Bijou Brigitte
- Jochen Kauper - Redakteur

Ein echter Blickfang

Lange war die Aktie außer Mode. Jetzt steht das Unternehmen kurz vor dem Comeback.

Sobald man einen Laden von Bijou Brigitte (WKN 522 950) betritt, wird man mit nur so Reizen überflutet. Egal wohin das Auge blickt, überall blitzt und blinkt es. Armreifen, Halsketten, Gürtel, Taschen, Schals. Schmuck in allen Variationen und Farben. Durchschnittspreis: sechs Euro das Stück. Und das alles auf knapp 40 Quadratmetern. Kein Wunder, dass die Frauenwelt da in wahre Kauflust verfällt.

Bijou Brigitte
56,30 €
85,00 €
45,00 €
10.10.2012

Steiler Aufstieg

Bis Ende der achtziger Jahre war der Modekonzern nur in Deutschland vertreten. Im Anschluss ging bei Bijou Brigitte alles rasend schnell. Die Vorstandschaft legte bei der Expansion ein höllisches Tempo an den Tag. Im Jahr 1989 eröffnete man die ersten Filialen jeweils in Österreich und in den Niederlanden. Noch im gleichen Jahr hatte Bijou Brigitte 100 neue Geschäfte im Ausland aus dem Boden gestampft. Nur zehn Jahre später expandierte die Modekette nach Spanien und Polen. Im Jahr 2000 öffnete Filiale Nummer 300 die Tore. 2006 folgten die USA, ein Jahr später Ungarn und England. Irgendwann hatte Bijou Brigitte über 9.000 Artikel im Sortiment. Die Zielgruppe: Frauen ab 15 Jahren aufwärts. Danach kam die Expansion ins stocken. In den folgenden sechs Jahren kamen lediglich 175 Neueröffnungen dazu. Dem Konzern ging so langsam die Puste aus und musste seinem hohen Tempo Tribut zollen.

Lösungen gefragt

Wie dem auch sei, das Management um Vorstand Roland Werner hat sich den Problemen längst gestellt. Jetzt liegt an Vorstand Roland Werner, den einstigen Vorzeigekonzern mit den pfiffigen Ideen wieder auf Vordermann zu bringen. Schließlich sind die Umsätze seit langem im Sinkflug. 2009 erlöste Bijou Brigitte noch 390 Millionen Euro, werden die Umsätze im laufenden Jahr wohl bis auf 355 Millionen Euro zurück gehen. Während sich als oder Rückgang in den letzten drei Jahren um 9 Prozent noch in Grenzen hält, kommt das Desaster bei den Gewinnen erst richtig zum Vorschein. In der Spitze lag der Gewinn pro Aktie bei 10.29 Euro. Das war im 2008. Nur vier Jahre später werden es unter dem Strich wohl nur noch knapp 4 Euro sein, die der Modekonzern pro Aktie verdient.

Euro-Krise wütet

Der „Schuldige war schnell gefunden: „In Europa wurde die Wirtschaft stark von staatlichen Sparmaßnahmen und einer weiter steigenden Arbeitslosigkeit in den südeuropäischen Krisenländern belastet; das Bruttoinlandsprodukt entwickelte sich in diesen Volkswirtschaften rückläufig", so Bijou Brigitte Vorstand Werner bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Genauer gesagt haben die Menschen in  Spanien und in Portugal aufgrund der schwachen Konjunkturlage die Lust am shoppen gründlich verloren.

Comebackplanungen

13 Millionen Euro will der Konzern in Neueröffnungen und die  Renovierung von bis zu 80 stecken. „Bijou Brigitte setzt die Expansionstätigkeit im In- und Ausland im laufenden Geschäftsjahr fort, wenngleich Eröffnungen und Schließungen sich die Waage halten werden. Der Fokus liegt auf der Optimierung und Modernisierung des bestehenden Filialnetzes außerdem wollen wir unser neues Ladenbaukonzept schneller als geplant einführen", so Werner. Die Vorstandmannschaft ist von der Schlankheitskur überzeugt. Dass sie den Laden wieder auf Vordermann bringen, steht außer Frage. In den letzten Wochen haben Roland Werner sowie seine Vorstandskollegen Jürgen Gödecke und Marc Gabriel um die 50 Euro  rund 5.000 eigene Aktien eingesammelt.

Viel Luft

Was den Ausblick für das Gesamtjahr betrifft, so gibt sich Werner zurückhaltend. Auch dem Vorstand ist die Wichtigkeit seiner aussagen bewusst. „Aufgrund der schwierigen letzten Jahre gibt sich der Vorstand. Vor dem Hintergrund des aktuellen Wirtschaftsgeschehens gestaltet sich eine Ergebnisprognose für den Bijou Brigitte-Konzern für das laufende Geschäftsjahr als äußerst schwierig", so Werner. Kopfzerbrechen bereiten dem Unternehmenslenker allen voran die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Spanien und in den Niederlanden um jeweils drei Prozentpunkte. „Setzt sich die Umsatzentwicklung des ersten Halbjahres auch im Gesamtjahr 2012 fort, ist ein Konzernergebnis vor Ertragsteuern in Höhe von 40 bis 45 Millionen Euro erreichbar. Vorausgesetzt, der positive Effekt der Filialnetzoptimierung, der bereits im ersten Halbjahr zu nennenswerten Kosteneinsparungen führte, hält im zweiten Halbjahr an, ist auch ein Konzernergebnis vor Ertragsteuern in Höhe von 50 bis 55 Millionen Euro realisierbar", so der Vorstand.

Starkes Nervenkostüm

Sofern die Shopping-Lust der Spanier und Italiener wieder zurück kehrt, werden auch endlich die Umsätze von Bijou wieder deutlich belebt. Der wichtige deutsche Markt zumindest zeigte bereits wieder erste Lebenszeichen. Keine Frage, die Aktie von Bijou Brigitte ist eine Wette auf ein Ende der Euro-Krise. Die Vorstandschaft glaubt an das Comeback und haben fleißig Aktien eingesammelt. Die Eigenkapitalquote beträgt stolze 87,3 Prozent. Und, zu guter letzt zahlt Bijou seinen Aktionäre eine üppige Dividende von 5,50 Euro je Aktie. Anleger brauchen starke Nerven, dafür winken allerdings hohe Kursgewinne.

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