IT COMPETENCE GR....
- DER AKTIONÄR

IT Competence Group: „10 Dax-Konzerne als Kunden“

Mit einer Marktkapitalisierung von ca. 6 Millionen Euro zählt IT Competence Group zu den Micro-Caps der Deutschen Börse. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung des Unternehmens mehr als interessant: seit 2011 hat IT Competence den Umsatz um mehr als 52 Prozent gesteigert und die EBITDA-Marge ist innerhalb der letzten 3 Jahre von –10,8 Prozent auf über +4 Prozent gewachsen. Auch in den kommenden 2 Jahren soll das Ergebnis weiter gesteigert werden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 5 scheint die Aktie deutlich unterentwickelt zu sein.

Herr Käß, Sie leiten eine Firma, die unter den deutschen Small Caps eher zu den Unbekannteren gehört. Was macht Ihre Firma genau?

IT COMPETENCE GR....
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22.05.2014

Robert Käß: Mit einfachen Worten: Wir helfen unseren Kunden bei der Modernisierung ihrer IT. Wir helfen bei allen Varianten des Cloud Computing. Die Digitalisierung schreitet voran und somit ist eine moderne IT bereits heute ein Produktionsfaktor. Als IT Competence Group SE (ITCG) sehen wir uns als wachstumsstarkes IT-Dienstleistungsunternehmen im deutschsprachigen Raum. Mit über 200 Mitarbeitern sind wir in der Lage „best of need“ Lösungen schnell und kosteneffizient umzusetzen. „Fokus auf das Wesentliche“ ist hier die Devise, jedoch immer mit Blick in die Zukunft.
Mir ist in diesem Zusammenhang wichtig zu erwähnen, dass wir ein reines IT-Dienstleistungsunternehmen sind. Im Gegensatz zu vielen Marktteilnehmern sind wir kein Systemhaus, sondern ein Beratungshaus. Wir handeln nicht mit Hardware, in einigen Fällen werden Lizenzumsätze über unsere Bücher abgewickelt; aber nur wenn wir im Anschluss auch ein umfangreiches Beratungsprojekt beim Kunden umsetzen können.
Zu unseren Kunden zählen globale Konzerne genauso wie innovative mittelständische Betriebe, die sich durch leistungsstarke IT-Systeme, intelligente Softwarelösungen und flexibleIT-Dienstleistungen strategische Vorteile sichern.

Worauf führen Sie das Umsatzwachstum von 52 Prozent im Zeitraum 2011 bis 2013 zurück?

Wir wachsen derzeit organisch mit ca. 20 Prozent pro Jahr. Mit diesem Wachstumstempo fühlen wir uns derzeit sehr wohl, da bei uns die Profitabilität immer mit dem Umsatzwachstum mit einhergeht. Unsere Fokussierung auf zukunftsorientierte und wachstumsstarke Marktsegmente ermöglicht es uns, schlagkräftig am Markt agieren zu können und unsere Ziele zu erreichen, schließlich haben wir zehn Dax-Konzerne als Kunden.

Darüber hinaus erweitern wir unser Leistungsportfolio zielgerichtet und kontinuierlich. Das Jahr 2013 stand ganz im Fokus des Themas Cloud Computing. Im Jahr 2014 stehen im Rahmen der Digitalisierung die Themen Big Data und Social Media als Kommunikationsplattform auf der Prioritätenliste.

Sie wollen bis zum kommenden Jahr um weitere 6 Millionen Euro – sprich gute 40 Prozent – wachsen. Worauf können Sie diesen Wachstumskurs zurückführen?

In den letzten 6 Monaten konnten wir einige Großkunden z.B. aus der Automobil- und Telekommunikationsbranche gewinnen. Durch den Abschluss von Rahmenverträgen adressieren wir bei diesen Kunden unser komplettes Dienstleistungsportfolio. Durch das konsequente Cross- und Up-Selling ist es uns gelungen, den Auftragsbestand zum 31.03.2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt um mehr als 30 Prozent auf über 9,4 Millionen Euro zu steigern, so dass wir in 2014 insgesamt ein Umsatzvolumen von 25 Mio. Euro erreichen können.

Wie sieht Ihre Bilanz für 2013 aus?

