I:FAO
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Sex ist die Ausnahme

Topkunden wie Siemens und ein sehr cleveres Geschäftsmodell sorgen für hohe Gewinne.

Champagner und Bikini-Schönheiten - seit den Skandalen bei Wüstenrot und Ergo assoziiert so mancher „Geschäftsreisen" mit heißen Sex-Partys. Braungebrannte Brasilianerinnen tanzen zu lassen ist zwar durchaus kostspielig  - doch blasse Sachbearbeiter(innen) in Großkonzernen reißen weit größere Löcher in die Bilanz. Denn Lustreisen sind die absolute Ausnahme, die Regel ist hingegen Verschwendung bei der Verwaltung von Flügen seriöser Manager zu Kunden oder Geschäftspartnern. Deutsche Firmen geben jährlich 45 Milliarden Euro dafür aus, ihre Mitarbeiter um die Welt zu schicken. Doch erst ein Drittel der Unternehmen nutzt dabei intelligente Software, um günstiger zu buchen, Regeln für die Reise festzusetzen und bei der anschließenden Spesenabrechnung den Überblick zu behalten.

I:FAO
12,30 €
17,00 €
7,70 €
22.02.2013

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Siemens macht es vor. Der Technologiekonzern ist schon seit 15 Jahren Kunde der i:FAO AG (WKN: 622 452) und managt seine Reisen mit der Software Cytric. Im Schnitt finden und buchen Firmen damit zwölf Prozent günstigere Tickets und sparen sogar 55 Prozent Verwaltungskosten.

Bei so viel gewonnener Effizienz bleibt auch für i:FAO ein Stückchen vom Kuchen. Der Clou: Jedes Mal, wenn Mitarbeiter der über 3.000 Bestandskunden wie Ikea, Thyssenkrupp oder Canon eine neue Reise mit Cytric buchen, verdient i:FAO per Gebühr mit.

Dieser permanente Zahlungsstrom an den Buchungsspezialisten sorgt zwar nicht für schnelle Umsatzsprünge durch Einmalaufträge, aber für grundsolide, wiederkehrende Umsätze: Mehr als 90 Prozent der Einnahmen würden selbst dann weitersprudeln, wenn sich das komplette Vertriebsteam von i:FAO auf eine lange Weltreise begeben würde. Doch danach sieht es nicht aus.

Nachdem der Frankfurter Softwarekonzern seit 1999 den Umsatz von Quartal zu Quartal immer steigern konnte, ist 2013 wieder mit einem starken Wachstum zu rechnen.

2013 wird (noch) besser

Gerade hat i:FAO die Zahlen für 2012 vorgelegt. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf 13 Millionen Euro, der Nettogewinn stagnierte bei 3,2 Millionen Euro. Grund dafür waren vor allem Investitionen. Denn Firmenchef Louis Arnitz will weiter wachsen und vergrößert seinen Vertrieb. i:FAO hat neue Mitarbeiter eingestellt und in Frankfurt auf 550 Quadratmetern ein eigenes Konferenzzentrum für Workshops und Präsentationen aufgebaut. Auch die Server-Hardware ist runderneuert worden.

"Wir haben uns auf Expansion eingestellt", so Arnitz gegenüber dem AKTIONÄR. "Die Investitionen in die Vertriebskraft sollten für ein deutlich höheres Wachstum im Jahr 2013 sorgen. Der Gewinn dürfte parallel dazu mitsteigen." Doch Arnitz bleibt wie immer zurückhaltend, was detaillierte Prognosen angeht. Er wolle sich schließlich nicht mit den Federn schmücken, bevor der Vogel gerupft sei.

Relativ und absolut günstig

Gerade hat i:FAO einen Dividendenvorschlag von 0,65 Euro je Aktie bekannt gegeben. Damit liegt die Rendite bei einem Kurs von 12,30 Euro bei deutlich über fünf Prozent. Mehr Verzinsung bei einem gleichzeitig so niedrigen Risiko - die Bilanz ist sattelfest und das Geschäftsmodell extrem krisenresistent - ist schwer zu finden.

Besonders in Relation zur Konkurrenz ist die sehr günstige Bewertung der aktionär-Altempfehlung eklatant. Der US-Wettbewerber Concur zahlt null Dividende und wird mit einem fünfmal so hohen KGV bewertet. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist fast doppelt so hoch. Insofern überrascht es nicht, dass Concur offensichtlich schon bei i:FAO angeklopft hat. Doch Louis Arnitz hat keine Eile, (zu günstig) zu verkaufen. Selbst wenn die Aktie nicht weiter steigt, kann er die hohe Dividendenrendite genießen.

Der Weg ist das Ziel

Bei Unternehmen wie i:FAO rückt das Kursziel wegen der Jahr für Jahr so reichlichen Ausschüttung mitunter in den Hintergrund. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass die Reise von i:FAO eines Tages doch noch in den Armen eines Großkonzerns endet und die biedere "Geschäftsreise" dank lukrativer Prämie in einem heißen (Aktionär-)Abenteuer endet. Aufgrund der in den letzten Tagen schon stark gestiegenen Aktie bietet sich ein schrittweiser Einstieg an.

Dieser Artikel ist der AKTIONÄR-Ausgabe 08/2013 erschienen und aktualisiert.

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