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- Thorsten Küfner - Redakteur

Zurück zu altem Glanz?

Russlands Wirtschaft hat es derzeit zweifellos schwer. Allerdings verfügt das Land auch über enormes Potenzial – und eine äußerst günstige Bank-Aktie.

Satte 100 Milliarden Dollar dürften dieses Jahr von Investoren aus Russland abgezogen werden. Das ist in etwa so viel wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt des EU-Mitgliedsstaates Bulgarien. 2013 waren es bereits 72 Milliarden Dollar. Vor diesem Hintergrund ist auch die Wirtschaft des Landes erheblich ins Straucheln gekommen. Mittlerweile gehen sogar die ersten Experten davon aus, dass das Land in die Rezession rutscht, wobei die Mehrheit der Volkswirte für 2014 noch mit einem Zuwachs rechnet.

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21.05.2014

Vieles hängt dabei vor allem von der weiteren Entwicklung im Konflikt mit der Ukraine ab. Grund zur Hoffnung, dass es zu einer Entspannung kommt, machte zuletzt die Tatsache, dass sich Russlands Präsident Wladimir Putin verhandlungsbereit gezeigt hat und die pro-russischen Separatisten in der Ukraine zum Dialog aufgerufen hat. Auch Osteuropa-Experte Andreas Männicke sieht den Schlüssel für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage Russlands in einer Beruhigung der Lage: „Mit einem abnehmenden Kapitalfluss rechne ich, sobald der Ukraine-Konflikt gelöst und es klar ist, dass es zu keinen Wirtschafts­sanktionen oder einem Krieg Russland gegen Ukraine kommen wird. Die Kapitalabwanderung kann in diesem Jahr aber 80 bis 100 Milliarden Dollar betragen, wobei jetzt schon 64 Milliarden Dollar abgeflossen sind.“

Noch sind es aber schwierige Zeiten, die Russlands Wirtschaft und damit auch die größte Bank, die Sberbank, gerade durchlebt. Der Konzern musste etwa für faule Kredite umgerechnet 2,7 Milliarden Euro zurückstellen – das war das Sechsfache des Betrages aus dem Jahre 2012. Auch deshalb konnte die Sberbank auch die im August verringerten Gewinnziele nicht erreichen.

Weiterhin hochprofitabel

Allerdings lässt sich eine solche Phase gelassen durchleben, wenn man dabei trotzdem derart profitabel wirtschaftet wie die Sberbank. Denn selbst im schwierigen Jahr 2013 erzielte das Institut einen Gewinn von 7,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert beläuft sich auf 36,9 Milliarden Euro.

Das laufende Jahr dürfte wegen des rückläufigen Wirtschaftswachstums und des anhaltenden Kapitalabzugs vermutlich noch schwieriger werden. An­dreas Männicke zeigt sich für die Sberbank dennoch zuversichtlich: „Ich glaube aber, dass zumindest die Großbanken, die in staatlicher Hand sind, wie die Sberbank und die VTB Bank, die Krise gut überstehen werden, da sie sich rechtzeitig darauf eingestellt haben.“

Zudem ist die Sberbank als Verbund der Sparkassen dank Kundeneinlagen von mehr als 106 Millionen Kunden allein in Russland ohnehin wenig von ausländischen Kapitaleinlagen abhängig. Das Investmentbanking spielt beim russischen Marktführer ebenfalls nur eine geringe Rolle. Zudem hilft die Auslandsexpansion, allmählich etwas unabhängiger vom russischen Heimatmarkt zu werden.

Hoffnung für die Konjunktur

Darüber hinaus sollten Anleger bedenken, dass die konjunkturelle Lage in Russland derzeit zwar alles andere als rosig ist, aber eben auch nicht hoffnungslos.So darf man trotz aller Pro­bleme nicht das riesige Potenzial der russischen Wirtschaft unterschätzen. Der enorme Rohstoffreichtum des Landes war in guten Zeiten stets ein verlässlicher Konjunkturmotor und dürfte dies auch bleiben. Zumal Russland nicht nur über einen enormen Reichtum an Öl und Gas verfügt, sondern auch zu den weltweit wichtigsten Produzenten von wichtigen Metallen wie Palladium oder Nickel zählt. Und im Agrarsektor ist das Land nicht nur wegen des Düngemittelriesen Uralkali hervorragend aufgestellt.

Die Chancen für ein nachhaltiges Comeback der russischen Wirtschaft stehen also gut. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Anleger im Falle einer florierenden Konjunktur noch die Chance haben, sich die hochprofitable Sberbank zu einem KGV von 4 zu kaufen.

Vergleicht man zudem die Bewertung der Sberbank mit den wichtigsten Kennziffern eigentlich aller westlicher Konkurrenten wie Commerzbank oder Deutscher Bank, wird schnell klar, dass der Bewertungsabschlag enorm hoch ist. Zumal die Sberbank anders als einige Wettbewerber dank der Expansion im Ausland noch über reichlich Wachstums­potenzial verfügt.

Mutige Anleger greifen zu

Fakt ist: Ein Investment in russische Aktien ist angesichts der hohen politischen Risiken sowie der stärker schwankenden Währung nichts für schwache Nerven. In der Bewertung der Sberbank-Aktie sind die Risiken allerdings schon mehr als eingepreist. Mutige Anleger sollten daher spätestens bei Anzeichen einer nachhaltigen Entspannung in der Ukraine-Krise zugreifen.

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