Baywa Vz.
- Jochen Kauper - Redakteur

Neuer Gigant

Mehrere Übernahmen katapultieren die Firma in neue Umsatz- und Gewinndimensionen.

Vor wenigen Wochen kaufte die BayWa (519406) den holländischen Getreidehändler Cefetra. Eine Mehrheitsbeteiligung an der norddeutschen Firma Bohnhorst nahm Vorstand Klaus Josef Lutz auch noch mit in den Einkaufswagen, so im vorbeigehen quasi.

Baywa Vz.

Langsam auf Touren

Lutz hat eine gewisse Anlaufzeit gebraucht. Der ehemalige Sanierer musste sich wohl erst daran gewöhnen, nicht mehr eine marode Firma auf Vordermann zu bringen, sondern einem  kerngesunden Unternehmen wie der BayWa einfach neues Leben einhauchen. Schließlich war die BayWa zuletzt schon etwas eingestaubt. Außerhalb des wunderschönen Bundesland Bayern war der Bekanntheitsgrad der BayWa auch überschaubar. Und das trotz der fast 90-jährigen Firmentradition und einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro.

Neue Strategie

Seit dem Amtsantritt im Jahr 2008 baut Lutz den BayWa-Konzern um. Nicht radikal, nicht alles auf einmal. Kein Schnellschuss. Er Spricht von einem so genannten „sanften Konzernumbau. Wenig rentable Bereiche oder Beteiligungen werden peu a peu verkauft. Darunter zum Beispiel  die Bau- und Gartenmärkte zu Beginn des Jahres. Auf der anderen Seite setzen Lutz und seine Mannschaft auf erneuerbare Energien wie  Sonne, Wind, oder Biomasse. Die BayWa handelt mit Solaranlagen plant und baut Solar- und Windparks. Und das sehr erfolgreich. Der Bereich der erneuerbaren Energien erwirtschaftet die höchsten Margen im ganzen BayWa-Konzern. „KlausJosef Lutz hat seine Versprechungen eingehalten und den Konzernumbau mit höhere Renditen erfolgreich umgesetzt, daher ist die Strategie aufgegangen", so Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe.

Starkes Kerngeschäft

Dabei setzt Klaus Josef Lutz auch weiter auf das Butter und Brot-Geschäft. Die BayWa handelt also weiterhin fleißig mit Agrarprodukten. Dabei vor allem mit Obst und Getreide sowie Landmaschinen, sprich alles was der Landwirt so braucht um seinen Hof am laufen zu halten. Der Bereich Energie umfasst den Handel mit Kraft- und Schmierstoffen, sowie das margenstarke neue Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien. Abgerundet wird das Portfolio der BayWa durch den Handel mit Baustoffen. Machte insgesamt einen Jahresumsatz 2011 von 9,58 Milliarden Euro. Bei einem EBIT von 151,4 Millionen Euro. Das Geschäft läuft, keine Frage. Sehr solide sogar. Dafür aber eben ohne das gewisse Tüpfelchen auf dem „i".

Lutz krempelt um

Aber, dafür wurde ja Klaus Josef Lutz geholt. Seitdem er im Amt ist, hat sich viel getan. Ein erstes Ausrufezeichen setzte die BayWa aber erst mit der Übernahme von 73 Prozent an Turners & Growers. Das Unternehmen gehört zu den größten Frischobst- und Gemüsehändlern Neuseelands, weltweit präsent, insbesondere auf Asiens Wachstumsmärkten. Rund 100 Millionen Euro hat die BayWa dafür auf den Tisch gelegt. Ein sicherlich gutes Investment. Der größte Coup gelang Lutz aber erst vor wenigen Wochen. Fast in einem Atemzug kaufte Die BayWa den holländischen Getreidehändler Cefetra sowie eine Mehrheitsbeteiligung an der norddeutschen Firma Bohnhorst. Cefetra ist sehr stark in der Futtermittelproduktion, erzielte im vergangenen Jahr mit 210 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 4,6 Milliarden Euro. Bohnhorst ist vor allem in den Bereichen Getreide sowie Pflanzenschutz- sowie Futter- und Düngemittel tätig. Cefetra lässt sich die BayWa 125 Millionen Euro kosten, die deutlich kleinere Bohnhorst rund 36 Millionen Euro. Ein genialer Schachzug. Dadurch bekommt die Firma als Getreidehändler eine marktführende Position innerhalb Europas. Zusammen bringen es die BayWa und die schicken Töchter auf ein Handelsvolumen von insgesamt rund 30 Millionen Tonnen. Das ist fünf Mal soviel wie die BayWa bisher alleine umgeschlagen hatte. Gleichzeitig erhält man den Zugang zu neuen Beschaffungsmärkten vor allem in Osteuropa und Südamerika. „Die BayWa hat einen historischen Schritt unternommen. Wir werden uns im internationalen Konzert der Getreidehändler noch stärker platzieren", fasst Vorstand Lutz zusammen.

Riesenschritt

In Zahlen ausgedrückt, wird die eigentlich Tragweite der beiden Zukäufe erst richtig deutlich. Der BayWa-Umsatz wird sich im Jahr 2014 auf 16 Milliarden erhöhen. Auch das EBIT wird einen gewaltigen Satz nach oben machen. „Die BayWa wird im europäischen Konzert ganz vorne dabei sein", ergänzt Lutz. Damit wird die große Einkaufstour aber erstmal vorbei sein. "Jetzt ist mal mit diesen großen Akquisitionen Schicht im Schacht", sagte Lutz. Jetzt heißt es die Zukäufe zu verdauen.

Rein ins Portfolio

Die letzten Akquisitionen katapultieren die BayWa in eine neue Umsatz- und Gewinndimension. Zudem hat sich die Firma in den letzten Jahren von margenschwachen Bereichen getrennt, neue, starke Geschäftsfelder wie die erneuerbaren Energien wurden aus dem Boden gestampft. Mit Klaus Josef Lutz hat man einen genialen Lenker an der Spitze.

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