GK Software
- Michael Schröder - Redakteur

Top-Performer bleibt optimistisch

Die Aktie von GK Software zählte in den letzten Wochen zu den Top-Performern am heimischen Aktienmarkt. Seit Anfang Oktober hat der Nebenwert rund 60 Prozent an Wert zugelegt. Dem Vernehmen nach erwartet der auf den Einzelhandel spezialisierte Softwarekonzern ein starkes viertes Quartal und kann dabei auf eine „sehr gut gefüllte Pipeline“ mit potenziellen Projektabschlüssen verweisen.

Nach einem verhaltenen Jahresstart 2013 will GK-Finanzvorstand André Hergert mittelfristig wieder an das früher erreichte Margenniveau von bis zu 20 Prozent auf EBIT-Basis anknüpfen – auch dank der Partnerschaft mit SAP. DER AKTIONÄR traf Finanzchef Hergert zum Hintergrundgespräch.

Könnten Sie uns diese Entwicklung bitte näher erläutern?

Dabei geht es im Wesentlichen um die Frage, wie sich die verschiedenen Kanäle Stationär, Online, Katalog oder Mobile nahtlos verzahnen lassen, um dem Konsumenten ein durchgängiges Shoppingerlebnis zu bieten. Die Unklarheit über künftige Entwicklungen und das Fehlen großer Referenzprojekte weltweit haben dazu geführt, dass sich die Salescyles in unserem Marktumfeld erheblich verlängert haben. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich diese Situation aufzulösen beginnt.

Wie sind Sie vor diesem Hintergrund mit der bisherigen Geschäftsentwicklung in 2013 zufrieden?

Das Geschäft verlief in den bisherigen Quartalen durchaus erwartungsgemäß, da wir wussten, dass die größeren Entscheidungen sich im vierten Quartal 2013 massieren würden, dennoch war es für uns enttäuschend, in diesem Zeitraum kein ausgeglichenes Ergebnis erreicht zu haben. Im dritten Quartal konnten wir dies jedoch drehen und richten unseren Blick jetzt auf den Abschluss des vierten Quartals, das – mit Ausnahme des Vorjahres – immer unser stärkstes gewesen ist. Erfreulich in den ersten drei Quartalen ist in jedem Falle die Entwicklung der von uns Ende 2012 akquirierten AWEK gewesen, deren Restrukturierung besser verläuft, als wir ursprünglich prognostizieren konnten.

Wann erwarten Sie die nachhaltige Wiederbelebung des Auftragsflusses?

Nun ja, wiederbeleben müssen wir den Auftragszufluss nicht, denn auch 2013 hat – trotz des engen Marktumfeldes – bislang einige mittlere Projektabschlüsse für die GK Software gesehen. Ansonsten blicken wir auf eine sehr gut gefüllte Pipeline mit möglichen Abschlusschancen noch in diesem Jahr oder in den ersten Monaten des kommenden Jahres. Wir sind guter Dinge.

Worauf dürfen sich die Anleger im Gesamtjahr einstellen?

Wir werden in jedem Falle unseren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern können. Bereits nach neun Monaten lagen wir leicht über dem gesamten Vorjahr. Wenn wir bis zum Jahresende noch eine der großen Auftragschancen realisieren können, wird sich dies auch nachhaltig im Ergebnis widerspiegeln. Denn wir haben bereits im dritten Quartal den Status erreicht, aus dem Bestandsgeschäft und den kleineren Neuaufträgen weitgehend kostendeckend zu sein.

GK Software
38,00 €
45,00 €
32,00 €
11.12.2013

Bisher agieren Sie überwiegend im deutschsprachigen Raum. Wie steht es um das Geschäft im Rest von Europa, Asien und Amerika?

Wir konnten in den letzten Jahren bereits bedeutende Kunden aus Russland, Irland und Dänemark gewinnen, und das mit unserer eigenen Vertriebsmannschaft ohne Unterstützung der SAP. In der Tat ist es jedoch so, dass, seit SAP unsere Lösungen zum weltweiten Vertrieb freigegeben hat, die Mehrzahl unserer potenziellen Kunden nicht aus dem deutschsprachigen Raum stammen. Es war und ist ja auch ein wesentliches Ziel unserer Partnerschaft mit SAP, die Abhängigkeit von den deutschsprachigen Märkten zu verringern, in denen wir außerdem bereits einen bedeutenden Marktanteil haben.

