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- Michael Schröder - Redakteur

Kinder an die Macht

Mit einem neuen TV-Sender, beliebten Serien und einer konsequenten Vermarktungsstrategie will dieser Small Cap in Zukunft groß aufspielen.

Fernsehen ist noch immer das wichtigste Medium in unserem Alltag. Auch bei Kindern ist die tägliche Fernsehnutzung in den letzten Jahren weiter gestiegen.

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13.11.2012

Daher plant Hans Ulrich Stoef, Vorstand der Münchner M4E AG (WKN A0M SEQ) , mit YEP! einen neuen Kinderkanal im deutschen Senderumfeld zu platzieren. Zudem ist der Startschuss für die Produktion der zweiten Staffel von Mia and me gefallen. Die Erfolgsserie hat großen Anteil an der zuletzt deutlich verbesserten Geschäftsentwicklung der Gesellschaft. DER AKTIONÄR traf Stoef zum großen Hintergrundgespräch.

DER AKTIONÄR: Herr Stoef, Supertalent oder Wetten, dass ... wo würden Sie einschalten?

Hans Ulrich Stoef: Weder noch. Supertalent ist nicht mein Ding und Wetten, dass ... hat sich ein wenig abgenutzt. Beides kann meine Lust auf magische Abenteuer nicht befriedigen. Außerdem schaue ich sehr gerne gemeinsam mit meiner Tochter Fernsehen und sie hält beides für langweilig.

Oder sind Sie doch eher ein Freund von Kinderserien?

Absolut, denn das gemeinsame Unterhaltungserlebnis mit meiner Tochter ist für mich das Größte. Natürlich alles in gesunden Maßen aber wenn es gut gemachte, spannende und phantasievolle Unterhaltung ist, können wir uns gemeinsam daran erfreuen. Im Übrigen war meine zehnjährige Tochter auch der Grund und Inspiration unsere Serie Mia and me zu produzieren.

Sie sind dabei, einen eigenen Fernsehsender zu gründen. Was steckt hinter dem Kanal mit dem Namen YEP?

YEP! wird im deutschen Senderumfeld eine neue Kinder-Unterhaltungsmarke, die Action-und Adventure-Programme bieten wird. Der Programm-Schwerpunkt richtet sich an Jungs im Alter von sechs bis zwölf Jahren, denn Boys Action gehört zu den beliebtesten Fernsehgenres und kein Sender bedient dieses täglich und mit Kontinuität. Mit seiner Ausrichtung ist der Sender fast konkurrenzlos im deutschen Fernsehmarkt. Wir wollen den Kindern eine andere Form der Unterhaltung und des Fernseherlebnisses bieten und zwar ein Unterhaltungserlebnis aus Fantasie und Abenteuer. YEP! ist weder gegen  die öffentlich-rechtlichen Sender oder SuperRTL positioniert, sondern hat seine eigene Identität, die es in dieser Form und so weitreichend hierzulande noch nicht gibt. Wie gesagt, wir sind noch in der Planungsphase aber der Markt reagiert schon sehr positiv und wird hoffen, den Sender bereits im zweiten Quartal 2013 starten zu können.

Welche Rolle spielt die Spielzeugindustrie bei diesem Projekt?

Fernsehen ist nachweislich noch immer das wichtigste Medium im Alltag unserer Kinder und die tägliche Fernsehnutzung bei Kindern ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Durch seine klare Positionierung ist YEP! der sich als privater Sender natürlich über Werbung finanzieren muss, eine optimale Werbeplattform für jungendaffine Produkte. Natürlich wird YEP! keine reine Plattform um Spielwaren zu vermarkten und es geht auch nicht darum nur Merchandisingartikel zu vermarkten. Im Vordergrund steht der Spaß an Unterhaltung, und nicht das Mediabudget der Spielzeugindustrie. Gleichzeitig bieten wir natürlich eine klar definierte Zielgruppe mit einem klar definierten Programm. Dadurch weiß jeder Werbekunde ganz genau, was er bekommt. YEP! agiert im Programmeinkauf völlig unabhängig, verschließt sich aber nicht den großen Spielzeugherstellern, die eigene TV-Serien produzieren. Natürlich müssen diese Programme zu der Philosophie von Yep! passen und von unserer Geschäftsführerin, Karola Bayr auch entsprechend für geeignet betrachtet werden.

