterbewertet. Anleger sollten ihre Position allerdings unbedingt mit einem Stoppkurs absichern.