Geratherm
- Michael Schröder - Redakteur

Geratherm: Explosive Depotbeimischung

Lukratives Erfolgsrezept: Mit einem soliden Stammgeschäft und wachstumsstarken neuen Geschäftsbereichen will Geratherm Medical kräftig durchstarten.

Glücksbringer oder nicht? Im Geschäftsbericht für das Jahr 2013 erklärt der Vorstandsvorsitzende der Geratherm Medical AG, Gert Frank, dass die Zahl 13 oft als Unglückszahl empfunden werde. Bei der Formel 1 werde bei der Nummerierung der Fahrzeuge die 13 nicht benutzt, viele Fluglinien hätten meist keine Reihe 13 in den Maschinen. Geratherm möchte das Jahr 13 aber nicht missen. „Wir haben wichtige Meilensteine genommen und sind auf dem Weg des Transformationsprozesses zu höherwertigen Medizinprodukten einen ordentlichen Schritt weitergekommen“, so der Firmenlenker im Gespräch mit dem AKTIONÄR.

Dieser Trend solle sich im laufenden Jahr nicht nur fortsetzen, sondern noch einmal beschleunigen. Geratherm dürfte in den nächsten Jahren mit seinen neuen, wachstumsstarken Geschäftsfeldern und dem soliden Stammgeschäft kräftig durchstarten.

Geratherm
7,80 €
13,00 €
6,10 €
12.05.2014

Attraktive Mischung

Die Wurzeln der Gesellschaft liegen in der medizinischen Temperaturmessung. So wird ein Großteil der Umsätze auch heute noch mit umweltfreundlichen Fieberthermometern mit Galliumfüllung sowie Blutdruckmessgeräten generiert. Das Segment „Diagnostik“ reflektiert derzeit rund 78 Prozent des Gesamtumsatzes – Tendenz fallend! Auch der EBIT-Anteil des Segments von derzeit knapp 70 Prozent dürfte in den kommenden Jahren unter 50 Prozent fallen.

Drei neue Geschäftsfelder dürften die Lücke aber mehr als füllen. Allen voran der Bereich „Cardio“, in dem sich Geratherm auf innovative Lösungen zur Messung von Herzrhythmusstörungen, vor allem zur Detektion von Vorhofflimmern zur Schlaganfallprävention, konzentriert. Allein in Deutschland ereignet sich alle zwei Minuten ein Schlaganfall, alle neun Minuten stirbt ein Betroffener. Bis zu 70 Prozent der durch Vorhofflimmern ausgelösten Schlaganfälle könnten durch Primärprävention vermieden werden. Das setzt jedoch voraus, dass das meist plötzlich auftretende Vorhofflimmern überhaupt erst erkannt wird. Eine vom französischen Pharmaunternehmen Sanofi gesponserte Studie belegt: Mit der Schlaganfall-Risiko-Analyse (SRA) der Geratherm-Tochter Apoplex (Anteil: 59 Prozent) kann innerhalb weniger Minuten ermittelt werden, ob ein Patient an Vorhofflimmern leidet. Der Arzt kann dann schnell eine effektive Therapie zur Senkung des Schlaganfallrisikos einleiten. Bislang angewandte Langzeit-EKGs decken lediglich akute Flimmerereignisse auf.

Mit den Kooperationspartnern Dräger Medical und Philips Medical wird das System bereits installiert. Die Anzahl der angeschlossenen Schlaganfallzentren (Stroke-Zentren) erhöhte sich im letzten Jahr auf 42. Frank ist überzeugt, dass sich die Marktdurchdringung nach zwölf Jahren Entwicklungsarbeit dynamisch fortsetzen wird. „Der Vertrieb läuft sehr gut. Wir haben allein im letzten Jahr 19 Kliniken angeschlossen. Dieses Jahr dürften wir auf 100 kommen.“

Rasantes Wachstum

Das sollte sich auch im Zahlenwerk widerspiegeln. „Wenn bei Apoplex die Umsätze weiter wie geplant zulegen, müsste die Ertragsqualität des Gesamtkonzerns auch in eine andere Liga kommen“, so Frank. Das Analyseverfahren funktioniert vollautomatisch und ist sehr gut skalierbar. Die Zusatzkosten für einen neuen Anschluss sind demnach vernachlässigbar. Die Erlöse pro Anschluss liegen zwischen 8.000 und 12.000 Euro.

Das Potenzial ist enorm. Allein in Deutschland gibt es rund 500 Stroke-Zentren und weltweit etwa 5.000, in denen die SRA-Systeme als Standardlösung eingesetzt werden könnten. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz in diesem Bereich, wenn auch auf niedrigem Niveau, um 72 Prozent gestiegen. Umsatz und EBIT dürften in den nächsten Jahren erneut sprunghaft wachsen. Mittelfristig könnte der Bereich „Cardio“ damit ein Viertel zum Konzernumsatz und ein Drittel zum Konzern-EBIT beitragen – bei Margen im Bereich von 25 Prozent und mehr.

Aber auch bei den anderen neuen Geschäftsfeldern „Medizinische Wärmesysteme“ und Lungenfunktionsmessung („Respiratory“) gibt es hohe Wachstumsraten – 16 Prozent beziehungsweise 28 Prozent – und schwarze Zahlen. Die Gesellschaft bietet ihren Kunden beispielsweise komplexe Wärmesysteme für den OP- und Rettungsbereich an. „Hier sind wir Exklusivlieferant für die US-Eliteeinheit SEALS“, so der Unternehmenschef. Das Segment „Respiratory“ wiederum entwickelt und vertreibt Produkte zur Lungenfunktionsmessung.

Neben der alternden Bevölkerung zählt die starke Nachfrage aus den Schwellenländern zu den Haupttreibern von Geratherm. Rund 88 Prozent aller Produkte werden exportiert. Bei konstant steigenden Umsätzen dürfte der Gewinn in den kommenden Jahren überproportional steigen (siehe Grafik oben links). Damit wird Geratherm auch zum Übernahmeziel für einen großen Vertreter aus der Medizintechnik-Branche.

Enormes Potenzial

Die Wachstumsdynamik bei den hochwertigen Medizinprodukten wird sich bei Geratherm Medical fortsetzen. Zum alten Diagnostik-Geschäft kommt damit immer mehr höhermargiges Geschäft dazu. Mit einem cash-bereinigten 2015er-KGV von 9 ist die Aktie bei den anvisierten Wachstumsraten günstig bewertet. Mit dem Sprung über die 8-Euro-Marke würde sich das Chartbild zudem deutlich aufhellen. Das mittelfristige Kursziel liegt bei 13 Euro. Auch gegen diese 13 dürfte der Vorstand nichts einzuwenden haben.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.

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