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- Michael Schröder - Redakteur

Was kauft Carlos Slim?

Der Multimilliardär Carlos Slim will über Beteiligungen in Europa ein Standbein aufbauen. Der Mexikaner favorisiert dabei den Telekomsektor. Mögliche Ziele gibt es mehrere.

Die Nachricht kam überraschend: Carlos Slim wirft beim Kampf um den niederländischen Telekom-Konzern KPN das Handtuch. Der reichste Mann der Welt, den die Forbes-Liste der Superreichen mit einem Vermögen von rund 53 Milliarden Euro führt, will seine 7,2 Milliarden Euro schwere Offerte nicht weiter verfolgen. Grund: Die KPN-Stiftung blockiert das Vorhaben, sodass der zum Imperium des Milliardärs gehörende mexikanische Branchengigant América Móvil seine Ziele nicht erreichen kann. Ein herber Rückschlag für Slim, der über KPN den Sprung nach Europa schaffen wollte, um auch außerhalb seiner lateinamerikanischen Stammregion zu wachsen.

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04.11.2013

Wo könnte Slim sonst noch in Europa landen? Wenn er nicht in den Niederlanden zum Zuge kommt, dann hat er sich bereits in Österreich eine Hintertür geöffnet. Hier hält América Móvil rund 23 Prozent an der Telekom Aus­tria. Doch da ist der Investor nicht allein. Es scheint aber nur eine Frage des Preises zu sein, ob die Staatsholding ÖIAG (28,4 Prozent) auf Sicht größter Anteilseigner bleibt. In der Regel besitzt der mexikanische Konzern bei seinen bisherigen Töchtern rund 90 Prozent aller Anteile. "Wir beobachten bei América Móvil eine Präferenz dafür, Beteiligungen vollständig oder fast vollständig zu kontrollieren", so die Analysten der Erste Bank. In Branchenkreisen scheint eine Aufstockung daher ausgemachte Sache zu sein.

Nach Europa über Österreich oder Italien ...

Neben den Niederlanden oder Österreich bietet sich Carlos Slim aber auch in Italien eine Möglichkeit, nach Europa zu expandieren - genauer gesagt bei Telecom Italia. Allerdings müsste der Milliardär hier wieder den Umweg über die iberische Halbinsel machen. Der spanische Telekomkonzern Telefónica ist gemeinsam mit einigen Banken und Versicherern über die Beteiligungsgesellschaft Telco an dem zehn Milliarden schweren italienischen Telekommunikationsanbieter beteiligt. Der Anteil am italienischen Konkurrenten Telecom Italia wird derzeit über eine Kapitalerhöhung von bisher 46 auf 66 Prozent erhöht. Zuvor galten die Italiener wegen ihrer Ertragsschwäche und hohen Schulden als verwundbar. Durch diese Maßnahmen schwinden die Chancen von América Móvil. Außerdem kann man Telefónica-Vorstand Cesar Alierta und Carlos Slim nicht wirklich als gute Freunde bezeichnen.

... oder Skandinavien ...

Neben den potenziellen Zielen in Süd- und Mitteleuropa passt aber auch der schwedische Telekommunikations- und Mobilfunkkonzern TeliaSonera, der vor allem in den nordischen Ländern und im Baltikum, aber auch in Spanien operiert, ins Beuteschema von Slim. Vor fünf Jahren hatte France Télécom für die Skandinavier 25 Milliarden Euro geboten - zu wenig, um die Nordlichter zum Verkauf zu bewegen.

... oder Frankreich

Eine weitere Tür nach Europa öffnet sich für den Südamerikaner derzeit in Frankreich. Hier könnte Slim bei Vivendi fündig werden. Der französische Mischkonzern befindet sich derzeit im Wandel. Vor Kurzem wurde dabei beschlossen, eine Abspaltung der Mobilfunksparte Société Française de Radiotéléphonie - kurz SFR - zu prüfen. Experten schätzen den Wert, der durch einen Verkauf des zweitgrößten Mobilfunkanbieters in Frankreich gehoben werden kann, auf rund zehn Milliarden Euro.

Zu guter Letzt ist auch eine Wiederaufnahme der Gespräche mit KPN möglich. Man könne über alles reden, wird KPN-Chef Eelco Blok zitiert. Diesmal müsse nur der Preis stimmen.

Klare Favoriten

Wo Carlos Slim zuschlägt, ist sehr schwer einzuschätzen. Sicher ist dagegen, dass die Zeit für Übernahmen im Telekomsektor sehr günstig ist. DER AKTIONÄR favorisiert aus der Einkaufsliste des Milliardärs neben der Telekom Austria weiter die KPN.

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| Stefan Limmer | 0 Kommentare

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