Curanum
- Thomas Bergmann - Redakteur

Pflege fürs Depot

Das wichtigste Projekt des Jahres ist in trockenen Tüchern. Jetzt einsteigen!

Deutschland gilt als Land der Alten. Die Geburtenzahlen sind seit Jahren rückläufig, im Gegenzug steigt die Zahl der Menschen über 60 Jahre immer weiter. Der Altersdurchschnitt liegt mittlerweile bei knapp 43 Jahren, während er zum Beispiel in der Türkei unter 30 Jahren liegt. Der demografische Wandel wird sich fortsetzen. Die Experten erwarten, dass allein in den nächsten zehn Jahren die Zahl der 80-Jährigen in Deutschland um gut 35 Prozent anwachsen wird.

Curanum
2,05 €
2,80 €
1,40 €
05.11.2012

Steigender Bedarf an Pflege

Entsprechend steigen wird der Bedarf an vollstationärer Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Einer Studie von Ernst & Young aus dem Jahr 2011 zufolge werden bis zum Jahr 2020 179.000 Personen mehr als heute stationärer Pflege bedürfen. Bei einer Durchschnittsauslastung der Heime von knapp 89 Prozent werden folglich 202.000 neue Heimplätze benötigt. Dies wiederum bedeutet, dass etwa 200 Pflegeheime pro Jahr neu gebaut werden müssen.

Experten rechnen damit, dass auch die Auslastungsquoten in bestehenden Heimen, die seit 2011 immer wieder leicht gefallen sind, wieder deutlich anziehen werden. Allerdings auch nur bei den Häusern, die in die Instandhaltung und Modernisierung der Immobilien sowie in das Personal investiert haben.

Curanum pflegt sich gesund

Der Pflegeheimbetreiber Curanum (WKN 524 070), mit etwa 8.100 Betten und rund 2.050 Plätzen für betreutes Wohnen einer der fünf größten Player in Deutschland, scheint seine Hausaufgaben – zumindest unter Walther Wever – gemacht zu haben. Der ehemalige Varta-Manager übernahm im Oktober 2010 das Zepter bei den Münchnern und startete umgehend eine Belegungsinitiative. Im Zuge dessen ist die Auslastungsquote auf über 90 Prozent gestiegen.

Der Aufwärtstrend lässt sich auch an den Zahlen ablesen. Zwar verhagelten außerplanmäßige Abschreibungen im Zuge der Aufräumarbeiten die Bilanzen der Jahre 2010 und 2011, doch seit Wevers Amtsantritt geht es bei den Umsätzen und beim operativen Ergebnis kontinuierlich bergauf. So auch im dritten Quartal 2012: Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorquartal um 2,5 Prozent, gegenüber dem Vorjahresquartal sogar um elf Prozent, wobei sich neben der höheren Belegungsquote der Kauf von sechs Einrichtungen der Bremer Gesellschaft für Wohnen im Alter (GWA) positiv bemerkbar machte.

Aufgrund von Skaleneffekten und niedrigeren Herstellungskosten stieg das operative Ergebnis (EBITDA) im Vergleich zum Jahr 2011 überproportio­nal, und zwar um 45 Prozent auf 10,9 Millio­nen Euro. Unter dem Strich verdiente die Gesellschaft 4,2 Millionen Euro oder elf Cent pro Aktie und damit mehr als doppelt so viel wie im Berichtszeitraum des Vorjahres.

Über den Erwartungen

Mit den Quartalszahlen hat Curanum den Markt positiv überrascht. Commerzbank-Analyst Oliver Metzger beispielsweise hatte für das dritte Quartal lediglich mit 72,2 Millionen Euro Umsatz und einem Ergebnis von fünf Cent pro Aktie gerechnet. Auch die EBIT-Marge lag mit 10,2 Prozent deutlich über seiner Prognose von 7,6 Prozent.

Vor dem Hintergrund der starken operativen Entwicklung hat Metzger seine Schätzungen für 2012 und 2013 nach oben korrigiert. Beim Umsatz rechnet er nunmehr mit 290 (zuvor 287) Millionen Euro in diesem und 302 (299) Millionen Euro im kommenden Jahr. Die Prognosen für das Ergebnis je Aktie hat der Curanum-Experte sogar von 14 auf 22 Cent respektive von 28 auf 31 Cent angepasst.

