ElringKlinger
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Keine Panik

Der im MDAX notierte Autozulieferer ist auf weiteres Wachstum programmiert - auf und neben der Straße.

„Es ist keine Panik angesagt", sagt Dr. Stefan Wolf, Vorstandschef der ElringKlinger AG zur Frage, ob die nachlassende Konjunktur in der Autoindustrie ihn denn beunruhige. Die Gelassenheit kann sich der Chef des im MDAX notierten Automobilzulieferers auch leisten. Nicht nur, weil der Lieferant von Komponenten für sämtliche Antriebstechnologien und Abgasreinigungssysteme krisenerprobt ist und den Nachfrageeinbruch im Jahr 2008 nach der Lehman-Pleite bravourös mit zweistelligen Margen meistern konnte. Sondern, weil ElringKlinger Mega­trends innerhalb der Automobilindustrie und darüber hinaus bedient: die Reduktion von Verbrauch und Emissionen sowie die Elektromobilität. Damit zählt ElringKlinger zu den Profiteuren in der Autozulieferindustrie.

ElringKlinger
21,35 €
30,00 €
17,50 €
17.10.2012

Weltweit führend

Im Jahr 2012 werden weltweit mehr als 80 Millionen Fahrzeuge produziert.  Ein großer Teil davon fährt mit Produkten von ElringKlinger: Dazu zählen Zylinderkopf- und Spezialdichtungen, Gehäusemodule und Abschirmteile für Motor, Getriebe, Abgasanlage und Nebenaggregate. Ergänzend dazu entwickelt das Unternehmen Komponenten für alternative Antriebsarten wie Hybride, Elektromotoren und Brennstoffzellen. Nahezu jeder Autohersteller gehört zum Kundenkreis der Schwaben. In keinem Geschäftsbereich hat ElringKlinger einen Weltmarktanteil von weniger als 25 Prozent, bei Zylinderkopfdichtungen liegt er sogar bei mehr als 50 Prozent.

Abgasnormen beflügeln

Die immer strenger werdenden Abgasvorschriften spielen ElringKlinger in die Karten. Die Autohersteller versuchen, mit Downsizing die gesetzlichen Abgasnormen zu erfüllen. Das heißt, Motoren zu verkleinern, ohne die Leistung zu reduzieren. Bei VW sind das beispielsweise die TSI- und bei Audi die TFSI-Motoren. Solche Antriebe haben zum Beispiel erhöhte Anforderungen an Dichtungen, was ElringKlinger dank der weltweit dominanten Marktstellung mit mehr als 50 Prozent Marktanteil solide Margen beschert.

Richtig Spaß macht den Schwaben jedoch die immer größere Verbreitung von Hybridfahrzeugen. Bei einem Hybrid verkauft ElringKlinger die klassischen Produkte für einen Verbrennungsmotor und zusätzlich Teile für Elektromotoren. Der durchschnittliche Umsatz je Fahrzeug ist bei Hybriden mit schätzungsweise 200 Euro um bis zu viermal höher als bei einem klassischen Verbrennungsmotor. Der relativ neue Bereich E-Mobility gehört daher zu den Wachstumsträgern der Zukunft.  Das noch defizitäre Segment dürfte auch bald in die Gewinnzone kommen.

„Unser Ziel ist es, bereits 2013 schwarze Zahlen im E-Mobility-Bereich zu schreiben", erklärt Wolf im Gespräch mit dem aktionär. „Da sich der Hy-

brid-Bereich gut entwickelt, müsste das auch möglich sein."

Wachstum abseits der Straße

Aber nicht nur im Automobilbereich gibt es für ElringKlinger Wachstumspotenziale. Der sogenannte Off-Road oder Non-Road-Bereich wird immer interessanter. In diese Gruppe fallen Motoren von Traktoren, Baggern, Baumaschinen, Schiffen und so weiter. Ähnlich wie es zum Beispiel in Europa EURO-Normen für Pkw und Lkw gibt, gibt es neuerdings auch Abgasnormen für Motoren in anderen Bereichen. Ab 2014 kommen auf Hersteller und Betreiber solcher Motoren deutlich strengere Regelungen zu, ebenso wie auf Bestandsmotoren, welche nur durch entsprechende Nachbehandlungssysteme auf Norm gebracht werden können.

Für das Unternehmen aus Dettingen/Erms entsteht dadurch ein weiterer großer Markt, den es sich insbesondere durch den Kauf der Schweizer Hug AG erschließen wird. Die Tochter meldete erst kürzlich einen Auftrag zur Lieferung einer kompletten Abgasreinigungstechnologie für eine stationäre Kraftwerksanlage in Nordamerika. Weitere Aufträge sollten folgen. „Wir haben Gespräche mit Kreuzfahrtlinien zu Ausrüstung von Schiffen", verriet Wolf im Interview.

Gewinnqualität steigt

Abgesehen von den Potenzialen, die sich aus den einzelnen Märkten ergeben, dürfte sich die Gewinnqualität bei ElringKlinger durch die vollständige Integration der zugekauften Firmen verbessern. Die auf Abgasnachbehandlung spezialisierte Tochter Hug - die noch größte Integrationsbaustelle - wird ab 2013 komplett integriert sein, im E-Mobility-Geschäft will ElringKlinger ebenfalls schwarze Zahlen schreiben, sodass ab dem zweiten Halbjahr kontinuierliche Verbesserungen beim Ergebnis zu erwarten sind. Die EBIT-Marge dürfte nach 13,2 Prozent im laufenden Jahr und 13,8 Prozent im Jahr 2013 ab 2014 wieder deutlich über 14,5 Prozent liegen.

Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2012 zeigte sich Wolf ebenfalls zuversichtlich und bestätigte die Prognosen: „Wir erwarten fünf bis sieben Prozent Umsatzzuwachs, wobei ich sagen würde, dass wir eher am oberen Ende liegen werden. Und wir bleiben auch bei unserer Guidance in Bezug auf das EBIT von 145 bis 150 Millionen Euro."

Einstiegschance

Autowerte wie ElringKlinger sind in der Gunst der Anleger zuletzt gesunken, gerade deshalb lohnt sich jetzt der Einstieg bei ElringKlinger. Die Firma hat ausgesprochen gute Wachstumsperspektiven und ist mit einem KGV von 13 günstig bewertet. Das 12-Monatskursziel des AKTIONÄR liegt bei 30 Euro, ein Stopp bietet sich bei 17,50 Euro an.

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