Berliner Synchron
- Michael Schröder - Redakteur

Hinter den Kulissen

Micro Caps haben nur die wenigsten Börsianer auf der Watchlist. Dabei bieten einige dieser kleinen Werte durchaus großes Potenzial.

"Das Original erleben": Mit Leidenschaft für Sprachen und Klänge sowie Respekt vor der kreativen Schöpfung des Originals verfolgt die Berliner Synchron AG (WKN A0J 39B) nach eigenen Angaben seit ihrer Gründung im Jahre 1949 konsequent diese Vision.

Berliner Synchron
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28.08.2012

Die Gesellschaft steht als traditioneller Ursprung der deutschen Synchronisation unter anderem für die professionelle Sprachadaption und Untertitelung internationaler Kinofilme und TV-Produktionen. Mittlerweile verfügen die Hauptstädter über einen Track-Record von mehr als 6.000 synchronisierten Filmen wie beispielsweise Madagascar 3, Men in Black 3, Mission Impossible, oder Ice Age 4.

Verschlankung der Prozesse

Beim erleben des Originals haben die Verantwortlichen die Wirtschaftlichkeit der Gesellschaft in der Vergangenheit hinten angestellt. Folge: rote Zahlen. Doch mittlerweile wurden die Zügel angezogen und die Hausaufgaben gemacht. Hierzu zählten eine erneute Senkung der Fixkosten sowie technologische und organisatorische Veränderungen in den Betriebsabläufen. In der jüngsten Unternehmensmitteilung werden daher die "deutlichen Fortschritte in der Verschlankung der Unternehmensprozesse" hervorgehoben.

 Deutliche Verbesserung

Erste Erfolge sind bereits sichtbar. Im Ergebnis führten die eingeleiteten Spar-Maßnahmen im zweiten Quartal zu einer deutlichen Senkung der Gewinnschwelle und einer Bestätigung der Prognose des Vorstandes, im zweiten Quartal 2012 ein operativ leicht positives Ergebnis zu erzielen. Im ersten Halbjahr 2012 wurde bei einem leichten Umsatzrückgang um sieben Prozent auf 3,46 Millionen Euro somit ebenfalls eine Verbesserung aller Ergebniskennziffern erreicht. Der operative Verlust ist geschrumpft: Das EBIT belief sich auf minus 0,17 Millionen Euro (Vorjahr: minus 0,29 Millionen Euro) im Vorjahr. Das Halbjahresergebnis betrug nach Berücksichtigung von Sondereffekten 0,53 Millionen Euro (Vorjahr: minus 0,16 Millionen Euro).

Kapital erhöht

Ebenfalls positiv: Die Hauptstädter haben eine Barkapitalerhöhung von knapp unter zehn Prozent des Grundkapitals (Volumen: 0,27 Millionen Stück) unter Ausschluss des gesetzlichen Bezugsrechts erfolgreich abgeschlossen. Die angebotenen Aktien wurden zum Preis von 1,00 Euro je Aktie vollständig von institutionellen Investoren gezeichnet. Zum Vergleich: die Aktie notiert aktuelle bei 0,77 Euro. Noch ausstehend ist die Eintragung einer weiteren Kapitalerhöhung gegen Sacheinlagen, die bereits beim zuständigen Amtsgericht beantragt wurde. Insgesamt führen diese Kapitalmaßnahmen zu einer Erhöhung des Eigenkapitals, verbessern damit die Bilanzstruktur der Gesellschaft und stärken die Liquidität.

Luft nach oben Weg

Im laufenden zweiten Halbjahr zeichnet sich eine weiterhin positive Entwicklung ab. Allerdings geht der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr unverändert noch von einem negativen operativen Ergebnis von rund 0,34 Millionen Euro aus. Neben dem "unbefriedigenden Geschäftsverlauf im ersten Quartal" wurde vom Unternehmen eine „kundenspezifisch noch nicht ausreichende Auslastung der Kapazitäten zum Jahresende" als Grund" für diesen verhaltenen Ausblick genannt.

Auf Turnaround-Kurs

Spätestens im kommenden Jahr dürfte der Turnaround gelingen. Insbesondere die Senkung der Materialaufwandsquote durch verschiedene Maßnahmen schafft die notwendige Basis für den Sprung in die Gewinnzone. Darüber hinaus werden dem Vernehmen nach weitere Kostensenkungsmaßnahmen und Prozessoptimierungen geprüft sowie neue Geschäftsfelder entwickelt. Abgerundet wird das Bild bei dem interessanten Micro Cap durch eine wie es heißt "aktive Teilnahme am laufenden Konsolidierungsprozess innerhalb der Synchronbranche". Gespräche mit potentiellen Investoren und Kooperationspartnern werden bereits geführt.

Position beziehen

In den letzten Jahren war die Aktie der Berliner Synchron wahrlich kein Kassenschlager. Der Kurs hat sich schwach entwickelt und ist von rund drei Euro bis auf 0,50 Euro abgerutscht. Doch nun scheint ein Ende der Lethargie in Sicht. Die eingeleiteten Maßnahmen zur Verschlankung der Unternehmensprozesse sowie die aktuellen Kapitalspritzen dürften der Aktie wieder neues Leben einhauchen. Bei einer ersten Umsatzbelebung hat sich der Kurs des Micro Caps bereits von seinen absoluten Tiefstständen lösen können. Risikobewusste Anleger sollten die Aktie dennoch auf ihre Watchlist setzen - und auf dem aktuellen Niveau eine erste Position ins Depot nehmen. Aufgrund der noch immer geringen Umsätze sollen Order stets streng limitiert aufgegeben werden. Bestätigt sich der eingeschlagene Turnaround-Kurs, dürften Kurse unter einem Euro auf Sicht der Vergangenheit angehören.

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