Softing
- Michael Schröder - Redakteur

Einfach stark

Starkes Wachstum, starker Vorstand und starke Kursentwicklung. Was will man mehr?

Es ist bekannt, dass Wachstum bei der Softing AG (WKN 517 800) ein großes Thema ist - sowohl bei Umsatz und Gewinn, als auch beim Kursverlauf. Daran dürfte sich in den nächsten Quartalen nicht viel ändern - im Gegenteil!

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20.06.2013

DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden und Großaktionär Dr. Wolfgang Trier über die aktuelle Entwicklung und die Aussichten der Gesellschaft.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Trier, was sind die Gründe für die gute Umsatzentwicklung der letzten Jahre?
Dr. Wolfgang Trier:
Wir konnten unseren Umsatz 2010 und 2011 jeweils um rund 30 Prozent und 2012 um rund 20 Prozent steigern. Das Wachstum ist somit über die Jahre zur Regel geworden und wie auch die signifikante Ertragsverbesserung vor allem auf unseren Fokus auf Kernkompetenzen zurückzuführen. Sowohl in der Industrial Automation wie auch bei Automotive Electronics ist es uns gelungen, Produkte zu entwickeln und bei weltweit tätigen Unternehmen zu verkaufen, die herausragende Alleinstellungsmerkmale haben. Viele Produkte sind klar auf die Nutzung bei Megatrends hin ausgerichtet, wie etwa das sogenannte Fracking, in Nordamerika.

 Was waren die Highlights im vergangenen Jahr, als Softing beim Umsatz von 41,1 Millionen auf 49,4 Millionen Euro gewachsen ist?

Auf Seiten des Segments Automotive Electronics konnten wir unsere Software Entwicklungswerkzeuge und Diagnose-Server, eine Art Betriebssystem für den Diagnose-Teil der Steuergeräte, bei namhaften Herstellern im Premium- und Volumenbereich als einzig zugelassene Werkzeuge verankern. Bei den Adaptern für die Werkstattdiagnose hatten wir für unseren Wolfsburger Großkunden sowie für europäische und amerikanische LKW-Hersteller große Volumina zu liefern. Seitens des Segments Industrial Automation gab es überraschend starke Verkäufe bei Produkten für die Industrieautomation, teilweise in rezessiven Märkten wie etwa Italien, wo wir den Absatz unserer Produkte nahezu verdoppeln konnten. Aber auch unsere Positionierung in der Kommunikation für die Prozessindustrie brachte schöne Zuwächse bei stabilen Margen.

Mit einem Zuwachs beim Auftragsbestand um 37 Prozent haben Sie im ersten Quartal 2013 erneut ein Rekordniveau erreichen können. Worauf ist das zurückzuführen?

Dem liegen umfangreiche Bestellungen aus beiden Segmenten zugrunde, von denen die Mehrzahl aufgrund der Lieferzeiten von elektronischen Komponenten voraussichtlich auf das zweite Halbjahr entfällt. Letztlich haben unsere meist weltweit agierenden Kunden offenbar eine gute Nachfrage und da wir in diesen Fällen immer ein Teil ihrer Maschinen und Anlagen sind, wird entsprechend bei uns geordert.

Was war der wesentliche Grund dafür, dass der Jahresüberschuss im ersten Quartal um mehr als 27 Prozent gewachsen ist:

Wer uns längerfristig beobachtet, der weiß, dass die Mischung aus Hard- und Software von Quartal zu Quartal schwanken kann. Im letzten Quartal haben die Softwareprodukte eindeutig dominiert. Außerdem ist es uns gelungen, mit dem Aufbau unserer rumänischen Tochtergesellschaft die Kosten nachhaltig zu senken. Gerade dies wird ein nachhaltiger Effekt sein und sowohl bei der Produktentwicklung wie auch bei Projekten weiter kostendämpfend wirken.

Wird dieser Trend im laufenden Jahr anhalten?

Die Zahlen des ersten Quartals 2013 stimmen uns zuversichtlich, dass wir auch in 2013 nicht nur besser als die deutsche Industrie, sondern auch besser als unsere Branche wachsen können. Wir haben uns einen Zuwachs von mindestens zehn Prozent vorgenommen. Ein noch deutlich höheres Wachstum erwarten wir auf Basis der heute schon vorliegenden Anfragen und Projekte mit Produktlieferungen ab 2014. Es könnte aber sein, dass Lieferungen daraus noch nach 2013 vorgezogen werden. Daher erwarten wir die höchste Wachstumsdynamik dieses Jahr im vierten Quartal. Die Höhe lässt sich aber heute noch nicht seriös beziffern.

Heißt dies, dass Sie für Softing im nächsten Jahr noch ein deutlich höheres Wachstum erwarten, als 2013?

Nun, wir bleiben zunächst bei der Aussage, in diesem Jahr mindestens zehn Prozent Wachstum zu schaffen, wobei wir unseren Fokus auf die Ertragssteigerung legen. Ob und wieviel darüber hinaus machbar ist, kann man erst im vierten Quartal absehen.

