DAX
- Michael Schröder - Redakteur

Projekt 2020

Dieses DAX-Depot hat das Zeug zum langfristigen Outperformer.

Projekt 2020. Keine einfache Sache. Wer weiß heute schon, was in acht Jahren passiert? Präsentiert Volkswagen seinen Golf XIII? Versichert die Munich Re die ersten Flüge zum Mars oder schicken sich die Leute keine handgeschriebenen Briefe mehr?

Fundierte Antworten auf diese Fragen kann DER AKTIONÄR zwar nicht geben - ein DAX-Musterdepot bestücken, mit dem Anleger bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts den Leitindex outperfomen können, dagegen schon. Bestückt wird es mit sechs DAX-Aktien.

Adidas: Mehr als eine Vision

Sein Gesichtsausdruck hat sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert. Seine Charakterzüge ebenso wenig: zielstrebig, ehrgeizig ist er immer noch. Nur die Haare sind etwas grauer geworden. Aber das macht Herbert Hainer nur noch sympathischer. Es ist Sonntag, der 5. Juli 2020, Endspiel der Fußball-Europameisterschaft zwischen Deutschland und der Türkei. Adidas-Chef Hainer sitzt im Galatasaray-Spor-Kulübü-Stadion in Istanbul und flachst mit UEFA-Präsident Michel Platini. Die Europameisterschaft in der Türkei war bislang ein echtes Highlight. Adidas ist natürlich Ausrüster der beiden Finalisten - und in den letzten Jahren längst zur Nummer 1 unter den Sportartikelherstellern aufgestiegen. Der Zweikampf mit Nike wurde über Jahre mit harten Bandagen geführt. Hainer aber hatte gegenüber dem US-Konkurrenten einfach die bessere Strategie, er wusste genau, in welchen Märkten in Zukunft die Musik spielen wird. So hat Adidas unter anderem seine Position im stark wachsenden Outdoormarkt durch Übernahmen immer weiter ausgebaut. Die Basis bildet bei Adidas aber noch immer der Bereich Fußball, hier bestimmen die Herzogenauracher wie schon vor zehn Jahren die neuesten Trends. Und auch das Wachstumstempo bleibt hoch. Schließlich gilt es nach wie vor, neue Märkte zu erobern. Denn 2022 steht bereits die Fußball-WM in Katar auf dem Programm. Bis dahin wird Adidas längst den arabischen Raum mit seinen Hightech-Sportartikeln überflutet haben. Adidas ist einer der innovativsten Konzerne in der deutschen Börsenbundesliga. Konditionsstark noch dazu, mit einem starken Taktiker Hainer an der Konzern-Spitze.

Volkswagen: Überlegene Strategie

Das Sentiment für die Autoindustrie hat sich in den letzten Monaten eingetrübt. Bremsspuren bei der Nachfrage machen sich bemerkbar, was in erster Linie an der Schwäche des europäischen Automarkts liegt. Dennoch: Mobilität bleibt ein Megatrend und der Wolfsburger VW-Konzern hat eine Ausnahmestellung inne. Die Bevölkerung in Europa und auch im wichtigen US-Markt wächst, das beflügelt langfristig die Nachfrage nach Autos ebenso wie die prosperierenden Emerging Marktes.

Trotz des Problems der Überkapazitäten in Europa - die europäischen Autofabriken können rund 22 Millionen Pkw pro Jahr fertigen, während nur 16,2 Millionen Fahrzeuge produziert werden - steht der DAX-Konzern gut da. VW kann seine Fabriken im laufenden Jahr mit geschätzten 88 Prozent auslasten, während PSA nur 76 Prozent und GM, Ford, Renault und Fiat nicht einmal 70 Prozent schaffen und vor entsprechenden Problemen stehen. Nicht umsonst planen PSA, GM, Ford und bald wohl auch Fiat, Fabriken stillzulegen. Auch weil sich die Marktanteile immer mehr zugunsten von VW verschieben.

Hinzu kommt, dass mit dem kürzlich vorgestellten Golf 7 das erste Fahrzeug auf den Markt kommt, das auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) basiert. Mit diesem flexiblen, alle Modelle umspannenden Produktionssystem kann VW Analysten zufolge rund zwei Milliarden Euro jährlich einsparen. Die größten Auswirkungen werden voraussichtlich zwischen 2014 und 2016 auf der Ertragsseite zu sehen sein.

Deutsche Post: Ab geht´s! 

Das Geschäft der Deutschen Post AG steht derzeit auf zwei Säulen: dem Brief- und dem Logistikgeschäft. Gleichzeitig setzt der Konzern schon seit Jahren immer wieder auf Innovationen auf dem Weg ins digitale Zeitalter. Das neueste Produkt (ContentConverter) ermöglicht es Verlagshäusern, den Lesern ihre Publikationen auf iPads und Android-Tablets anzubieten und mit interaktiven Elementen wie Videos oder einem E-Shop anzureichern. Zudem profitiert die Deutsche Post vom immer stärker werdenden Internethandel. Die Investitionen in das Express- und Logistikgeschäft, vor allem in Asien, werden sich langfristig bezahlt machen. Damit dürften die weiter nachgebenden Einnahmen aus dem Brief-Bereich weitestgehend kompensiert werden.