Möglicherweise muss Metzger seine Schätzungen bald erneut anheben. Denn Curanum hat damit begonnen, alle Pflegesätze zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu verhandeln. Nach Unternehmensangaben konnten auch schon die ersten positiven Verhandlungsergebnisse erzielt werden. Dies sollte sich spätestens 2013 sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Ergebnisseite positiv bemerkbar machen.

Günstige Bewertung

Auf Basis der aktuellen Schätzungen beziffert sich das 2012er-KGV für Curanum auf 9. Für 2013 sinkt das Gewinnvielfache auf gerade einmal 6,6. Die niedrige Bewertung spiegelt sich aber auch im Verhältnis von Unternehmenswert (Enterprise Value, EV) zum EBITDA wider. Während in der Branche ein EV/EBITDA von 10 üblich ist, kommt Curanum auf Basis der Prognosen für 2012 auf einen Wert von rund 6. Nimmt man 10 als Maßstab, errechnet sich ein Kursziel von knapp 3,00 Euro.

Aussichtsreiche Verhandlungen

Die Curanum-Aktie dürfte diese Unterbewertung jetzt sukzessive abbauen, nachdem ein im Dezember fälliges Schuldscheindarlehen über 27,3 Millio­nen Euro refinanziert werden konnte (siehe Meldung vom Freitag, dem 2. November). Damit ist das laut Unternehmensangaben größte Projekt für Curanum in diesem Jahr vom Tisch und ein großer Unsicherheitsfaktor beseitigt.

In Kürze dürfte Commerzbank-Analyst Metzger auch seine Einschätzung zur Curanum-Aktie ändern. Er hat bislang trotz eines Kursziels von 2,20 Euro nur eine "Halten"-Empfehlung ausgesprochen. Solange das Darlehen, das im Dezember fällig ist, nicht refinanziert sei, werde er auch von seiner vorsichtigen Haltung nicht abrücken, schrieb der Experte in seiner jüngsten Studie.

Curanum

Der Weg ist frei

Walther Wever hat recht, wenn er meint, dass der Börsenkurs noch nicht den positiven operativen Trend widerspiegelt. Das Geschäft entwickelt sich in der Tat sehr stabil und ohne Zyklen. Die Bewertung ist zudem äußerst niedrig, die Aktionärsstruktur kennt man so sonst nur von Großkonzernen. Nachdem die Anschlussfinanzierung geglückt ist, dürfte es mit dem Kurs deutlich nach oben gehen.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Werner Sperber | 0 Kommentare

Börsenwelt Presseschau: Dr. Hönle, Curanum, HTC und Total unter der Lupe

Das Nebenwerte-Journal begibt sich gerne in die Hände von Dr. Hönle. Der Anlegerbrief performaxx erwartet, dass der Aktienkurs von Curanum noch einmal den Boden testet und dann … . Die Euro am Sonntag hält es für smart, in Anteilscheine des Smartphone-Herstellers HTC zu investieren. Die Börse am Sonntag rät, bei Total einzusteigen, allerdings mit einem Abschlag, wofür ein passendes Derivat angeboten wird. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots. mehr
| Michael Schröder | 0 Kommentare

Indexkarussell dreht sich: Singulus und Balda steigen auf

DER AKTIONÄR hatte bereits gestern daraufhingewiesen. Singulus Technologies feiert ab dem 22. März ein Comeback im TecDAX und ersetzt dort dann Rofin-Sinar. Zudem steigen Balda und Amadeus Fire für Curanum und Arques Industries in den SDAX auf. Bei der regulären Index-Überprüfung der Deutschen Börse blieben DAX und MDAX dagegen unverändert. mehr
| Werner Sperber | 0 Kommentare

Börsenwelt Presseschau: Intershop Communications, Q-Cells, Sky Deutschland, Commerzbank, TUI, Vtion Wireless Technology, Jabil Circuit und andere unter der Lupe

Die Prior Börse sieht auch netto "schwarz" für Intershop Communications. Die Platow Börse stellt vier "Silvester-Trades" vor. Börse Online bietet sechs "Wetten zum Jahreswechsel" an. Der BetaFaktor hofft darauf, dass Vtion Wireless Technology zum "Silvester-Kracher" wird. Trade24 setzt auf Jabil Circuit. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots. mehr