Sie verkaufen einen großen Anteil Ihrer Produkte für die Prozessindustrie auch in den Explosionsschutz. Gerade in diesem gefährdeten Bereich können doch sehr interessante Margen erzielt werden - wie andere Firmen aus der Branche nachweisen - welche Wachstumschancen sehen Sie hier?

Wir liefern in der Tat eine wachsende Zahl unserer Kommunikationsmodule und Kommunikationsgateways mit sogenannter Ex-Schutz-Zertifizierung aus. Dazu muss die Hardware nach sehr strengen Regeln gebaut werden, um schon konstruktiv selbst im Falle eines Totalversagens punktuell nie genug Energie für einen Zündfunken abgeben zu können. Das Know-how hierzu haben wir uns über die letzten vier Jahre immer weiter ausgebaut. So haben wir von vier Explosionsschutz Stufen nunmehr schon Geräte für die dritthöchste Ex-Stufe überhaupt. In der Kommunikationsindustrie kann das außer uns bisher niemand bieten.

Also haben Sie im Vergleich zum Wettbewerb überzeugende Qualitätsvorteile, oder?

Als einen Qualitätsvorteil würde ich das nicht bezeichnen. Es ist rein digital: Wir können liefern, wo andere gar nicht liefern dürfen. Wenn der Prozess des Kunden eine Ex-Stufe vorschreibt, müssen die eingesetzten Produkte dieses Kriterium zwingend erfüllen. Hier helfen die in den letzten Jahren aufgebauten Kontakte zu großen US-Firmen aus der Öl- und Gas-Branche, die immer noch ein sagenhaftes Wachstum hinlegt.

Softing hat vor gut einem Jahr eine Kapitalerhöhung durchgeführt, um eine Akquisition in der Größenordnung zwischen 20 und 30 Millionen Euro Umsatz finanzieren zu können. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Wir sind neben unserem Tagesgeschäft und damit dem organischen Wachstum seit gut einem Jahr auf der Pirsch. Es wurden uns aber immer wieder Targets angeboten, die das aufzuwendende Geld nicht wert waren. Schließlich kaufen wir nicht um größer dazustehen, sondern um über Synergien auf Seiten der Märkte, der Technologie oder von Skaleneffekte einen Mehrwert abzubilden, der nachhaltig über dem Kaufpreis liegt. Alles andere wäre für mich Geld tauschen mit Risikoaufschlag. Beim Unternehmenskauf muss man vom Target wirklich überzeugt sein. Es gilt die gleiche Regel wie beim Überholen mit dem Auto: Im Zweifel nie! Daher lassen wir uns nicht unter Druck setzten und suchen weiter, bis alles passt.

Worauf können sich die Anleger im laufenden Jahr sonst noch einstellen?

 Wir arbeiten sowohl im Kerngeschäft an hochattraktiven Abschlüssen mit Neukunden sowie der Absicherung und Ausweitung bei Bestandskunden. Im Bereich der Unternehmensübernahmen sind derzeit drei Themen in der engeren Prüfung. Allerdings haben diese Dinge ihre eigene Dynamik. Wann der erste Abschluss umgesetzt ist, hängt wesentlich von den Partnern ab. Ich kann dazu kein festes Datum zusagen, bin aber sehr zuversichtlich, dass wir eine oder mehrere Themen bis Jahresende erfolgreich abschließen werden.

Bei Kursen von 9,60 Euro ist Softing nicht mehr weit von zweistelligen Notierungen entfernt. Sie haben immer erklärt, dass Sie im einstelligen Bereich nicht verkaufen werden. Wäre es nicht verlockend, einmal Aktien zu verkaufen, nachdem Sie fünf Jahre lang nur auf der Käuferseite gestanden haben?

 Meine ersten Käufe waren 2002 während der harten Sanierungsmaßnahmen zu Kursen um einen 1,00 Euro. Wir reden also von mehr als zehn Jahren unternehmerischen Engagements. Wenn man das mit den kurzfristigen Entwicklungen im Finanzsektor vergleicht erkennt man den Unterschied und die Bedeutung des Modeworts „Nachhaltigkeit". Ich kenne keine bessere Anlagemöglichkeit als die Softing-Aktie. Trotz sehr guter Perfomance in den letzten drei bis vier Jahren sehe ich bei der Entwicklung noch keinen Anschlag. Weshalb sollte ich dann verkaufen? Im Gegenteil, ich habe nach wie vor Appetit, weiter zu kaufen. Nach vielen Jahren Vorarbeit sind wir nun endlich in unseren Kernbranchen wirklich gut positioniert. Den Erfolg in diesem Umfang konnte ich vor selbst vor drei Jahren noch nicht absehen. Dazu kommen noch strategische Pläne, deren erfolgreiche Realisierung schon kurz- und mittelfristig einen Riesenschub auslösen könnten. Heute würde ich eher sagen, unter 15 Euro wird nicht verkauft - was nicht heißt, dass ich es dann wirklich schon tun werde.

Vielen Dank für das Gespräch!

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