Dr. Hoenle
- Michael Schröder - Redakteur

Mit Vollgas in eine neue Dimension

Vor einigen Jahren wurde die Dr. Hönle AG noch als reiner Zulieferer für die Druckmaschinenindustrie gehandelt. Das war einmal: Mittlerweile hat der Vorstand den Spezialisten für industrielle UV-Technologie deutlich breiter aufgestellt. Neben dem Bereich „Geräte & Anlagen“, der das ursprüngliche Hönle-Geschäft abdeckt, sind die Bayern auch in den Segmenten „Klebstoffe“ und „Glas & Strahler“ aktiv.

Mit dem Kauf der Grafix GmbH und der Raesch-Gruppe wurden wichtige Weichenstellungen für die zukünftige Entwicklung der Gruppe vorgenommen. Grafix erweitert das Produktspektrum für die Druckindustrie und verfügt über ein eigenes Metallbearbeitungszentrum, das jetzt auch für andere Gesellschaften der Hönle-Gruppe genutzt werden kann. Raesch produziert hochwertige Quarzglasrohre, welche beispielsweise als Lampenkörper für UV-Strahler bei Hönle zum Einsatz kommen. „Die letzten zwei Jahre waren wichtig für die Entwicklung der Konzernstruktur“, erklärt Hönle-Finanzvorstand Norbert Haimerl im Gespräch mit dem AKTIONÄR. Die Ergebnisentwicklung blieb dabei jedoch hinter den Erwartungen zurück. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 (30. September) wurde die zuvor reduzierte Prognose zwar erreicht. Die verhaltene Konjunktur hat der Gesellschaft jedoch stärker zugesetzt als gedacht.

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25.03.2014

Die erst vor Kurzem vorgelegten Zahlen für das erste Quartal 2013 zeigen aber, dass es langsam wieder aufwärts geht. „Mit einem Umsatzwachstum von gut 20 Prozent und einer EBIT-Marge von elf Prozent verlief der Start sehr ordentlich, auch wenn gut die Hälfte des Wachstums auf die Konsolidierung von Grafix zurückzuführen ist“, erklärt Malte Schaumann von Warburg Research gegenüber dem AKTIONÄR.

Attraktive Wachstumsraten

Sehr erfreulich präsentierte sich erneut das Geschäft mit Spezial-Klebstoffen, welches um rund 17 Prozent gesteigert wurde, bei sehr guten operativen Margen von über 20 Prozent“, führt der Analyst aus. Mit einem durchschnittlichen organischen Wachstum von zehn bis 15 Prozent pro Jahr ist dieses Segment seit einigen Jahren der wachstumsstärkste Bereich. „Treiber hier sind vor allem Smartphone-Applikationen neben der verstärkten Internationalisierung mit der Erschließung neuer Kunden in Asien und Nordamerika“, weiß Schaumann.

Deutlich ausgebaut werden soll der Bereich Medizintechnik. „Der Markt ist für uns äußerst interessant und wir haben bei einigen vielversprechenden Projekten bereits den Fuß in der Tür“, erklärt Haimerl. Analyst Schaumann sieht den Sektor ebenfalls auf Kurs: „Angesichts des großen Potenzials in bestehenden und neuen Anwendungsfeldern wie der Medizintechnik sollten auch in Zukunft attraktive Wachstumsraten bei überdurchschnittlicher Profitabilität erzielt werden.“

Aber auch im Bereich „Geräte & Anlagen“ konnten Umsatz und Ergebnis gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Das Segment musste zwar organisch aufgrund der Entwicklung in der Druckindustrie Umsatzrückgänge hinnehmen, konnte diese mit der Akquisition von Grafix allerdings kompensieren. „Mit einer EBIT-Marge von knapp elf Prozent haben wir jedoch noch Luft nach oben“, so Haimerl. Anfang des Jahres hat das Metallbearbeitungszentrum von Grafix seinen Betrieb aufgenommen. Hönle kann nun viele Komponenten, die bisher zugekauft werden mussten, selbst fertigen und so die Herstellungskosten senken.

Der größte Hebel

Entscheidend für eine dynamische Ergebnisentwicklung bleibt vor allem eine Erholung im „Glas & Strahler“-Bereich. Hier liegt der größte Hebel der Gesellschaft. Das Segment trägt nach dem Raesch-Kauf derzeit nicht zum Ergebnis der Gruppe bei. Deshalb hat der Vorstand ein umfangreiches Maßnahmenpaket umgesetzt, um sowohl das Umsatz- als auch das Ertragsniveau zu verbessern. „Wir haben die Vertriebsaktivitäten erhöht, zum einen durch die personelle Verstärkung des eigenen Vertriebsteams und zum anderen durch eine neue Vertriebspartnerschaft im nordamerikanischen Absatzmarkt“, erklärt Haimerl.

Zudem wurden neue Produkte für die Halbleiter- und für die Glasfaserindus­trie entwickelt, die nun im Markt eingeführt wurden. Für den Halbleiterbereich werden die Produkte gerade zertifiziert. Aber auch die Optimierung der Ausschussquote steht im Fokus, um so die Materialaufwandsquote zu verbessern. Dies alles sollte spätestens ab dem Ende des laufenden Geschäftsjahres zu einer Erholung der bislang enttäuschenden Entwicklung führen. „Mit einer höheren Auslastung der bestehenden Kapazitäten sollte die Profitabilität im ‚Glas & Strahler‘-Bereich wieder auf ein zweistelliges Niveau zurückkehren können“, ist Schaumann sicher.

Fakt ist: Die Hönle-Gruppe ist mit den drei Geschäftsfeldern in Märkten vertreten, die viel Potenzial für weiteres Wachstum bieten. Das zyklische Geschäft sollte in den kommenden Quartalen spürbar von der erwarteten Konjunkturerholung profitieren. Dies dürfte die Ergebnisqualität in einigen Gesellschaften und damit auch in der ganzen Gruppe nachhaltig verbessern.

Für das laufende Jahr sieht Hönle den Umsatz zwischen 80 bis 85 Millionen Euro und das Betriebsergebnis zwischen neun bis zehn Millionen Euro. Sofern sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen nicht verschlechtern, dürfte mit der Erholung der Umsätze von Raesch spätestens in zwei Jahren beim Umsatz die 100-Millionen-Euro-Marke in Angriff genommen werden. Dabei könnte die EBIT-Marge für die gesamte Gruppe wieder oberhalb von 14 Prozent liegen – und der Gewinn unter dem Strich bei 1,50 Euro je Aktie liegen.

Rezept für starke Rendite

Das Warten auf die deutliche Gewinnsteigerung wird den Anlegern bei Dr. Hönle mit einer Dividendenrendite von knapp vier Prozent versüßt. Die ersten 0,50 Euro je Aktie konnten bereits nach der Hauptversammlung am 21. März einstreichen. Der aktuelle Abschlag kann nun aktiv zum Einstieg genutzt werden. Abgerundet wird das Bild von einer aussichtsreichen Charttechnik. Sowohl aus charttechnischer als auch fundamentaler Sicht ist der Weg in eine neue Dimension geebnet.

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