Heidelberger Druckmaschinen
- Markus Bußler - Redakteur

Totgesagte leben länger

Kaum einer hat es für möglich gehalten. Die Druckbranche war tot, begraben. Die Unternehmen selbst mussten teils künstlich am Leben gehalten werden. Auch Branchenprimus Heidelberger Druck. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise musste der Staat einspringen. Nur mit einem Darlehen der Staatsbank KfW konnte das Unternehmen die „Phase der schwierigen Kreditvergabe“ – wie es der damalige Vorstandschef Bernhard Schreier ausdrückte – überbrücken. Doch mittlerweile sendet Heidelberger Druck wieder Lebenszeichen. Von einer schwarzen Null ist die Rede. „Wir glauben, dass Heidelberger Druck die Kurve bekommen hat und sich jetzt auf Erholungskurs befindet“, sagt Peter Reilly, Analyst bei der Deutschen Bank.

Umsatzrückgang – kein Problem

Heidelberger Druckmaschinen
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25.11.2013

Die jüngsten Zahlen untermauern diese Meinung: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres stand ein operativer Gewinn von 33 Millionen Euro zu Buche. Und das, obwohl der Umsatz deutlich zurückgegangen ist. Nach 697 Millionen Euro im Vorjahr erlöste Heidelberger Druck im abgelaufenen Quartal nur noch 504 Millionen Euro – dennoch ist das kein Grund zur Panik. Warum? Weil der Umsatzrückgang zum einen auf den starken Euro zurückzuführen ist. „Wir hatten Gegenwind durch den starken Euro“, sagte Finanzvorstand Dirk Kaliebe in einem Interview mit dem DAF Deutsches Anleger Fernsehen. Zum anderen aber auch, weil der Vorjahreszeitraum positiv von Umsätzen durch die Branchenmesse drupa beeinflusst wurde, die nur alle vier Jahre stattfindet.

Marge steigt wieder an

Fokussierung auf die Marge heißt die Devise bei dem Unternehmen. Und das ging in den vergangenen Monaten vor allem mit einem Sparprogramm einher. Insgesamt 600 Stellen sind im zweiten Quartal dem Rotstift zum Opfer gefallen. Damit hat Heidelberger Druck sein Ziel fast erreicht. „Der große Abbau ist abgeschlossen“, sagt Konzernchef Gerold Linzbach. Die Erfolge der Kostensenkungsmaßnahmen zeigen sich allmählich in der Marge. Im ersten Halbjahr lag die EBITA-Marge zwar noch bei mageren drei Prozent, doch aufgrund der deutlichen Verbesserung im zweiten Quartal rückte die Zielmarke des Vorstands von acht Prozent langsam in Reichweite. Zur Erinnerung: Kurz vor der Finanzkrise konnte Heidelberger Druck noch mit einer EBITA-Marge von über zehn Prozent glänzen. Doch nach der Lehman-Pleite rutschte die Marge kurzzeitig sogar in den negativen Bereich.

„Heidelberger Druck kann zu einer nachhaltigen Profitabilität zurückkehren, ohne dass sich die Endmärkte erholen“, lobt Reilly von der Deutschen Bank die Strategie des Vorstandes. Und das dürfte den Kurs nachhaltig beflügeln. Diese Ansicht teilt auch Daniel Gleim von der Commerzbank. Er sieht einen positiven Newsflow in den kommenden Quartalen. Neben Rationalisierungsmaßnahmen sollte auch der Verkauf von verlustbringenden Unternehmensteilen im Fokus stehen. Außerdem dürfte Heidelberger Druck durch Kooperationen vor allem im Bereich Digitaldruck seine Marktstellung weiter verbessern. Zuletzt schloss das Unternehmen eine Kooperation mit Fujifilm. „Die Zusammenarbeit wird sich vor allem darauf konzentrieren, Produkte der nächsten Generation für den attraktiven Digitaldruckmarkt zu entwickeln“, heißt es aus der Konzernzentrale. Dabei zielt Heidelberger Druck vor allem auf den industriellen Verpackungs- und Werbedruck ab. Das Umsatzpotenzial aus der Kooperation sieht das Unternehmen bei 200 Millionen Euro.

Schulden auf dem Rückzug

Zudem kommt Heidelberger Druck beim Abbau der Nettoschulden gut voran. Nachdem die Staatshilfe mithilfe einer Anleihe zurückgezahlt werden konnte, sind die Nettofinanzschulden zuletzt im Jahresvergleich von 357 auf 239 Millionen Euro gesunken. „Die eingeleiteten Maßnahmen sowohl beim Asset- als auch beim Net-Working-Capital-Management, um die Nettofinanzverschuldung wie geplant nachhaltig zu senken, zeigen zunehmend Wirkung“, so Finanzvorstand Kaliebe.

Und geht es nach den Analysten, dürften die Nettofinanzschulden auch in den kommenden Quartalen weiter sinken. Commerzbank-Analyst Gleim rechnet für die kommenden drei Jahre mit einem Free-Cash-Flow von 120 Millionen Euro. Die Wahrnehmung für diesen Aspekt dürfte zunehmen, entsprechend könnte sich die Neubewertung der im SDAX notierten Aktie fortsetzen.

Kursziel: 4,00 Euro

Noch läuft nicht alles rund und Restrisiken bleiben. Eine rasche Erholung der Endmärkte scheint nicht in Sicht und vor allem die Schwäche des japanischen Yen stärkt die direkte Konkurrenz von Heidelberger Druck. Dennoch: Das Unternehmen kommt mit dem Sparprogramm gut voran. Die Neuausrichtung sorgt zudem dafür, dass sich der Konzern zum Teil von der Entwicklung der gesamten Branche lösen kann. Das Kursziel der Deutschen Bank von 4,00 Euro rückt damit durchaus in Reichweite.

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| Werner Sperber | 0 Kommentare

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