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Bereit zum Durchstarten

Die Ehre gebührte der Bundeskanzlerin. Ihr war es vorbehalten, als Erste die neue Landebahn des Frankfurter Flughafens zu benutzen. Am 21. Oktober war das. Der Regierungsflieger, ein Airbus, setzte auf der 2,8 Kilometer langen Piste zur Landung an. Damit wird nach jahrelangem Streit das 600-Millionen-Projekt des Flughafenbetreibers Fraport seiner offiziellen Bestimmung übergeben. Fraport (WKN 577 330) will die Bedeutung des Flughafens in Frankfurt als internationalen Verkehrsknotenpunkt weiter stärken.

So sanft der Airbus der Kanzlerin auch auf dem Flugfeld gelandet ist, so ruppig verlief der Absturz der Fraport-Aktie im zweiten Halbjahr 2011. Notierte das Papier im Juli im Hoch noch bei 58,83 Euro, ging es in den nachfolgenden Wochen stetig bergab. Die Angst vor einer konjunkturellen Eintrübung machte auch vor dem Flughafenbetreiber nicht halt. Den Anlegern ist noch gut in Erinnerung, was während der Finanzkrise geschehen ist: Firmen strichen Geschäftsreisen auf ein Minimum zusammen, Urlaubsreisen wurden aus Angst vor Arbeitsplatzverlust ebenfalls zurückgefahren. Bei Fraport brachen die Passagierzahlen ein. Doch der damalige Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bender prognostizierte - rückblickend auch zu Recht: Die Passagierzahlen werden sich genauso schnell erholen, wie sie eingebrochen sind. In den vergangenen beiden Jahren kehrte das Wachstum zurück. Und die neue Startbahn soll dieses Wachstum auch für die Zukunft sichern.

Ausland wächst stark
In Zahlen liest sich das so: Die Zahl der abgefertigten Passagiere wuchs auf dem Frankfurter Heimatflughafen im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent auf 56,4 Millionen Fluggäste - ein neuer Rekord. Noch beeindruckender fällt das Wachstum auf den Auslandsflughäfen von Fraport aus. Konzernweit nutzten 96,6 Millionen Passagiere die Flughäfen des im MDAX notierten Unternehmens - ein Zuwachs von 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Das Passagierwachstum von 6,5 Prozent in Frankfurt liegt am oberen Ende des Zielkorridors", urteilt Sebastian Hein, Analyst beim Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Die neue Startbahn schlägt sich dabei bereits in den Zahlen von Fraport nieder: Beim Winterflugplan weist Fraport ein Wachstum bei den Sitzen von 7,1 Prozent aus - andere wichtige deutsche Flughäfen weisen ein deutlich geringeres Wachstum aus. München konnte die Sitzplatzzahl lediglich um 2,9 Prozent steigern. Der wichtigste Flughafen im Süden Deutschlands dürfte so schnell auch nicht zu Frankfurt aufholen. Immerhin liegt die neue Startbahn zunächst auf Eis.

Retail-Bereich legt zu
Doch Fraport profitiert nicht nur von der höheren Passagierzahl. Der Flughafenbetreiber ist auch an den Erlösen der Geschäfte in den Flughafengebäuden beteiligt. Der Bereich Retail & Real Estate hat 2010 bereits mehr als 18 Prozent zum Gesamtumsatz bei Fraport beigetragen. Bei rund 403 Millionen Euro Umsatz hat der Konzern hier ein EBIT von knapp 228 Millionen Euro erzielen können. Damit trägt dieser Bereich mehr als 50 Prozent zum Konzern-EBIT bei. Mit dem neuen Flugsteig A-Plus entsteht auch eine neue Einkaufszone auf dem Frankfurter Airport. Bislang erzielt Fraport im Retail-Geschäft einen Umsatz von drei Euro je Fluggast. Dieser Wert soll jetzt auf vier Euro gesteigert werden.

Brasilien im Blick
Nachdem der Heimatflughafen ausgebaut ist, dürfte in den kommenden Monaten wieder vermehrt die Expansion im Ausland in das Blickfeld der Investoren rücken. Zuletzt hatte sich Fraport zwar aufgrund der hohen Preisvorstellungen der spanischen Regierung - vorerst - aus dem Bieterrennen um die spanischen Flugplätze in Barcelona und Madrid zurückgezogen. Doch eine Expansion ist damit nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Der Fokus liegt bei Fraport auf Südamerika. Insbesondere die drei großen Flughäfen in Brasilien und einer in Puerto Rico haben es den Frankfurtern angetan. Den Flughafen in Puerto Rico nutzen rund 8,5 Millionen Fluggäste pro Jahr, Sao Paulo-Guarulhos verzeichnet 27 Millionen Passagiere pro Jahr, Brasilia International 14 Millionen und Viracopos-Campinas fünf Millionen. "Wir glauben, hier liegt einiges an Wertsteigerungspotenzial", resümiert Michael Kuhn, Analyst bei der Deutschen Bank, mit Blick auf die möglichen Übernahmeziele von Fraport. Er sieht das Kursziel für die Fraport-Aktie auch ohne Akquisitionen bei 65,00 Euro.

Guter Newsflow erwartet
Die neue Startbahn und die Aussicht auf Zukäufe im Ausland, gepaart mit einem deutlich stärkeren Retail-Geschäft, sollten der Fraport-Aktie auch in den kommenden Wochen Auftrieb verleihen. Sollte im März zudem das Nachtflugverbot gekippt werden, würde dies der Aktie zusätzliche Impulse verleihen. Angesichts der starken Marktstellung ist ein KGV von 176 für das laufende Jahr auch nicht zu teuer.

Kurs —  
Empf. Kurs
45,15 €
Ziel
58,00 €
Stopp
36,50 €
Status
Aktiv

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