Die wesentlichen Kennzahlen unserer Bilanz haben sich zum Jahresabschluss 2013 nochmals deutlich verbessert. Das Eigenkapital inklusive des Nachrangkapitals der Gesellschaft konnte von 2,156 Millionen Euro auf rund 2,7 Millionen Euro gesteigert werden. Die Eigenkapitalquote blieb aufgrund der gestiegenen Bilanzsumme konstant bei 33 Prozent in 2013. Diese ist allerdings durch einen größeren Auftrag über den Bilanzstichtag etwas verzerrt. Bereinigt um diesen Auftrag wäre die Eigenkapitalquote auf über 36 Prozent in 2013 gestiegen. Weiter weist die Gesellschaft zum Stichtag 31.12.2013 eine Liquidität von 2,6 Millionen Euro aus. Auch hier muss ich wieder auf den Auftrag über den Bilanzstichtag verweisen. Die um diesen Vorgang bereinigte Liquidität liegt bei rund 1,6 Millionen Euro gegenüber einer Liquidität von 0,5 Millionen Euro zum 31.12.2012. Es ist also sehr deutlich erkennbar, dass sich das positive operative Ergebnis auch erheblich auf Liquiditätsposition auswirkt.

Können Sie diesen Großauftrag ohne Probleme abschließen oder werden Sie wahrscheinlich Rückstellungen bilden müssen, schließlich handelt es sich doch hier um den größten Auftrag der Firmengeschichte?

Als Großauftrag würde ich diesen Auftrag nicht bezeichnen. Das Projektvolumen entspricht dem was wir als Einzelauftragsvolumen anvisieren. Wichtig ist, wir bleiben unserer Strategie treu und gehen nicht über 15 Prozent Umsatzanteil mit einem Kunden. Gesehen am gesamten Volumen dieses Auftrages im Zeitraum von 12 Monaten ist es nicht der größte Auftrag in der Firmengeschichte.

Brauchen Sie für das geplante Wachstum neues Kapital oder kommen Sie mit den 1,6 Millionen Euro Eigenmitteln gut zurecht?

Für unser organisches Wachstum von rund 20 Prozent pro Jahr benötigen wir definitiv kein weiteres Kapital. Im Gegenteil durch unser positives operatives Ergebnis bauen wir Liquidität im Konzern auf. Sollten wir jedoch die Möglichkeit haben, eine Akquisition durchführen zu können, hängt es je nach Größe des Unternehmens davon ab, ob wir den Kapitalmarkt benötigen. Kleinere Akquisitionen sind sicherlich aus dem Cash-Flow und dem aktuellen Kapital zu finanzieren; bei größeren Akquisitionen können wir hier jedoch abhängig von der Deal-Struktur an Grenzen stoßen.

Haben Sie eine M&A Strategie definiert und können Sie diese beschreiben?

Wir haben bereits in 2013 eine M&A-Strategie – vor allem ein klares Unternehmens-Target - erarbeitet und begonnen den Markt entsprechend zu sondieren. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir hier noch stärker aktiv werden und anfangen, gezielt Unternehmen anzusprechen. Uns ist vollkommen bewusst, dass wir vor dem Ernten erst sähen müssen und daher denken und handeln wir nicht kurzfristig. Uns ist es wichtig, stabile Unternehmen im Bereich von 2,5 bis 10 Millionen Euro in die Holding aufzunehmen, um weitere Säulen zu etablieren und das Leistungsportfolio so gezielt zu erweitern. Diesen Zielunternehmen können wir in unserer Unternehmensgruppe einen stabilen Hafen bieten.

Bieten Sie auch Cloud-verbundene Produkte an, oder wollen Sie derartige Produkte demnächst mit in die Angebotspalette aufnehmen?

Das Thema Cloud Computing ist eines unserer wichtigsten Consulting-Themen. Der Trend zur mobilen Internetnutzung dürfte den Markt für Cloud-Dienste auch in den nächsten Jahren ein großes Volumen bescheren und an diesem Trend wollen wir partizipieren. Cloud Computing geht immer mit einer Standardisierung einher und daher haben wir mit unserer „private Cloud“ Lösung BluePrint einen Standard geschaffen den jeder Kunde nutzen kann. Als Berater sehen wir genau darin unsere Stärke, den Kunden mit Standard Lösungen – best of need – zu unterstützen.
Allerdings bieten wir keine eigene Hosting-Lösung (public Cloud) an. Unser Kundenklientel sind Unternehmen mit mehr 1.500 Computer-Arbeitsplätzen und diese Unternehmen setzen in der Regel auf „private“ oder „hybride“ Cloud-Szenarien. Und gerade bei der Konzeption solcher komplexen IT-Infrastrukturen spielen wir unsere Stärke aus.

