Der Verdienst von Christoph Vilanek zeigt sich nicht auf den ersten Blick. Unter seiner Ägide sind die Erlöse bei Freenet (WKN A0Z 2ZZ), dem größten unabhängigen Telekomunternehmen hierzulande, nämlich konstant gesunken: von 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2009 bis auf geschätzte drei Milliarden 2011. Im gleichen Zeitraum wurde die Ergebnisqualität aber deutlich verbessert. Nach Einschätzung von Analysten dürfte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011 ein EBIT von 150 bis 155 Millionen Euro erwirtschaftet haben, unter dem Strich sollen 110 Millionen Euro hängen bleiben.
Auf Qualität getrimmt
Vilaneks Erfolgsstrategie: Der Manager hat frühzeitig damit begonnen, den Kundenstamm auf Qualität zu trimmen. Dabei wurden nicht nur die „Karteileichen" aussortiert, auch neue attraktive Tarife und Programme zur besseren Kundenbindung wurden eingeführt und die Schuldenlast gedrückt. Die vielfältigen Restrukturierungsmaßnahmen haben unter anderem dazu geführt, dass der Kundenverlust im wichtigen Vertragssegment - die Sparte steuert den Löwenanteil zu den Erlösen bei - zwar nicht gestoppt, aber auf ein vertretbares Maß reduziert werden konnte. UniCredit rechnet für 2011 mit einem Minus von 401.000 Verträgen. 2012 dürfte sich das Minus auf 50.000 weiter verbessern.
Spieglein, Spieglein, ...
Unter der Führung von Christoph Vilanek hat Freenet nicht nur im operativen Geschäft zurück in die Spur gefunden. Auch auf dem Kurszettel spiegelt sich der Erfolg wider. Der TecDAX-Titel koppelte sich insbesondere seit Sommer 2011 völlig vom Gesamtmarkt ab und entwickelte sich bis Ende Dezember um mehr als 35 Prozentpunkte besser als die Benchmark. Aufs Jahr gerechnet verbuchte Freenet sogar ein kräftiges zweistelliges Kursplus. Anleger honorierten dabei nicht nur die Fortschritte im Kerngeschäft, die günstige fundamentale Bewertung mit KGV 9 auf Basis der für 2012 erwarteten Gewinne und die latent vorhandene Übernahmefantasie durch Drillisch sondern auch die aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik des Unternehmens.
Für das zurückliegende Geschäftsjahr hat Freenet eine Dividende von mindestens 0,80 Euro je Anteil in Aussicht gestellt. Analysten rechnen sogar mit einem Wert von 1,00 Euro. Auf dem aktuellen Kursniveau errechnet sich damit eine Dividendenrendite von bis zu zehn Prozent.
Aktie mit reichlich Luft
Freenet startet bärenstark ins neue Jahr. Die Bilanz ist solide und das Geschäftsmodell endlich auf Erfolg getrimmt. Setzen sich die positiven Trends aus den letzten Quartalen fort, bieten die bislang gültigen Prog-
nosen für 2012 zudem Spielraum nach oben.