Wie wichtig ist dabei das im Mai mit der SAP AG für Nordamerika abgeschlossene Reseller Agreement?

Der US-Markt ist der größte Einzelhandelsmarkt der Welt. Dort wird allein im Weihnachtsgeschäft fast so viel umgesetzt wie in Deutschland im gesamten Jahr. Gleichzeitig ist die Größe der dortigen Händler anders als in Europa. Ein mittlerer US-amerikanischer Retailer wäre in Europa oft schon unter der TOP50, ein Schwergewicht wie Walmart bringt es allein auf ein Umsatzvolumen, das fast an den gesamten Einzelhandelsumsatz von Deutschland heranreicht. Daher ist dieser Markt für jeden weltweit aufgestellten Lösungsanbieter von fundamentaler Bedeutung. Von der Partnerschaft mit SAP erwarten wir, dass uns jetzt der nachhaltige Markteintritt unserer Lösungswelt dort gelingt.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit SAP generell?

Wir arbeiten sehr eng und vertrauensvoll zusammen und konnten in den letzten Jahren bereits über zehn gemeinsame Projekte bei Einzelhändlern unterschiedlicher Größe auf zwei Kontinenten gewinnen. Unsere internationalen Pläne können wir nur gemeinsam mit SAP realisieren, da uns damit die Vertriebsmannschaft des weltweiten Marktführers bei ERP-Systemen zur Verfügung steht.

Welche Stärken würden Sie an dieser Stelle gerne hervorheben?

Im Zusammenhang mit der Diskussion um Omni-Channel sind wir gerade in der Partnerschaft mit SAP hervorragend aufgestellt. Nach der Akquisition von Hybris durch SAP sind wir gemeinsam in der Lage, alle neuralgischen Punkte rund um Omni-Channel – vom realen Store, über mobile Geräte, klassische Webshops bis hin zum mächtigen Backend von SAP – mit Best-of-Breed-Lösungen in einem ganzheitlichen Verbund anzubieten. Darin sehen wir einen erheblichen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb.

Welche Schwächen würden Sie gerne schnell abstellen?

Unser Ziel ist es natürlich, im Vertriebsbereich möglichst umgehend wieder zu punkten und dabei den Trend zu nutzen, dass sich der Investitionsstau im Handel aufzulösen beginnt. Darüber hinaus arbeiten wir natürlich permanent daran, unsere Organisation für die weiteren Herausforderungen personell und organisatorisch optimal aufzustellen.

Welche Rolle spielen Akquisitionen in Ihren Expansionsplänen?

Wir haben in den letzten Jahren zwei wichtige Akquisitionen vorgenommen, die wir finanziell sehr gut bewältigen konnten, deren Integration in die Gesellschaft weitgehend reibungslos verlaufen ist und die uns gestärkt haben. Wenn wir Möglichkeiten sehen, auf diesem Weg weiterzugehen, werden wir dies selbstverständlich tun, wenn es in einem ökonomisch vertretbaren Rahmen bleibt.

Werden Sie mittelfristig wieder an das früher erreichte Margenniveau von 18 bis 20 Prozent auf EBIT-Basis anknüpfen können oder haben sich die Rahmenbedingungen nachhaltig verändert?

Wir gehen davon aus, dass wir unser langfristiges mittleres Margenniveau in unserem Kerngeschäft um GK/Retail in dem beschriebenen Rahmen wieder erreichen können.

Wo sehen Sie die Gesellschaft vor diesem Hintergrund in drei Jahren?

Wir haben eine langjährige Wachstumsgeschichte hinter uns und eine klare Wachstumsperspektive vor uns. Ich gehe davon aus, dass es uns gelingen wird, auf den langjährigen Wachstumspfad zurückzukehren und uns dabei so aufzustellen, dass künftiges Wachstum nicht mehr nur durch unsere eigene Organisation, sondern auch über das Geschäft mit Implementierungspartnern erfolgen wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

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