3 D Systems
- Alfred Maydorn - Redakteur

Schuhe aus dem Drucker

Schuhe, Spielzeug, Schmuck – alles aus dem Drucker. Ein neuer Milliardenmarkt beflügelt Aktienkurse.

Arme aus einem Drucker? Klingt wie Science Fiction, ist aber schon heute vollkommen real. Und für die kleine Emma aus den USA sind ihre neuen „magischen Arme" der Weg in ein halbwegs normales Leben. Sie leidet an einer angeborenen Gelenksteife (Arthrogrypose) und kann ihre Arme nicht selbstständig heben und bewegen. Das ging bisher nur mithilfe eines von außen angelegten Spezial-Korsetts. Allerdings war das Korsett aus Metall und auf einem Standfuß befestigt.

3 D Systems
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31.08.2012

Das gedruckte Korsett

Es galt eine leichte, aber dennoch strapazierfähige Lösung zu finden, die am besten auch noch maßgeschneidert ist. Eine ideale Aufgabe für einen modernen 3D-Drucker, mit dem die Einzelteile des Korsetts individuell gedruckt und dann zusammengesetzt werden. Als Material wurde ein Plastik verwendet, das denen von Legosteinen ähnlich ist. Und wenn Emma aus ihrem Korsett herauswächst, wird einfach ein neues gedruckt.

Fast alles ist möglich

Das Drucken dreidimensionaler Gegenstände gibt es mittlerweile schon seit fast 30 Jahren, aber erst in den letzten Jahren ist der Technologie der Durchbruch gelungen. Mit 3D-Druckern lassen sich Materialien wie Plastik, Glas oder Metall vollkommen beliebig formen. Dabei wird das zu druckende Werkstück zunächst am Computer erzeugt oder eingescannt und dann schichtweise aus schmelzfähigem Kunststoff oder anderen pulverisierten Grundstoffen aufgebaut.

Interessant ist der 3D-Druck vor allem bei Kleinserien oder Einzelanfertigungen. Ob ein kaputter Backofengriff, ein defekter Lichtschalter oder ein fehlender Legostein. Statt sich das Ersatzteil für viel Geld zu bestellen und vielleicht wochenlang darauf warten zu müssen, kann man es sich einfach und günstig ausdrucken.

Druckdienste im Internet

Mittlerweile gibt es 3D-Drucker schon für knapp über 1.000 Dollar. Und wer sich keinen eigenen Drucker leisten kann oder will, der nutzt einfach einen der zahlreichen 3D-Internetdienste, die beliebige Gegenstände nach den eigenen Wünschen ausdrucken und versenden. Immer mehr Menschen entwickeln ihre eigenen Wohnaccessoires, Spielzeuge oder Smartphone-Schutzhüllen - mittlerweile lässt sich sogar individuell gestalteter Schmuck drucken.

Flugzeug aus dem Drucker

Aber auch in der Industrie wird die dreidimensionale Drucktechnologie immer beliebter. Automobilhersteller können sich Modelle neuer Prototypen ausdrucken, Architekten ihre Entwürfe und Flugzeughersteller Spezialteile für Turbinen. Der Flugzeughersteller EADS hat gerade eine Drohne vorgestellt, die - abgesehen vom Antrieb - komplett aus dem Drucker stammt.

Aktien im Höhenflug

Die Nachfrage nach 3D-Druckern wächst rasant, sowohl im privaten, als auch im industriellen Bereich, wo ein Drucker schnell einige hunderttausend Euro kosten kann. Das lässt die Kassen der Anbieter klingeln und deren Aktienkurse steigen. Die Papiere der beiden führenden Anbieter haben sich allein im laufenden Jahr mehr als verdoppelt. Und es spricht vieles dafür, dass sie ihren Höhenflug noch längst nicht beendet haben.

3D Systems hat die Nase vorn

Seit Jahren dominieren die beiden US-Unternehmen 3D Systems (WKN 888 346) und Stratasys (WKN 893 231) den Weltmarkt für 3D-Drucker. So wurden etwa Emmas „magische Arme" von einem Stratasys-Gerät gedruckt. Das bereits 1986 gegründete US-Unternehmen 3D Systems wiederum gilt als Erfinder des 3D-Drucks und hält über 1.000 Patente in diesem Bereich.

Auch bei Umsatz und Gewinn hat 3D Systems gegenüber dem Konkurrenten die Nase vorn. Im gerade vorgelegten Quartalsbericht hat 3D Systems seine Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um gut 50 Prozent auf 83,6 Millionen Dollar gesteigert. Für das Gesamtjahr werden von den Analysten Erlöse in Höhe von 343 Millionen Dollar prognostiziert - ebenfalls fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn soll sogar überproportional um gut 60 Prozent auf 1,06 Dollar pro Aktie anziehen.

Der Service macht´s

Interessant ist, dass 3D Sys­tems nur in etwa ein Viertel seiner Erlöse mit dem Verkauf neuer Geräte erzielt. 33 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen mit den zum Drucken erforderlichen Grundstoffen, der Löwenanteil fällt mit 42 Prozent in den Bereich Ser­vice. Nordamerika ist mit einem Umsatzanteil von 57 Prozent noch immer der mit Abstand wichtigste Markt. Europa kommt auf 28 Prozent, Asien liegt bei 14 Prozent.

Rasantes Wachstum erwartet

Die Perspektiven der Branche sind hervorragend. Bis zum Jahr 2018 sollen  die Umsätze der Branche auf drei Milliarden Dollar steigen, erwarten die Marktforscher von GIA in einer gerade ver­öffentlichten Studie. Durch die 3D-Drucktechnologie werden sich komplette Wirtschaftskreisläufe verändern. Die Ex­perten erwarten darüber hinaus, dass sich Arbeitsschritte, die bisher in Billiglohnländer ausgelagert sind, durch 3D-Druck-Dienstleister vor Ort zu vergleichbaren Kosten erledigen lassen.

Kein Wunder, dass in Anbetracht dieser Perspektiven sowohl 3D Systems als auch Stratasys längst zu potenziellen Über­nahmezielen avanciert sind. Interesse dürft unter anderem der Druckerspezialist Hewlett Packard haben.

Größer, besser, billiger

3D Systems ist der Marktführer in einer dynamisch wachsenden Branche, die das Potenzial hat, die Produktionsabläufe unterschiedlichster Branchen zu revolutionieren. Im Vergleich zu Stratasys ist 3D Systems nicht nur größer, sondern auch attraktiver bewertet. Während das 2012er-KGV von Stratasys bei 48 liegt, wird 3D Systems lediglich mit dem 38-Fachen des Jahresgewinns bewertet. Nicht eben ein Schnäppchen, aber in Anbetracht des immensen Potenzials auch nicht zu teuer.

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