Twintec
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Heldenhafte Rettung

Cleantech-Aktie springt Tod von der Schippe

Es war der antike Held Perseus, der die todbringende Medusa mit einem kräftigem Hieb enthauptet hat. Auch die gleichnamige US-Beteiligungsfirma Perseus Partners hat beherzt zuschlagen, um die Twintec AG vor dem nur noch wenige Tage entferntem Tod beziehungsweise der Insolvenz zu retten. Der Befreiungsschlag war eine am 23. April abgeschlossene Barkapitalerhöhung. Das Grundkapital wurde um 50 Prozent erhöht und ein Großteil der neuen Aktien von Perseus gezeichnet. Inklusive Umplatzierungen von Altaktionären hält der Retter mittlerweile die Mehrheit der Anteile.

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16.05.2012

Es ist höchste Zeit für eine Trendwende. Die Twintec-Aktie war innerhalb von fünf Jahren um brutale 94 Prozent gefallen. Hauptproblem des Spezialisten für die Abgasreinigung war die schwache Nachfrage nach PKW-Dieselpartikelfiltern, nachdem es 2011 dafür keine Förderung mehr gab. Hinzu kam eine rund zehn Millionen Euro teure Fehlinvestition in ein Autogas-Nachrüstsystem. Das Resultat war die letzjährige Halbierung der Erlöse und der Eigenkapitalquote auf 35 Prozent. Doch der freie Fall ist gestoppt. Mehr als das: Offenbar befindet sich Twintec auf dem besten Weg, den 2011er-Einbruch der Umsätze in nur einem Jahr nahezu komplett wettzumachen.

Perseus: Viele Pfeile im Köcher

Den meisten Rückenwind bringt Perseus. Einen besseren Partner hätte sich Twintec nicht wünschen können. Denn der aus Washington kommende Private-Equity-Fonds steuert nebem frischem Kapital enormes Branchen-Know-how bei. So gehört seit 2009 auch der Schweizer Spezialist für die Abgasnachbehandlung Baumot AG zum Portfolio der US-Amerikaner. Und Baumot schickt nun seinen besten Mann in die Twintec-Zentrale nach Königswinter: Den Baumot-CEO Marcus Hausser. Er wird in vier Wochen Gino Mario Biondi als Twintec-Chef ablösen.

Unter den Fittichen des US-Investors befinden sich nicht nur Mitbewerber, die mit Twintec Synergien heben können, sondern auch potenzielle Kunden. So ist Perseus etwa an Seva Energie, einem Hersteller von Blockheizkraftwerken, beteiligt, der künftig Abgasfilter von Twintec einsetzen könnte.

Rückenwind durch Förderung

Plötzlich läuft es wieder bei Twintec. Mittlerweile springt sogar wieder das seit 2011 brach liegende Geschäft mit PKW-Dieselpartikelfiltern an. Die Bundesregierung hatte bereits Ende 2011 beschlossen, die Nachrüstung von Rußpartikelfiltern in Autos, leichten Nutzfahrzeugen und Wohnmobilen neu zu fördern. Twintec spürt daher Anfang 2012 eine "deutlich steigende Nachfrage" nach PKW-Dieselfiltern. Hinzu kommt, dass großflächig Umweltzonen eingeführt werden. In sieben Innenstädten, zum Beispiel in Berlin und Leipzig, ist die grüne Plakette bereits Pflicht - 21 weitere werden Anfang 2013 folgen. Schließlich muss fast die Hälte aller deutschen Dieselfahrer nachrüsten, um eine grüne Plakette zu erhalten.

Doch Twintec will sich nicht mehr auf den unberechenbaren PKW-Markt verlassen und hat erste Schritte unternommen, neue Standbeine aufzubauen. Großes Potenzial hat etwa die Ausrüstung dieselbetriebener Bagger und Straßenbaumaschinen. Es wird erwartet, dass die europaweit rund neun Millionen über die Straßen tuckernden Vehikel nach und nach umgerüstet werden müssen. So dürfen etwa in der Schweiz schon jetzt nur noch schadstoffarme Baumaschinen eingesetzt werden.

Twintec hat gute Chancen, in weiteren Ländern Fuß zu fassen. Der Technologieführer punktet dabei mit der eigenen, effektiven Beschichtung der Filteroberflächen. Das Twintec-Know-how wird sogar in Wasserstoffkatalysatoren für Kernkraftwerke eingesetzt.

Boden gefunden

Nicht nur chart­technisch deutet sich eine Bodenbildung an.  Die Bilanz ist saniert und mit Perseus ist ein starker und langfristig orientierter Partner gefunden. Auch operativ hat Twintec die Talsohle durschritten. Im besten Fall besteht daher die Chance auf eine Kursverdopplung, falls bis 2013 der Sprung zurück auf ein Umsatzniveau von über 40 Millionen Euro und eine EBIT-Marge von zehn Prozent gelingt - und der Aktie ein 2013er-KGV von 10 zugestanden würde.

Tief einsteigen, hoch gewinnen

Twintec ist gerettet - und steht vor einem großen Umsatz-Comeback. Da das 2012er-KUV nur 0,33 beträgt, ist die Chance auf eine positive Kursentwicklung hoch. Größtes Risiko ist das sehr geringe Handelsvolumen: beim Kauf unbedingt limitieren!

Dieser Artikel war in der AKTIONÄR-Ausgabe 19/2012 erschienen.

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