Tencent
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Gigantisch.com

Die lukrativste Community der Welt kommt nicht aus den USA. Diese chinesische Firma ist die Nummer 1.

Wer über die jüngst erreichte 50-Milliarden-Dollar-Bewertung von Facebook schon mit dem Kopf geschüttelt hatte, sollte sich jetzt festhalten. Wedbush-Analyst Lou Kerner rechnet im Fall eines IPOs mit einer Bewertung von rund 100 Milliarden Dollar und Facebook-Chef Mark Zuckerberg schwingt die ganz große Motivationskeule: Mitarbeitern gegenüber soll er das Ziel einer 1.000-Milliarden-Dollar-Bewertung ausgegeben haben.

Tencent
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02.02.2011

Wer angesichts dieser Zahlen denkt, diese Internetfirma sei in ihren Ausmaßen einzigartig, irrt gewaltig. Facebook ist nur die Nummer 2. Das finanziell erfolgreichste Social-Media-Netzwerk kommt aus China und heißt Tencent Holdings (WKN A0Y AJU). Während fast keiner der rund 1,3 Milliarden Chinesen jemals etwas von Zuckerbergs Plattform gehört hat, surft fast jeder mit Internetzugang auf Tencent-Webseiten.

Milliardengewinn

Der Erfolg der 1998 gegründeten und bereits seit 2004 börsennotierten Internetfirma fußt auf dem Instant-Messenger QQ. Alleine hier sind mittlerweile 637 Millionen Accounts eröffnet worden. Hinzu kommen 481 Millionen Registrierungen auf der Social-Media-Plattform Qzone. Zwar sind die ausgewiesenen Zahlen aufgrund etwaiger Mehrfach-Accounts mit Vorsicht zu genießen. Doch die Umsatz- und Gewinnzahlen sind gut vergleichbar - und hier sind die Chinesen das Maß aller Dinge im globalen Social-Media-Business.

2010 dürfte der Umsatz Analysten zufolge um 70 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zugelegt haben. Mit 946 Millionen Euro bleibt dabei fast die Hälfte der Erlöse als Gewinn übrig, was selbst für eine Internetfirma ein absoluter Traumwert ist.

Die Erlösquellen von Tencent sind vielschichtig. Im dritten Quartal 2010 lag der Löwenanteil mit 79 Prozent bei kostenpflichtigen Premiumdiensten. Neben der reinen Registrierung floriert in den Portalen der Absatz virtueller Gegenstände wie Haustiere, Kleidung oder Werkzeuge. Nur drei Prozent der Einnahmen steuert Werbung bei. Online-Spiele wie der erfolgreiche Shooter Cross Fire machten im dritten Quartal hingegen rund sieben Prozent der Gesamterlöse aus. Dieser Bereich entwickelt sich aktuell besonders gut: Einer Studie von iResearch zufolge hat Tencent seinen Marktanteil im vierten Quartal 2010 auf 31 Prozent ausgeweitet und damit andere Spieleanbieter wie NetEase oder Shanda Games deutlich hinter sich gelassen.

Neue Wachstumsimpulse

Um die Marktführerschaft seiner Community QZone zu verfestigen, hat Tencent nun die Einführung neuer Funktionen angekündigt. Dazu gehört die Möglichkeit, Applikationen fremder Anbieter einzugliedern, und das von Facebook bekannte „like"-Tool, womit User andere Mitglieder, Nachrichten oder Links positiv bewerten können.

Gäbe es an der Börse "like"-Buttons, wäre die Tencent-Aktie derzeit davon übersät - das Papier hat gerade ein neues Allzeithoch erreicht und damit ein klares Kaufsignal ausgelöst. Das gute Sentiment dürfte anhalten. Schließlich hat das hochprofitable Portal im direkten Vergleich zur Facebook-Bewertung noch erhebliches Aufholpotenzial. Zumal die Wachstumsperspektiven vielversprechend sind: Erst 35 Prozent der Bevölkerung in Tencents Kernmarkt China sind online.

Ein weiteres Bonbon ist die 10-Prozent-Beteiligung an dem russischen Investor DST, der wiederum einen ähnlich großen Anteil am US-Konkurrenten Facebook hält.

Risiko ist relativ

Der Schwung der Aktie dürfte sich fortsetzen. Denn dieser ist nicht nur dem Facebook-Hype, sondern auch der relativ günstigen Bewertung in Höhe von 36 Millarden Dollar. geschuldet. Das Gewinnwachstum von über 50 Prozent relativiert das KGV von 26 deutlich. Zwar gibt es ruhigere und günstigere Aktien. Doch angesichts der großen Umwälzungen, die das Internet mit sich bringt, scheint das größte Risiko eines Investors zu sein, keines einzugehen.

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