Sprechen wir über das aktuelle Geschäft: Wie beurteilen Sie die jüngste Entwicklung der M4E AG?

Überaus positiv! Wir verfolgen konsequent die Strategie unser Portfolio an Eigenrechten weiter auszubauen und ganz im Sinne unseres 360-Grad-Vermarktungsansatzes mit zielgerichtetem Scouting über die Bekanntheit unserer Marken kontinuierlich und profitabel zu wachsen - das haben wir mit der jüngsten Geschäftsentwicklung zum Halbjahr untermauert. Unser Konzernumsatz stieg um rund 21,6 Prozent auf 7,81 Millionen Euro und wir haben einen deutlich positiven operativen Gewinn von etwas mehr als einer Millionen Euro erwirtschaftet.

Welchen Anteil hat die Serie Mia and me an diesem Erfolg?

Einen großen Anteil. Unsere einzigartige neue Serie, die Realfilm mit CGI-Animation in einer noch nie gesehenen künstlerischen Manier verbindet, ist bereits in Deutschland ein riesiger Erfolg und auf dem besten Wege auch international zu funktionieren. Das ein deutsches Unternehmen im Bereich der Kinderunterhaltung und insbesondere der Animation international erfolgreich ist, ist fast schon eine Sensation und bestärkt uns darin, dass wir auf dem richtige Weg sind. Neben dem geschäftlichen Erfolg sind wir extrem stolz darauf gemeinsam mit unserem Partner Gerd Hahn und seiner Hahn Film etwas außergewöhnlich kreatives geschafft zu haben und den Kindern Freude zu bereiten.

Mittlerweile ist der Startschuss für die Produktion der zweiten Staffel von Mia and me gefallen ...

Wie bereits gesagt: Mia and me hat unsere durchaus hohen Erwartungen sogar noch übertroffen! Es war klar, dass wir mit unserer Produktion weltweit punkten wollten und mussten. Und die ersten Vorzeichen - TV-Verkäufe seit 2011, Gewinn der MipJunior Licensing Challenge 2011 - waren äußerst positiv. Schließlich haben wir in die Entwicklung der Serie unser gesamtes Know-how seitens der Vermarktbarkeit eines solchen Produkts gesteckt und hinter Konzept und Look der Serie steckt mit Gerhard Hahn einer der kreativsten Köpfe Europas. Das ZDF hat uns als Co-Produktionspartner von Anfang an voll unterstützt und ist natürlich mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Das freut uns extrem und ist auch eine Art Gütestempel für die M4E AG und zukünftige Projekte.

Erfolg ist in der Unterhaltungsbranche aber immer nur bedingt planbar, oder?

Richtig, zu viele äußere Faktoren können den Erfolg beeinflussen. Mittlerweile ist die Serie in über 60 Länder der Welt verkauft, mit den ersten Ausstrahlungen wurden teilweise überragende Quoten erzielt. In Deutschland war Mia and me im September die erfolgreichste Kindersendung über alle Kanäle hinweg! Die ersten Lizenzprodukte verkaufen sich über die Erwartungen gut. Teilweise mussten unsere Lizenzpartner schon mehrmals nachproduzieren, weil die Nachfrage so groß ist. Ohne diesen Erfolg im Rücken wäre es auch schwierig geworden, zusammen mit den Co-Produktionspartnern Rainbow Srl und March Entertainment die Serie mit einer zweiten Staffel fort zu setzen.

Das hört sich doch gut an.

Das kann man wohl sagen. Wir sind laut unseres Wissens das erste deutsche Unternehmen in der Geschichte der deutschen Animation, dass einen weltweiten Lizenzvertrag mit dem größten Spielwarenunternehmen der Welt, nämlich Mattel abgeschlossen hat. Mattel überlegt sich genau welches Lizenzthema sie umsetzen möchten und das allein lässt uns natürlich auf einen großen Erfolg hoffen. 

Stehen weitere Produktionen an?

Natürlich, wir  sind nicht untätig und haben, gemäß unserer stets kommunizierten Strategie mindestens alle zwei Jahre eine neue Produktion anzugehen, die Schlagzahl erhöht und schon die nächste TV-Serie in der Entwicklungs-Phase. Tip the Mouse basiert auf einer international sehr erfolgreichen Kinderbuchreihe des italienischen Autors und Zeichners Andrea Dami und ist in Deutschland unter dem Namen Leo Lausemaus bekannt. Der Lingen Verlag vertreibt die sehr erfolgreiche Buchreihe schon seit einigen Jahren hierzulande, über eine Million Bücher wurden bereits verkauft. Weltweit sind dies über 7,8 Millionen Exemplare, übersetzt in 28 Sprachen.

