Softship
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Softship: „Wir investieren in Wachstum“

Detlev Müller, Softship AG, 20130827

Die Softship AG reduziert ihre Beteiligung an der Luftfahrttochter ASISTIM auf 50 Prozent. Damit werden künftig nur noch die im Schifffahrtssegment erzielten Erlöse im Konzernumsatz ausgewiesen. Nach einem starken vierten Quartal 2013 waren die Hamburger schwächer ins Geschäftsjahr 2014 gestartet. Trotz der rückläufigen Umsatz- und Ergebnisentwicklung in den ersten drei Monaten hält das Softwarehaus jedoch an seinen Wachstumszielen für das Gesamtjahr fest. Wir sprachen mit Softship-Vorstand Detlef Müller über die Gründe für seinen Optimismus, die Bedeutung der ASISTIM und die jüngsten Veränderungen im Aktionärskreis.

Herr Müller, die Softship AG hat ihre Beteiligung an der ASISTIM GmbH von 67 % auf 50 % reduziert und wird damit künftig nur noch die Erlöse aus dem Bereich Schifffahrt im Konzernumsatz ausweisen. Verlieren Sie das Interesse an der Luftfahrt?

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23.05.2014

Detlef Müller: Keineswegs. Wir halten an unserer 25-prozentigen Beteiligung an der Airpas Aviation AG fest und wir werden auch weiterhin bei der ASISTIM GmbH an Bord bleiben, jedoch nicht mehr als Mehrheitsgesellschafter. Wir haben die günstige Gelegenheit genutzt, einen Teil unserer ASISTIM-Anteile zu einem attraktiven Preis zu veräußern. Auf der einen Seite verringern wir so unser Risiko im Segment Luftfahrt, andererseits werden wir die uns zufließenden Gelder in neue Produkte und damit in Wachstum investieren. Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 0,6 Millionen Euro ist die ASISTIM für die Entwicklung der Softship-Gruppe eher von untergeordneter Bedeutung.

Nach den starken Zahlen 2013 haben Sie ein schwächeres Q1 2014 gemeldet. War waren die Gründe für das rückläufige Ergebnis in den ersten drei Monaten 2014?

Die Schifffahrtsbranche befindet sich in einer schwierigen Marktsituation mit erheblichen Überkapazitäten und einem starken Wettbewerb. Wir erleben in Folge dessen aktuell eine spürbare Zurückhaltung in der Investitionsbereitschaft unserer Kunden und Interessenten. Dies hat dazu geführt, dass wir im ersten Quartal weniger Neukunden gewinnen konnten als im Vorjahreszeitraum. Entsprechend liegen unsere Lizenzumsätze unter denen des Vorjahres. In der Folge sind dann auch die Dienstleistungsumsätze in den ersten drei Monaten hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Diese resultieren im hohen Maße aus den neuen Projekten. Für uns machen dabei ein oder zwei zusätzliche Neukunden mit Lizenz- und Projektumsätzen den Unterschied zwischen einem guten oder einem schwachen Quartal aus.

Sie sprechen es an, die Neukundengewinnung ist in den ersten drei Monaten hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Stufen Sie dies als Momentaufnahme mit einer nur geringen Aussagekraft ein oder hat sich das Marktumfeld speziell im Bereich Schifffahrt nachhaltig eingetrübt?

Wir sehen unverändert einen hohen Druck für die Reedereien ihre Effizienz zu steigern und mit modernen IT-Lösungen ihre Prozesse zu optimieren. Unser Lizenzgeschäft war auch in der Vergangenheit immer recht volatil. Eine quartalsweise Betrachtung ist von daher nicht sehr aussagekräftig. Wir beobachten in der Branche zurzeit einen nochmals gestiegenen wirtschaftlichen Druck und in Verbindung damit eine reduzierte Investitionsbereitschaft. Wir gehen jedoch nicht von einer nachhaltigen und langfristigen Verschlechterung aus. Im Vertrieb sehen wir ein deutliches Potential an Interessenten mit guten Chancen für Lizenzabschlüsse und neue Projekte für uns. Wir hoffen daher, dass sich die Situation in den nächsten Monaten wieder aufhellt.

Im vergangenen Geschäftsjahr wurde Ihre 25-prozentige Beteiligung Airpas Aviation noch quotal konsolidiert. Ab dem 1.01.2014 ist dies nicht mehr der Fall. Was ist der Hintergrund der geänderten Bilanzierung und welche Auswirkungen hat dies auf Ihr Zahlenwerk?

