Adler Real Estate
- Thomas Bergmann - Redakteur

Flieg, Adler, flieg!

Dieser Konzern steht vor einer Neubewertung.

Jahrelang lag der Patient Adler Real Estate (WKN 500 800) im Wachkoma, zwischen Ende 2008 und Mai 2012 bewegte sich der Pennystock meist in einer Range zwischen 50 und 70 Cent. Doch seitdem eine Investorengruppe aus Wien die Mehrheit an der Gesellschaft übernommen hat, ist Bewegung in die Immobilien-Aktie gekommen. Die Performance im Jahr 2012 ist mit knapp 140 Prozent sogar besser gewesen als beispielsweise beim MDAX-Highflyer GAGFAH oder bei der SDAX-Rakete Patrizia Immobilien. Doch was ist eigentlich passiert?

Adler Real Estate
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21.02.2013

Fokus Wohnimmobilien

Nachdem sich Adler in den Jahren 1999 bis 2012 als Projektentwickler verstanden hatte, haben die neuen Eigentümer eine andere Richtung vorgegeben. Der Fokus soll künftig auf der Bestandshaltung von renditestarken Wohnimmobilien liegen. Angesichts der Rahmenbedingungen in Deutschland ist dieser Schritt auch nachvollziehbar.

Die niedrigen Zinsen auf sichere Wertpapiere wie deutsche Staatsanleihen werden nach wie vor durch die In­flation aufgefressen. Die Anleger sind deshalb auf der Suche nach höher rentierlichen Alternativen, insbesondere Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien. Da darüber hinaus die Immobilienrenditen über den historisch niedrigen Kreditzinsen liegen, werden deutsche Immobilien bis auf Weiteres Kapital anziehen.

Zudem gilt Deutschland wegen der guten makroökonomischen Daten bei ausländischen Investoren als "sicherer Hafen", wovon auch der Immobilienmarkt profitiert. Und anders als in den südeuropäischen Krisenstaaten sehen Experten keine Blase. Nur in Einzelfällen, wie in den Ballungszentren München, Hamburg und Berlin, mag es Übertreibungen geben.

Erste Schritte

Was Adler Real Estate betrifft, hat das Unternehmen die ersten Schritte der Neuausrichtung erfolgreich in Angriff genommen. Seit Mai 2012 hat das Unternehmen für rund 12,5 Millionen Euro Wohnanlagen in Dorsten und Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen sowie in Berlin mit zusammen 225 Einheiten gekauft.

Auf der anderen Seite kommt Adler mit dem Verkauf seiner Grundstücke zur Bebauung mit Wohnimmobilien gut voran. Im abgelaufenen Jahr wurden 46 Parzellen im Gesamtwert von rund 3,24 Millionen Euro veräußert. Das Volumen ist damit nahezu dreimal so hoch wie im Jahr 2011.

Ambitionierte Ziele

2013 will Adler richtig Gas geben und den Immobilienbestand massiv ausweiten. "Wir planen, bis Ende dieses Jahres auf einen Bestand von 3.000 bis 4.000 Wohneinheiten zu kommen", sagt Alleinvorstand Axel Harloff. "Wir investieren bundesweit in Wohnimmobilien, die sich in sogenannten B-Lagen von wachsenden Ballungsräumen befinden. Die seit einiger Zeit zu beobachtenden Mietpreisanstiege in großen Ballungszentren, aber auch in Mittelstädten, werden dazu führen, dass heute noch vergleichsweise günstige Wohnungen in Randlagen oder in kleineren Städten immer gefragter und damit wertvoller werden können."

Die 160 bis 225 Millionen Euro, die dafür wahrscheinlich notwendig sind, will sich Adler sowohl über Bankkredite als auch über den Kapitalmarkt besorgen. Wie Adler-Chef Harloff erklärt, prüfe man unter anderem die Platzierung einer Anleihe. "Damit würde es möglich, die Chancen zur Akquisition im Markt rasch und gut nutzen zu können."

Neubewertung der Aktie

Für Analyst Felix Parmantier erfordert die Neuausrichtung eine Neubewertung der Gesellschaft. "Adler Real Estate geht ein angemessenes Tempo in der Neuausrichtung und hat ihre Hausaufgaben erledigt. Zudem ist man dabei, sich durch eine Kapitalmaßnahme oder eine Anleihe die nötige Firepower für ein deutliches Portfoliowachstum im Jahr 2013 zu sichern. Weitere strategische Zukäufe sowie weitere Fortschritte beim Abverkauf von Entwicklungsprojekten sowie den Grundstücken in Großbeeren, Dallgow und Moosburg könnten ein Trigger für die Aktienentwicklung sein. Zudem hält die Adler Real Estate Grundstücke in Dresden, Alt-Trachau sowie in Berlin, die in meinen Augen großes Wertsteigerungspotenzial haben, wenn auch nicht in den nächsten zwei Jahren." Da er auch auf kurze und mittlere Sicht keine Trendwende bei den Zinsen erwarte, bleibe er bullish für die Aktie. Sein Kursziel lautet auf 2,00 Euro.

Auch Vorstand Harloff sieht noch Wertsteigerungspotenzial. Auf die Frage des AKTIONÄR, warum es mit dem Aktienkurs weiter nach oben gehen sollte, antwortete er: "Weil unser Net Asset Value bereits deutlich über dem aktuellen Börsenkurs liegt und weil wir auf gutem Weg sind, die Ergebnisse von Adler zu verbessern und weiter auszubauen."

Adler Real Estate

Flieg, Adler, flieg!

Falls es Adler gelingt, die Wachstumsziele zu erfüllen, sollte die Aktie ihren Höhenflug  fortsetzen. Höchstwahrscheinlich ist dann das Kursziel von Analyst Parmantier noch deutlich zu niedrig angesetzt. Kaufen!

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