Hat die IT Competence Group in dieser Größenordnung auf längere Sicht gesehen eine Existenzberechtigung?

Ja, denn zu all den IT Megatrends ist auch ein weiterer Trend am Markt gut zu erkennen: Es wird die nächste Generation der IT Dienstleister gesucht. Über viele Jahre haben nur wenige sehr große IT Dienstleister den Markt unter sich aufgeteilt. Durch die hohe Geschwindigkeit und die schnellen Zyklen, in denen die nächste Generation der Anwender „digital natives“ unterwegs sind, haben diese teilweise den Anschluss verloren. Somit rückt die zweite Reihe vor. Das dadurch entstehende Vakuum an schnellen, fachlich spezialisierten Unternehmen ist unser Segment in dem wir uns sehr gut bewegen. Bei unserer Unternehmensgröße kann man niemals ein Generalist, sondern immer ein Spezialist sein. Also haben wir unsere Unternehmensphilosophie klar auf Fokussierung ausgerichtet. Wir machen lieber ein paar Themen weniger, aber die, die wir dann machen, machen wir richtig, mit voller Leidenschaft und mit höchstem Anspruch.  

Wie schätzen Sie die Konkurrenzsituation am Markt ein?

Der IT-Markt insgesamt ist ein Wachstumsmarkt. Für ein Unternehmen unserer Größe ist dies allerdings weniger entscheidend. Viel wichtiger ist gegenüber dem Kunden ein klares Profil über das Leistungsportfolio und die Leistungsfähigkeit abzugeben. Die Spezialisierung und die Fokussierung sind sicherlich neben der Flexibilität und Schnelligkeit unser Wettbewerbsvorteil.

IT Competence hat 7,3 Prozent eigene Aktien. Woher stammen die Papiere und was soll mit diesen geschehen?

Diese Aktien hat die Gesellschaft im Jahr 2009 von einem ausscheidenden Manager erworben. Diese Aktien werden einerseits für die Bindung von Schlüsselpersonal verwendet und können andererseits auch als Bezahlungsinstrument im Falle einer Akquisition mit verwendet werden.

Mit 75,7 Prozent ist Navigator Equity Solutions SE der größte Aktionär. Wissen Sie, welche Pläne Ihr Großaktionär mit diesem Aktienpaket hat?

Da ich selbst auch Vorstand der Navigator Equity Solutions SE bin kann ich Ihnen sehr detailliert über die Pläne des Großaktionärs Auskunft geben. Ich bin im Jahr 2012 in den Vorstand der IT Competence Group SE mit dem klaren Ziel eingetreten, ein IT-Dienstleistungsunternehmen mit mehr als € 50 Mio. Umsatz aufzubauen. Ich denke wir befinden uns auf einem vielversprechenden Weg. Wir planen für das Jahr 2015 einen Umsatz von rund € 30 Mio. Diesen werden wir rein organisch erreichen. Insofern unterstützt der Großaktionär das unternehmerische Konzept zu hundert Prozent.

Wo könnte in 2014 und 15 das Ergebnis je Aktie liegen?

In den nächsten 24 Monaten konzentrieren wir uns auf das Erreichen eines Umsatzziels von € 50 Mio. bei einer EBITDA-Marge größer 5%. Da dieses Ziel nur mit Akquisitionen erreicht werden kann, möchte ich zum heutigen Zeitpunkt noch keine abschließende Aussage zum Ergebnis pro Aktie treffen.
Aber die uns covernden Analysten erwarten für 2014 ein EPS von ca. 39 Cent – nach realisierten 30 Cent in 2013 und für 2015 ein Ergebnis je Aktie von 57 Cent, insofern hat die Börse das aktuelle Wachstumstempo nach meiner Meinung noch nicht umgesetzt.

Herr Käß, vielen Dank für das Interview.

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