Pironet
- Michael Schröder - Redakteur

Es brodelt gewaltig

Rasantes Wachstum, günstige Bewertung und latente Übernahmefantasie sorgen bei diesem Cloud-Spezialisten für Fantasie

Pironet NDH (WKN 691 640) richtet das Geschäft immer mehr Richtung Cloud Computing aus. Mit Erfolg: Die günstige Bewertung und das Wachstumspotenzial sorgen für viel Fantasie.

Pironet
3,34 €
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01.03.2013

"Mit dem Umbau sind wir voll auf Kurs", erklärt der bei Pironet NDH für den Vertrieb verantwortliche Vorstand Udo Faulhaber im Gespräch mit dem AKTIONÄR. Das Ziel ist zum Greifen nah: ein Pure-play-Anbieter im Cloud-Computing - also die Fokussierung auf das Geschäft mit der Wolke. Anders gesagt: Das Unternehmen bietet im Bereich "ITK Outsourcing" ihren Kunden virtuelle IT-Ressourcen schlüsselfertig im Komplettpaket an.

Fokussierung macht Fortschritte

Nachdem die Kölner vor wenigen Wochen mit der Beratungsagentur Nexum AG eine weitere Tochtergesellschaft verkauft haben, bleibt neben dem künftigen Kerngeschäft nur noch die Impera, ein Anbieter für softwarebasierte Content Management-Lösungen. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 27 Tochtergesellschaften. Auch wenn es vonseiten der Führungsetage noch kein offizielles Statement zu dem Thema gibt, scheint ein Impera-Verkauf auf dem eingeschlagenen Weg zum Pure-play-Anbieter der nächste logische Schritt zu sein.

Nachhaltig profitabel

Der Umbau macht sich mittlerweile positiv im Zahlenwerk bemerkbar. Als der AKTIONÄR vor einem Jahr die Pironet NDH als "Hot-Stock der Woche" zum Kauf empfohlen hat, notierte die Aktie noch bei 1,86 Euro. Damals erklärte Unternehmenschef Felix Höger, dass mit dem Jahresabschluss 2011 letztmalig rote Zahlen präsentiert wurden. Für das abgelaufene Geschäftsjahr erwartet der Vorstand eine erheblich verbesserte Rentabilität und ein Betriebsergebnis (EBIT) von mehr als 2,0 Millionen Euro. Mit einem EBIT von knapp 1,6 Millionen Euro lag die Gesellschaft nach neun Monaten klar auf Kurs. DER AKTIONÄR erwartet für das Gesamtjahr daher sogar ein EBIT von mindestens 2,3 Millionen Euro. Dabei dürfte ein Umsatz von 43,5 Millionen Euro (ohne Nexum) zu Buche stehen.

Das Kerngeschäft hatte sich zuletzt sehr positiv entwickelt. In den ersten neun Monaten 2012 wurde der dynamische Wachstumskurs mit einem Umsatzwachstum von 25 Prozent eindrucksvoll belegt. „Die Umsätze des Bereichs ITK Outsourcing sollten sich nach unserer Einschätzung in den ersten neun Monaten 2012 bereits auf mehr als 24 Millionen Euro belaufen haben", erklärt Philipp Leipold von GBC Research gegenüber dem AKTIONÄR.

Die Fokussierung auf das chancenreiche Wachstumssegment wird sich aber auch im laufenden Jahr deutlich positiv bemerkbar machen. Der Umsatz ohne die Nexum (Jahresumsatz rund zehn Millionen Euro) dürfte schon wieder das Niveau des Vorjahres nahezu erreichen. Das EBIT könnte um weitere 50 Prozent auf rund 3,4 Millionen Euro ansteigen. Das würde einer Marge von 6,5 Prozent entsprechen. Mittelfristig peilt der Vorstand sogar eine Marge oberhalb von zehn Prozent an.

Höhere Dividende

"Das Orderbuch ist prall gefüllt. In den letzten Monaten konnten wir sowohl namhafte Neukunden gewinnen als auch die Aktivitäten mit Bestandskunden intensivieren und ausbauen", erklärt Faulhaber. "Zudem wurden eine Vielzahl auslaufender Kundenverträge um meist mehrere Jahre verlängert", führt der Vertriebschef aus. Ebenfalls positiv: Pironet NDH sitzt auf einer hohen Cash-Position. Betrugen die liquiden Mittel zum Halbjahr 2012 noch 18,1 Millionen Euro, dürften nach dem Nexum-Deal mittlerweile rund 22 Millionen Euro oder umgerechnet 1,50 Euro je Aktie in der Firmenkasse schlummern. Daher dürften erneut mindestens zehn Cent je Aktie an Dividenden fließen. "Ob sich angesichts des guten Geschäftsverlaufs im vergangenen Jahr und durch die zusätzlich erzielten Einnahmen im Rahmen unserer Geschäftsfokussierung weiterer Spielraum für eine Erhöhung der Dividende ergibt, werden wir nach Kenntnis der endgültigen Geschäftszahlen entscheiden", lässt Firmenchef Höger Platz für Spekulationen. DER AKTIONÄR spekuliert hier auf eine Anhebung auf 15 Cent je Aktie. Damit würde die Dividendenrendite auf 4,7 Prozent ansteigen. Trotz einer möglicherweise erhöhten Ausschüttung dürften 2013 auch Akquisitionen auf der Agenda stehen. Erste mittelständische Unternehmen werden dem Vernehmen nach schon sondiert. 

Umplatzierung oder Übernahme?

Auch Pironet NDH selbst ist aufgrund der genannten Vorzüge ein interessantes Übernahmeziel. Die Marktkapitalisierung liegt gerade einmal bei rund 46 Millionen Euro. Selbst mit einem Aufschlag von 50 Prozent (4,75 Euro je Aktie) müsste ein potenzieller Käufer lediglich 70 Millionen Euro in die Hand nehmen - für einen Konzern, der seine Mittelstandsoffensive vorantreiben will, nicht wirklich viel. Dem Vernehmen nach steht der Anteil der Otto Wolff Industrieberatung und Beteiligungen (27,35 Prozent) bereits zur Disposition. Wohin das Paket geht, ist zwar noch unklar. Aus Finanzkreisen ist jedoch zu hören, dass sowohl strategische Käufer als auch Finanzinvestoren das Aktienpaket, aber eben auch die gesamte Gesellschaft, ins Visier genommen haben.

Wachstumsrakete unter Feuer

Pironet NDH befindet sich auf einem profitablen Wachstumskurs und dürfte sich weiter als wesentliche Größe im Cloud-Computing-Markt im deutschen Mittelstand etablieren. Die Aktie ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Die günstige Bewertung gepaart mit dem enormen Wachstumspotenzial und dem Schuss Übernahmefantasie sollte die Aufwärtsbewegung aber jetzt erst so richtig anfeuern. Anleger sollten ihr Depot entsprechend umbauen und ein paar Stücke der Pironet NDH beimischen.

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