Klingt vielversprechend.

Ja, diese Fakten sowie das Thema an sich machen uns zuversichtlich, auch hier eine erfolgreiche Animationsserie für die Zielgruppe der drei bis sechs jährigen produzieren zu können. Unsere Partner sind hierbei Studio Bozzetto und Studio Campedelli sowie der Verlag Giunti Editore und der Sender Rai Ficiton in Italien, sowie das Produktionsstudio March Entertainment in Kanada, mit denen wir auch schon Mia and me umgesetzt haben. Die Nachfrage ist bereits sehr groß und das Thema findet auch bei potenziellen Lizenzpartnern aus der Spielwarenbrache großen Anklang.

Sind Kinofilme auch ein Thema?

Auf jeden Fall.  Unsere Tochtergesellschaft Telescreen hat gerade den Kinofilm zu dem bekannten Kinderklassiker MIFFY von Dick Bruna fertig gestellt. Dieser kommt in 2013 zunächst in Benelux in die Kinos und wird durch Warner Bros. dort vertrieben. Zusätzlich sind noch zwei weitere Animationsthemen in der Entwicklung. Das ein trägt den Namen Atchoo und wurde auf der Forum Cartoon in Tolouse erfolgreich vorgestellt.

Worauf dürfen sich die Anleger im Gesamtjahr einstellen?

Auf eine deutlich positive Geschäftsentwicklung und ein Team das konsequent an der Ausrichtung des Unternehmens arbeitet. Wir streben nicht nur die Marktführerschaft in Deutschland an sondern wollen uns auf Weltniveau etablieren.

Wie sehen Ihre mittelfristigen Pläne aus?

Durch die Vorgaben und die strategische Ausrichtung werden wir mittelfristig die Margen deutlich erhöhen. Wir sind sicher den Umsatz signifikant zu steigern und das Unternehmen in eine hervorragende Zukunft zu steuern. Natürlich braucht das Ganze auch etwas Zeit, aber wie wir immer gesagt haben, wir werden unsere Ziele hartnäckig und konsequent verfolgen.

Wo liegen die Stärken der Gesellschaft?

Allen voran steht hier unsere Alleinstellung im Markt, von der Entwicklung und Produktion bis hin zum Vertrieb und Merchandising eines Themas alles aus einer Hand anbieten zu können. Hoffentlich verfügen wir auch zukünftig noch über eine Beteiligung an einem erfolgreichen Kindersender. Dann wäre die Verwertungskette geschlossen und dadurch kontrollieren wir sämtliche Aspekte des Markenaufbaus, was wiederum zum Erfolg unserer Produkte führt.

Welche Schwächen würden Sie gerne abstellen?

Die Ungeduld! Zu jedem Aufbau eines Unternehmens gehört auch ein wenig Geduld und das bedeutet, dass sowohl die Aktionäre als auch das Management sich immer wieder vor Augen führen sollten, dass wir nicht im Jahre 1998 und im Neuen Markt sind sonder zumindest ein Unternehmen aufbauen, dass hoffentlich nachhaltig sehr gute Renditen erwirtschaften wird.

Wo sehen Sie die Gesellschaft in drei Jahren? Wo wird der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liegen?

Ich denke, wir haben die Möglichkeit in drei Jahren ein völlig anderes Unternehmen zu sein. Wenn sich Marken wie Mia and me oder Leo Lausemaus, Atchoo oder andere neue Themen international so entwickeln und wir es schaffen YEP! an den Start zu bringen, stehen wir vor einer rosigen Zukunft. Der Schwerpunkt ist und bleibt weiterhin der Auf- und Ausbau eigener Marken, die Stärkung unserer Programmbibliothek und die damit verbundene Erhöhung von Umsatz, Ertrag und Marge.

Fazit: Erste Position aufbauen

Risikobewusste Anleger können das aktuelle Kursniveau nutzen, um eine erste Position aufzubauen. Gelingt es Stoef, YEP! erfolgreich zu etablieren und weitere Erfolgsserien zu produzieren, dürfte sich dies mittelfristig auch positiv im Zahlenwerk und damit auch im Kursverlauf bemerkbar machen.

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