Bisher wurde in dem Segment Luftfahrt unsere 25-prozentige Beteiligung an der Airpas Aviation AG quotal mit einbezogen. Aufgrund des neuen IFRS 11 Standards, der ab dem 1.1.2014 verbindlich geworden ist, wird diese Beteiligung jetzt nach der ‚at equity‘-Methode konsolidiert. Damit wird die Beteiligung nicht mehr in der Segment-Berichterstattung berücksichtigt und der Konzernumsatz wird um den anteiligen Umsatz bereinigt. Im Konzernergebnis ergibt sich dabei keine wesentliche Veränderung.

Sie haben die Prognose für das Gesamtjahr weiter aufrechterhalten und gehen unverändert von einem Umsatzplus von 5% im Gesamtjahr aus. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Wir sehen im Vertrieb ein großes Potential für die Gewinnung von neuen Kunden mit einem erfreulichen Umsatzvolumen. Mit einer Vielzahl an Unternehmen führen wir intensive Gespräche, unser Vertrieb ist im höchsten Maße gefordert. Viele Schifffahrtsunternehmen haben Bedarf für moderne und innovative IT-Lösungen. Auch bei unseren Kunden glauben wir mit erweiterten Produkten neue Umsätze generieren zu können. Daher gehen wir davon aus, dass in den vor uns liegenden Monaten für uns gute Chancen bestehen. Es ist natürlich wichtig für uns hier relativ kurzfristig neue Abschlüsse zu generieren, um die angestrebten Zahlen zu erreichen.

In den vergangenen fünf Jahren ist Softship im Schnitt um 11 Prozent pro Jahr gewachsen. Müssen sich Ihre Anleger nun auf eine Phase mit niedrigeren Wachstumsraten einstellen?

Für 2014 sehen wir in der Schifffahrt noch schwierige Zeiten, die Entwicklung in 2015 wird dann auch wesentlich von den Wachstumsraten der Weltwirtschaft abhängen. Mit einem stärkeren Weltwirtschaftswachstum kann sich die Situation in der Schifffahrt schnell verbessern. Darüber hinaus wollen wir in dem Markt auch in Zukunft unsere Marktposition verbessern und uns eine breitere Marktbasis erschließen. Daher wollen wir an einem Wachstumskurs festhalten, auch wenn sich unser Geschäft kurzfristig ungünstig entwickelt hat.

Für das Geschäftsjahr 2013 wollen Sie keine Dividende ausschütten. Wofür möchten Sie die eingesparten Mittel verwenden?

Wir wollen in die Zukunft des Unternehmens und seine Produkte investieren und unsere Marktposition ausbauen. Mit neuen Produkten wollen wir uns eine breitere Marktbasis erschließen und damit das Wachstumspotential der Gesellschaft verbessern. Hierfür sind Investitionen in neue Produkte erforderlich.

Im vierten Quartal 2013 haben sich nicht weniger als vier Gesellschaften mit dem Sprung über die 3 %-Schwelle als Softship-Aktionäre geoutet. Diese Gesellschaften halten gemeinsam nun mindestens 14 % der Softship-Aktien. Welche Investoren stecken hinter diesen Gesellschaften und haben Sie Informationen über den Verkäufer der Anteile?

Über den Verkäufer der Anteile liegen uns keine Informationen vor. Ebenso wenig wie lange einzelne Positionen bereits von den investierenden Gesellschaften gehalten wurden und im letzten Jahr durch kleinere Aufstockungen der Positionen über die Meldeschwellen gekommen sind. Die Gesellschaften werden alle von einer Person als Vorstand vertreten, zu diesem haben wir Kontakt.

Der Aktienkurs ist in den letzten Wochen wieder deutlich von seinem Jahreshoch zurückgekommen, insbesondere nach der Veröffentlichung der Q1-Zahlen war die Aktie unter Druck. Sind das jetzt Kaufkurse aus Ihrer Sicht? Für welchen Anlegertyp kommt die Softship-Aktie in Betracht?

Wir sehen für die Softship-Aktie ein deutliches Kurspotential, dies zeigt auch das jüngste Research-Update von VEM. Von daher ist das derzeitige Niveau sicher eher ein Kaufkurs. Ich kann und will natürlich niemand in Sachen Finanzanlagen und Aktien beraten. Wie für viele Small Caps gilt auch für die Softship-Aktie, dass diese auf der einen Seite viel Potential hat, auf der anderen Seite die Liquidität geringer ist als bei den großen DAX-Werten und dadurch mit kleineren Stückzahlen größere Kursschwankungen entstehen können. Softship ist ein hoch spezialisiertes international tätiges IT-Unternehmen, das inzwischen 25 Jahre am Markt tätig ist. In den letzten Jahren konnten Anleger mit der Aktie eine gute Performance erzielen. Das macht die Aktie für langfristige Anleger als Alternative zu Standardwerten sicher interessant.

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

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| Andreas Deutsch | 0 Kommentare

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