Manz
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Megatrend Streicheln

Gleich zwei Entwicklungen bringen jetzt viel Rückenwind.

Megatrend Streicheln. Die Begeisterung, die Technik-Lieblinge Tablets und Smartphones per Finger direkt auf dem Monitor zu bedienen, ist ungebrochen. Selbst Displays von Laptops können künftig separat als Touch-Tablet ohne klassische Tastatur verwendet werden.

Manz
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28.09.2012

Die Anzahl solcher Geräte nimmt rasant zu. Einen zusätzlichen Wachstums­impuls verspricht die im Oktober anstehende Vorstellung von Windows 8. Damit ermöglicht Microsoft den PC-Herstellern erstmals, ausgereifte Touchfunktionen anzubieten. Künftig werden daher immer mehr „tote" Bildschirme durch Touchpanels ersetzt.

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Großer Profiteur dieser Entwicklung ist die Manz AG (WKN A0J Q5U). Der deutsche Maschinenbauer stattet schon seit Jahren asiatische Tablet- und Smartphone-Produzenten mit Maschinen zur Herstellung von Displays aus. Erst Ende August stellte Manz sein neues Konzept „total fab solutions" für Touchpanels vor. Manz liefert den Kunden eine Fertigungsstraße, auf der Manz-Roboter die Scheiben am Fließband bewegen und die Displays mit Manz-Know-how gereinigt, gebeizt oder auch beschichtet werden.

Die effiziente Fabrik soll Wasser-, Strom- und Materialkosten sparen. Ein weiteres gewichtiges Kaufargument für die primär aus Asien stammenden Kunden: Manz ist als Partner direkt vor Ort. Erst im Mai 2012 eröffnete Manz einen Produktionsstandort in Suzhou, China.

Dort können nicht nur Display-Maschinen, sondern auch Equipment für die Fertigung von Solarmodulen gebaut werden.

Solar-Abhängigkeit vorbei

Die Solarkrise ging an Manz nicht spurlos vorbei. Doch während reine Solarmaschinenbauer wie Centrotherm in die Insolvenz rutschten, hat Manz rechtzeitig mehrere Standbeine aufgebaut.

Während etwa der Displaybereich im ersten Halbjahr um dynamische 68 Prozent auf einen Umsatz von 72 Millionen Euro wuchs, erzielte der ehemals wichtigste Bereich Solar nur noch zwölf Prozent des Gesamtumsatzes. Doch der Problembereich ist noch lange nicht tot. Im Gegenteil.

Manz investiert weiterhin aktiv in die Dünnschichttechnologie CIGS. Denn während zur Herstellung herkömmlicher, kristalliner Solarmodule erst Waferscheiben aus Siliziumstangen gesägt und dann als Zellen zu einem fertigen Modul verschaltet werden müssen, ist die CIGS-Technik deutlich eleganter: Die elektrisch aktive Schicht wird direkt auf eine Glasscheibe aufgedampft - und ist daher 100-mal dünner als die der kristallinen Technik.

Dieter Manz hat sich zur Perfektionierung dieses Verfahrens extra Beschichtungs-Spezialisten von Leybold, Singulus oder Applied Materials geholt und ein Team mit 50 Mitarbeitern aufgebaut. Und das mit Erfolg.

Neuer Weltrekord

Am 6. September meldete Manz einen neuen Weltrekord. Mit einem Dünnschichtmodul, das auf einer Massenproduktionsanlage hergestellt wurde, wurde ein Wirkungsgrad von 14,6 Prozent erzielt. Ein beachtlicher Wert. Der größte CIGS-Produzent Solar Frontier erzielt derzeit erst rund 13 Prozent.

Manz schließt mit seiner CIGS-Fabrik sogar zu kristallinen Wirkungsgraden auf. Die Herstellungskosten sind Manz zufolge gleichzeitig deutlich günstiger, sodass Module aus Manz-Fabriken selbst in Deutschland künftig zu nur noch acht Cent je Kilowattstunde Strom produzieren können.

Noch hat Manz keinen Großauftrag für die Anfang 2012 von Würth übernommene und weiterentwickelte CIGS-Technologie an Land gezogen. Doch die Chancen sind mit dem Weltrekord gestiegen. Bemerkenswert: Firmengründer Dieter Manz zufolge (Interview folgt am Wochenende) gibt es gleich mehrere ernsthafte Interessenten. Ein einzelner Auftrag könnte ein Volumen von rund 100 Millionen Euro mit sich bringen.

Neuaufträge wären dem Maschinenbauer derzeit sehr willkommen. Während nach zahlreichen Display-Bestellungen zum Jahresstart der Auftragsbestand im März auf 104 Millionen Euro anwuchs, liegt er nach dessen Abarbeitung zur Jahresmitte „nur" noch bei rund 60 Millionen Euro. Damit wurden Kreditklauseln verletzt - Worst Case wäre offenbar eine Reduzierung der Kreditlinie. Doch Dieter Manz ist zuversichtlich: „Das ist sehr unwahrscheinlich. Manz pflegt sehr gute Beziehungen zu seinen Banken, die Zukunftsaussichten werden positiv gesehen."

Denn Manz hat derzeit viel Rückenwind und Chancen auf neue Aufträge. Analysten erwarten im Schnitt, dass Manz 2012 nur mit einem Gewinn je Aktie in Höhe von 0,56 Euro abschließt, aber 2013 mit einem Gewinnplus von knapp 200 Prozent den Turbo zündet, womit das KGV auf 14 sinkt.

Für mutige Anleger

Der Tablet-Boom dürfte sich dank des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows 8 noch beschleunigen. Zudem gelang im schwierigen Solarbereich ein Achtungserfolg. Die Chancen stehen daher gut, dass die technologisch exzellent aufgestellte Manz AG vor einer Phase mit starkem Wachstum steht. Charttechnisch ist das Papier - ausgehend von einer starken Unterstützungszone bei 20 Euro - bereits angesprungen. Folgt ein großer Display- oder sogar CIGS-Auftrag, sind schnell deutlich höhere Kurse denkbar. Aufgrund der Abhängigkeit von Großaufträgen und hohen Investitionen sind allerdings nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken hoch.

Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 38/12 erschienen.

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