BDI-Biodiesel
- Markus Bußler - Redakteur

Goldenes Stroh

Durchbruch: Firma macht aus Stroh und Holz wertvollen Sprit.

Werter König, ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen". Schon die Gebrüder Grimm waren von der Idee fasziniert, nutzloses Stroh in etwas Wertvolles zu verwandeln. Zum Teil scheint das Märchen im Jahr 2012 Realität zu werden: Der Anlagenbauer BDI Bioenergy macht aus dem Abfallstoff Stroh wertvollen Biodiesel. Noch im Frühjahr 2012 soll eine entsprechende Pilotanlage ihren Betrieb aufnehmen. Ins Boot geholt haben die Österreicher dabei einen europäischen Mineralölkonzern. Dieser kann durch die Verwendung von Stroh oder Holz bereits im Raffinerieprozess einen 20-prozentigen Bioanteil im Treibstoff erzielen. „Wir wollen das in den nächsten 1,5 Jahren zur Marktreife bringen", so BDI-Vorstand Dr. Edgar Ahn gegenüber dem AKTIONÄR.

BDI-Biodiesel
15,29 €
17,00 €
11,20 €
24.04.2012

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Biodiesel aus Abfällen

Die Österreicher haben frühzeitig verstanden, dass Biodiesel aus Nahrungsmitteln keine Zukunft hat. Schließlich gibt es Alternativen zu „Essen im Tank". So ist der Maschinen- und Anlagenbauer etwa weltweit führend bei der Verarbeitung von Altspeiseölen oder tierischen Fetten. Ein perfektes Produkt. Denn bisher landeten Küchenabfälle wie altes Frittenfett oft in der Kanalisation. Am 2. April meldete BDI Bioenergy den Zuschlag für einen 9-Millionen-Euro Auftrag aus Hongkong. Hier wurden die gesammelten Fettabfälle bisher einfach im südchinesischen Meer entsorgt. Doch wenn die BDI-Biodieselanlage nun 2013 in Betrieb geht, kann der Kunde das Umweltproblem lösen und gleichzeitig Treibstoff gewinnen.

Biogas mit Perspektiven

Auch im Geschäftsbereich Biogas setzt BDI auf Abfallstoffe. Noch ist die junge Biogas-Tochter Enbays defizitär. Doch der Auftragstrend stimmt zuversichtlich. So hat Enbays im Dezember eine 4,5-Millionen-Euro-Order zum Bau einer Biogas- Anlage erhalten: Ein französischer Entsorgungsbetrieb beabsichtigt, Speisereste zu sammeln und daraus Biogas zu gewinnen. Damit wiederum wird ein Verbrennungsmotor zur Erzeugung von elektrischer und thermischer Energie angetrieben. 4.000 Haushalte können damit versorgt werden.

Durchwachsene Geschäftszahlen

Nun hat die Technologiefirma die Bilanz für 2011 vorgelegt. Erfreulich: Der operative Gewinn legte um 13 Prozent auf 3,6 Millionen Euro zu. Doch auch bei BDI Bioenergy ist nicht alles Gold, was glänzt. Nachholbedarf besteht vor allem in der Gewinnung neuer Aufträge. Ein Grund dafür ist die in Europa teilweise verhaltene Förderung von Biodiesel. Unterm Strich ging der Auftragsbestand zum Jahresende 2011 auf 15 Millionen Euro zurück - im Vorjahr waren es noch 24 Millionen Euro. Doch die Talsohle scheint durchschritten - nicht nur aufgrund des jüngsten 9-Millionen-Euro-Auftrages aus Hongkong.

Schließlich nimmt der Energiebedarf weltweit stetig zu. Einer BP-Studie zufolge wird die Anzahl der Fahrzeuge bis 2030 von heute einer Milliarde auf 1,6 Milliarden steigen. Die größten Zuwachsraten verzeichnen dabei Indien und China. Dass Öl gleichzeitig knapp wird, wissen auch diese Staaten: Das Riesenreich China hat mittlerweile eine Biodiesel-Beimischungspflicht eingeführt. Unterm Strich erwartet BDI Bioenergy in diesem Jahr aufgrund einer gut gefüllten Pipeline wieder einen wachsenden Auftragsbestand. Im Interview mit dem AKTIONÄR verriet Ahn, dass BDI in den nächsten Wochen die Chance auf die Gewinnung eines zweistelligen Millionen-Euro-Auftrag hat.

Die EBIT-Marge soll auch in den nächsten Jahren über zehn Prozent liegen. Nicht nur die Rentabilität ist stark. BDI Bioenergy ist auch aufgrund einer übervollen Kriegskasse bestens für weiteres - auch externes - Wachstum gerüstet. Ziel ist es, das Produktportfolio Biodiesel und Biogas um weitere industrielle „Green-Tech-Lösungen" auszubauen. Intern will man zudem die Forschung an der Umwandlung von Algen in Biotreibstoff vorantreiben.

Aktie auf Buchwert

Dieses BDI-Know-how ist günstig zu haben: Die Marktkapitalisierung von 59 Millionen Euro liegt derzeit unter in etwa auf dem Niveau des Buchwert der Technologiefirma. Und dieser besteht nicht etwa aus fragwürdigem Goodwill, sondern zum großen Teil aus Cash. 18 Millionen Euro betragen allein die „liquiden Mittel". Hinzu kommen 27 Millionen Euro „Wertpapiere". Auf Nachfrage erklärte BDI-Finanzvorstand Heiden-Gasteiner: „Die Wertpapierveranlagungen wurde im September 2011 an zwei Vermögensverwaltungen übertragen. Diese investieren in Anleihen, Aktien und Investmentfonds mit dem Fokus auf Werterhaltung und Sicherheit."

Unterm Strich und alle Verbindlichkeiten berücksichtigt, liegt die Nettoliquidität von BDI bei rund 25 Millionen Euro - der Hälfte der Marktkapitalisierung. Dies sorgt für Übernahme-Chancen (siehe Interview) und eine nachhaltig mögliche Dividendenauszahlung. Aktuell liegt diese bei 0,25 Euro pro Aktie beziehungsweise einer Rendite von knapp zwei Prozent.

Wette auf Großauftrag

Gelingt in den nächsten Wochen der Abschluss des Multi-Millionen-Auftrages, hätte sich das Unternehmen regelrecht aus der Auftrags-Talsohle katapultiert. Auch fundamental ist noch viel Luft nach oben: Cashbereinigt liegt das 2013er-KGV erst bei rund 12. Es ist noch spekulativ, ob sich Stroh- und Algen-Biodiesel durchsetzen. Doch zumindest die Grimm-Brüder hätten gewusst, was auf eine wechselhafte Geschichte mit einigen Rückschlägen immer folgt: Ein Happy End.

(Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 16/2012 erschienen)

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