M-U-T
- Michael Schröder - Redakteur

Zweistelliges Wachstum im Blick

Neue Besen kehren bekanntlich gut. Bei der M-U-T AG ist mit Thomas Wiedermann seit Anfang des Jahres ein neuer Besen in Form eines neuen Vorstandsvorsitzenden aktiv. Hinter den Kulissen hat Wiedermann seine Arbeit bei dem Spezialisten für berührungslose Messtechnik aber schon am 28. Juli 2013 gestartet – und begonnen, den Besen zu schwingen.

„Wir haben restrukturiert, motiviert und die Strategie geschärft“, so Wiedermann. Dabei wurde schnell klar, dass Einsparungen in den Overheadkosten notwendig sind. Alle nicht direkt mit dem operativen Geschäft zusammenhängenden Tätigkeiten werden minimiert. Doch damit nicht genug. Auch die Tochtergesellschaften M-U-T Arabia FZE (Vereinigte Arabische Emirate) und M-U-T Asia Ltd. (Hongkong) wurden geschlossen.

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21.02.2014

In den letzten Monaten standen die nachhaltige Verbesserung der Prozessabläufe, der Kundenzufriedenheit und der Qualität im Fokus. „Alles in allem war 2013 ein Übergangsjahr“, erklärt Ralf Marinoni von Close Brothers Seydler Research gegenüber dem AKTIONÄR. Der Analyst geht aber davon aus, dass tiefrote Zahlen wie 2012 Geschichte sind. Damals sorgte ein Einbruch im Bahntechnik-Bereich (Umsatzanteil rund 30 Prozent) für einen unerwarteten Umsatzrückgang. Vor allem die wegen eines ausgelaufenen 5-Jahres-Vertrags komplett weggefallenen Bestellungen aus China drückten den Umsatz. Die entsprechenden Abschreibungen auf Lagerbestände sorgten am Ende für einen Verlust von 1,16 Euro je Aktie. Besonders erfreulich: Der China-Auftrag wurde mittlerweile um weitere fünf Jahre verlängert – dem Vernehmen nach zu deutlich verbesserten Konditionen.

Entscheidend ist, dass die Restrukturierungsmaßnahmen den gewünschten Erfolg bringen und durch den deutlichen Abbau der Overheadkosten, die Schließung von Auslandstöchtern sowie eine Produktivitätssteigerung in der Fertigung der Profitabilitätsgrad langfristig gesteigert wird. Zur Erinnerung: Die Hamburger konnten zwischen 2006 und 2011 im Durchschnitt um mehr als 30 Prozent pro Jahr wachsen. Die EBIT-Margen lagen stets im zweistelligen Bereich, das KGV 2012 meist im einstelligen Bereich. Obwohl auch im laufenden Jahr noch weitere Restrukturierungskosten, unter anderem durch externe Berater, anfallen werden, erwartet die Gesellschaft neben einer positiven Umsatzentwicklung auch ein deutliches Wachstum des operativen Ergebnisses. Für das Jahr 2014 rechnet Vorstand Wiedermann mit einem Wachstum von zehn bis 15 Prozent. Dabei sind aus heutiger Sicht wieder zweistellige EBIT-Margen im Rahmen des Möglichen. Ab 2015 sollten diese dann wieder zur Selbstverständlichkeit werden.

Was ist der Schlüssel zum Erfolg? Die Gesellschaft hat seit der Gründung 1995 eine nachhaltige technologische Plattform geschaffen, mit der relativ konjunkturunabhängig zum einen eigene Produkte für die Serienproduktion entwickelt und zum anderen auch spezielle Kundenprojekte erfolgreich abgewickelt werden können. Dabei werden wachstumsstarke Geschäftsfelder wie Life Science, Green Tech und Clean Tech fokussiert. Das Segment Life Science deckt dabei medizintechnische Anwendungen ab. Der Bereich Green Tech steht für Kunden aus Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung, das Segment Clean Tech für Geschäftsfelder wie Beleuchtung, Umwelttechnologie oder erneuerbare Energien. Dabei wird den Kunden von der Spektroskopie-Komponente über einzelne Systeme bis hin zum fertigen Gerät alles aus einer Hand angeboten.

Was macht die Technologie so besonders? Die zerstörungsfreie und berührungslose Messtechnik mit optischer Technologie hilft den Kunden, ihre Effizienz permanent zu steigern. Getrieben werden alle adressierten Bereiche durch die demografische Entwicklung und den Ressourcenmangel. Branchenkenner sind überzeugt: Die Migration von Sensoriklösungen in immer mehr Anwendungen – von der Qualitätssicherung in der Produktion bis zu Steuerungen in Maschinen und Konsumgütern – ist ein Trend, der in den kommenden Jahren nicht abreißen wird – und die M-U-T AG ist in einigen Teilbereichen bereits Marktführer in Europa.

Dabei ist die Gesellschaft meist für große OEM-Kunden aktiv. Die langfristig ausgerichtete Planung dieser Big Player gibt auch den Hamburgern große Sicherheit beim Auftragsbestand.

Ebenfalls positiv: Die eingesetzten Teile werden immer kleiner. Daraus ergeben sich zunehmend neue Anwendungsgebiete. 2014 soll unter anderem der Marktzugang für die Produkte der RGB Lasersystem GmbH optimiert werden, die den kleinsten Spektrometer und Laser der Welt herstellen.

Bei all den positiven Aspekten, die das breite Tätigkeitsfeld bietet, ergibt sich auch ein nicht zu verachtendes Risiko. „Da wir alle Branchen bedienen, besteht die Gefahr, sich zu verzetteln. Wir müssen daher zielorientiert und fokussiert vorgehen, um erfolgreich zu sein. Wir wissen aber um das Risiko – und werden darauf besonders achten“, hat Wiedermann die Zeichen der Zeit erkannt.

Die M-U-T AG ist auf einem guten Weg. Nicht alle Optimierungen können in der seit 17 Jahren bestehenden Firma innerhalb weniger Monate umgesetzt werden. Die Transformation von einem entwicklungsorientierten Kleinserien-Produzenten zu einem plattformbasierten Serienhersteller für Sensoriklösungen wird den gewünschten Effekt aber nicht verfehlen. Ab dem kommenden Jahr liegt der Fokus wieder auf der Generierung steigender Umsätze bei hoher Marge. Auch Close-Brothers-Seydler-Analyst Marinoni ist überzeugt, dass Wiedermann an den richtigen Stellschrauben gedreht hat und weiter drehen wird – und die Gesellschaft damit wieder auf den alten Wachstumspfad zurückführen kann. Daher hält er an seinem Kursziel bei 6,00 Euro fest. Seine Kollegen von der WGZ-Bank haben das Kursziel zuletzt von 3,90 auf 5,00 Euro erhöht.

Die Chancen auf die nachhaltige Rückkehr zu zweistelligen Margen und steigenden Gewinnen stehen gut. Die Aktie liegt nach dem jüngsten Anstieg noch am Boden. Risikobewusste Anleger mit langem Atem setzen auf den „neuen Besen“ und greifen daher mutig zu.

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  • Rene Delrieux -
    Die jüngsten Zahlen für Q1 haben Ihren Tipp noch einmal mehr als bestätigt und wohl viele Erwartungen übertroffen. Zudem gab es eine erneute Übernahme in ein neues Marktsegment. Gibt es daher ggf. bereits schon Anpassungen zu Ihrer Empfehlung?

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| Michael Schröder | 0 Kommentare

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