Insgesamt dürfte die Deutsche Post somit auch in Zukunft ihre marktführenden Positionen in Deutschland und Asien verteidigen - und gleichzeitig mit einer anhaltend hohen Gewinndynamik überzeugen. Nicht zuletzt deshalb gehört die „Aktie Gelb" derzeit zu den DAX-Lieblingen der Analysten. Rund zwei Drittel der Experten empfehlen den Titel derzeit zum Kauf. Dennoch zählte die Aktie lange Zeit nur als Mitläufer im heimischen Leitindex DAX. In den kommenden Jahren dürfte sich das ändern und der Wert in die Reihe der Outperformer aufsteigen.

Lanxess: Wachstumsrakete

Lanxess ist ein Phänomen. Kaufen, integrieren, nächstes Ziel. Rastlos, zielstrebig arbeitet sich die Firma in der Spezialchemiebranche immer weiter nach oben. Seit nunmehr sieben Jahren geht es Schlag auf Schlag. Im Schnitt wird eine Übernahme pro Jahr gestemmt. In Südafrika kaufte Lanxess zum Beispiel von Dow Chemical eine Tochterfirma, in Indien übernahm es Gwalior Chemical und in der Schweiz eine Sparte von Syngenta. Wenn der Vorstand die Schlagzahl aufrechterhält, kommen in den nächsten zehn Jahren wohl mehr als ein Dutzend weitere Unternehmen hinzu.

Mit einem geschätzten Umsatz von 9,5 Milliarden Euro ist Lanxess derzeit einer der größten Chemiekonzerne in Europa. Mit der Produktion von synthetischen Kautschuken, Spezialchemikalien und Kunststoffen hat er sich in einer lukrativen Nische positioniert. Den Großteil des Umsatzes erwirtschaftet Lanxess derzeit aber noch mit Reifen (26 Prozent), als Zulieferer der Automobil-  (16 Prozent) und der Chemieindustrie (14 Prozent). Lanxess setzt auf langfristige Trends wie etwa die Gewichtsreduzierung in der Autoindustrie, die steigende Nachfrage nach Anbaupflanzen oder die Knappheit an gereinigtem Wasser. Lanxess-Vorstand Axel Heitmann hat in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Trotz Eurokrise konnten die Zahlen immer überzeugen. der aktionär erwatet ein Umsatzwachstum von durchschnittlich sechs Prozent in den nächsten Jahren. 2020 sollte der Spezialchemiekonzern weit über 14 Milliarden Euro erlösen. Etwas stärker wird der Zuwachs beim Ergebnis ausfallen, sodass am Ende des Jahrzehnts sogar 13 Euro pro Aktie verdient werden könnten.

ThyssenKrupp: Vor Neubewertung

 Mit ThyssenKrupp verbinden die Menschen meist nur eines: Stahl. Aber wird das in acht Jahren noch so sein? Vermutlich nicht. Das Unternehmen will den Anteil von Stahl am Gesamtumsatz deutlich senken. Im Gegenzug soll die Technologiesparte, zu der unter anderem der Großanlagenbau und das Aufzugsgeschäft gehören, deutlich gestärkt werden. Der Vorteil: Diese Sparte gilt als margenstärker und weniger konjunktursensibel. Der wichtigste Schritt in diesem Zusammenhang ist wohl der geplante Verkauf der beiden Stahlwerke in Alabama/USA und in Brasilien. Die beiden Werke, deren Bau ThyssenKrupp in den vergangenen Jahren mit Nachdruck vorangetrieben hat, bescherten dem Konzern nicht nur weit höher als geplante Entwicklungskosten, sondern belasten die Bilanz nach wie vor mit horrenden Anlaufverlusten.

Durch den Verkauf könnte ThyssenKrupp der Befreiungsschlag gelingen: Der Konzern könnte einen Großteil seiner Schulden tilgen und wäre in der Lage, neue Investitionen in die Technologiesparte vorzunehmen. Die Aktie steht in diesem Fall vor einer Neubewertung.

Munich Re: Gut versichert

Trotz der zuletzt starken Performance sind die Aktien der Munich Re immer noch günstig bewertet. Daran dürfte sich in den kommenden Jahren nicht viel ändern. Der weltgrößte Rückversicherer glänzt zudem mit einer soliden Bilanz und einer starken Marktstellung. Darüber hinaus lockt die attraktive Dividendenrendite von rund sechs Prozent. Munich Re betreibt seit Jahren eine konsequente und attraktive Kapitalbewirtschaftung. In Zukunft dürfte der Rückversicherer angesichts der auf Sicht niedrigen Zinsen und der unsicheren Wirtschaftslage bei seinen Kunden auf höhere Prämien drängen. Auch von der steigenden Zahl der Naturkatastrophen dürfte der Konzern profitieren.

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