Leon Müller

Xing freut sich über einen Mitgliederandrang und eilt von Rekordquartal zu Rekordquartal. DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden der Xing AG, Lars Hinrichs, über die jüngste Vergangenheit, Perspektiven für die Zukunft und warum Xing sich als Gewinner der Krise sieht.
Xing freut sich über einen Mitgliederandrang und eilt von Rekordquartal zu Rekordquartal. DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden der Xing AG, Lars Hinrichs, über die jüngste Vergangenheit, Perspektiven für die Zukunft und warum Xing sich als Gewinner der Krise sieht.
DER AKTIONÄR: Sehen Sie sich als Gewinner der gegenwärtigen Krise?
Lars Hinrichs: Unser operatives Geschäft verläuft sehr erfreulich, da wir unseren Mitgliedern insbesondere in wirtschaftlich unsichereren Zeiten vielseitige Chancen und echten Mehrwert bieten. Wer zu den Gewinnern zählen will, braucht ein gewachsenes Kontaktnetzwerk. Persönliche Kontakte öffnen viele Türen für beruflichen Erfolg. Dies gilt für die Entwicklung zusätzlicher Vertriebswege ebenso wie für die Anbahnung neuer Geschäftspartnerschaften und vor allem auch für die eigene Karriereplanung bei anstehenden Jobwechseln. Wer hier nicht online auf sich aufmerksam macht, verliert den Anschluss und wird in Zukunft nicht mehr wahrgenommen.
Wir sind schuldenfrei und neben den steigenden Gewinnen aus dem operativen Geschäft stehen uns liquide Mittel in Höhe von über 40 Millionen Euro zur Verfügung. Damit verfügen wir über beste Voraussetzungen, um unseren erfolgreichen Wachstumskurs auch bei einer anhaltenden Finanzmarktkrise konsequent fortzusetzen.
Binnen Jahresfrist ist die Zahl der Premium-Mitglieder in Relation zu der Gesamtzahl der Mitglieder überproportional gestiegen. Wird sich dieser Trend fortsetzen?
Wir erwarten, dass sich unsere Mitgliederzahlen europaweit und damit auch unsere Geschäfte weiter sehr erfreulich entwickeln. Auch der anhaltende Trend zu immer mehr zahlenden Mitgliedern wird sich fortsetzen.
Den größten Zuwachs auf der Erlösseite brachte der Bereich Subscriptions, während Advertising und eCommerce in etwa auf der Höhe der im zweiten Quartal erreichten Werte lagen. Wie wird sich dieses Verhältnis in den nächsten Quartalen entwickeln?
Das anhaltend starke Mitglieder- und Umsatzwachstum und die hohe Skalierbarkeit unseres Geschäftsmodells führten zur mit 40 Prozent höchsten EBITDA-Marge des Jahres. Der Nettogewinn konnte in den ersten neun Monaten sogar auf 4,72 Millionen Euro verdoppelt werden.
Unsere Ausgangsbasis für weiteres Wachstum sind zufriedene Mitglieder, die sich bei Xing sehr aktiv beruflich vernetzen und uns damit wachsende Mitgliedsbeiträge (Subscriptions) bescheren. Im Kerngeschäft der Premium-Mitgliedschaften konnte so der Umsatz um 60 Prozent gesteigert werden.
Mit bereits heute mehr als 6,5 Millionen Geschäftsleuten, Führungskräften und Fachleuten sind wir natürlich längst auch ein sehr interessanter Kooperationspartner für Unternehmen, die diese Zielgruppen dort erreichen wollen, wo sie auch tatsächlich aktiv sind. Deshalb konnten unsere Ende 2007 neu eingeführten B2B-Geschäftsmodelle bereits wesentlich zur Umsatzsteigerung beitragen. Im Bereich eCommerce und Advertising erzielte die XING AG erstmals einen zusätzlichen Umsatzanteil von 20 Prozent. Diese jetzt etablierten Bereiche werden wir künftig noch weiter ausbauen.
Sie haben ein Aktienrückkaufprogramm gestartet. Was war der ausschlaggebende Punkt, dies jetzt zu tun? Und was wird mit den erworbenen Papieren geschehen?
Nachdem unsere Aktionäre bei der letzten Hauptversammlung einem möglichen Aktienrückkaufprogramm mit großer Mehrheit zugestimmt haben, sahen wir jetzt dafür den Zeitpunkt als sehr günstig an. Im Übrigen gehen auch alle uns vorliegenden Analysteneinschätzungen von deutlich höheren Kurszielen aus.
Mit dem Erwerb zusätzlicher eigener Aktien schaffen wir unter anderem eine Akquisitionswährung, die wir im Zusammenhang mit dem Erwerb von Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen einsetzen können.
Wie erwarten, dass sich gerade auch Firmen in unserem noch recht jungen Wachstumsmarkt, die nicht über eine ausreichende eigene Finanzierungskraft verfügen, sich als deutlich günstigere Übernahmeziele anbieten können. Hier sehen wir als finanzkräftiges Wachstumsunternehmen mit mehr als 40 Millionen Euro liquiden Mitteln enorme Potentiale für zusätzliches anorganisches Wachstum, welches wir für unsere Aktionäre heben können. Wir haben damit die besten Vorrausetzungen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Verleitet der aktuelle Aktienkurs auch Sie persönlich zum Kauf von Xing-Papieren?
Als Gründer und Vorstandsvorsitzender halte ich nach wie vor rund 28 Prozent der Aktien. Gleichzeitig bitte ich um Verständnis, dass ich als Insider nach geltendem Recht natürlich keine Hinweise für Kaufempfehlungen geben kann und möchte.
Die Analystenschätzungen zeigen übrigens aktuell tatsächlich Kursziele zwischen 40 und 54 Euro. Wir arbeiten mit unseren mehr als 160 Mitarbeitern täglich sehr engagiert daran, unseren Wachstumskurs weiter konsequent fortzusetzen. Dies dürfte sich früher oder später auch im Kurs der Aktie reflektieren.
Sie haben das Thema Übernahmen schon angesprochen. Gibt es hier schon konkretes?
Als klar auf Wachstum ausgerichtetes Unternehmen wollen wir unsere Finanzkraft nutzen, um uns zusätzliche und lukrative Marktanteile zu erschließen. In Spanien und der Türkei haben wir bereits führende Business Networks bei XING erfolgreich integriert und damit bewiesen, dass wir Übernahmen sehr vorteilhaft für den Ausbau unserer in Europa marktführenden Position nutzen können. Unser M&A-Team prüft laufend Handlungsoptionen, um unser ohnehin schon starkes organisches Wachstum durch Übernahmen sinnvoll zu beschleunigen.
Welche strategischen Veränderungen wird es in absehbarer Zeit geben?
Unsere Mitglieder und auch Aktionäre können sich da auf sehr spannende Neuentwicklungen freuen. Die seit Ende 2007 neuen und heute längst etablierten Geschäftsbereiche im B2B-Bereich zeigen, dass wir mit unserem leicht skalierbaren Geschäftsmodell noch sehr viel zusätzliches Wachstumspotential erschließen können. Aktuell gelingt uns dies mit Stellenanzeigen und Werbung bereits mit erfreulich wachsenden Umsätzen und positiven Ergebnisbeiträgen. In den kommenden Monaten werden wir deshalb die Entwicklung und Implementierung weiterer Erlösquellen beziehunsgweise neuer Dienstleistungen und Funktionalitäten für unsere Kooperationspartner vorantreiben.
Die Zufriedenheit unserer Mitglieder steht dabei aber stets im Vordergrund unserer Überlegungen. Alles, was unseren Mitgliedern einen echten Mehrwert bringt, ist strategisch für uns hochinteressant. Für die nächsten Monate haben wir dafür eine prall gefüllte Projektpipeline.
Abschließend noch eine Frage: Was macht Ihr Unternehmen für Aktionäre attraktiv?
Seit dem Börsengang im Dezember 2006 haben wir unsere Mitgliederzahlen und damit unsere Umsätze und Ergebnisse in jedem Quartal stetig ausgebaut. Mit 9,2 Millionen Euro Umsatz allein im dritten Quartal 2008 haben wir den Umsatz gegenüber dem dritten Quartal 2007 nahezu verdoppelt. Damit haben wir nach nur neun Monaten bereits den Gesamtjahresumsatz 2007 um mehr als 28 Prozent übertroffen.
Über das Umsatzwachstum hinaus zählt Xing AG zu den wenigen börsennotierten Unternehmen, das ein derart rasantes Umsatzwachstum mit einer überdurchschnittlich hohen Profitabilität vereint. Allein im dritten Quartal 2008 haben wir eine operative EBITDA-Marge von 40 Prozent erzielt. Damit zählt die Xing AG zu den profitabelsten Unternehmen an den deutschen Börsen.
Eine Einschätzung zur Aktie der Xing AG finden Sie in der aktuellen Ausgabe von DER AKTIONÄR - jetzt auch als ePaper.
