BASTEI LUEBBE
- Michael Schröder - Redakteur

Digital und international zum Erfolg

Die seit Oktober 2013 börsennotierte Bastei Lübbe AG blickt auf erfolgreiche erste neun Monate des Geschäftsjahres 2013/2014 (31.03.) zurück. Bei einem Umsatzplus von 16,4 Prozent auf 85,2 Millionen Euro konnte das Kölner Medienunternehmen seinen operativen Gewinn überproportional um 30,1 Prozent auf 12,1 Millionen Euro steigern. Die EBIT-Marge verbesserte sich entsprechend auf 14,2 Prozent. Besonders erfolgreich lief der digitale Bereich, in dem sich die Umsätze gegenüber dem Vorjahr annähernd verdoppelt haben.

DER AKTIONÄR traf Bastei-Lübbe-Vorstand Thomas Schierack auf der Small & Mid Cap Conference von Close Brothers Seydler in Frankfurt und sprach mit ihm über die Highlights der ersten neun Monate, die Insolvenz der Weltbild-Gruppe sowie die kurz- und mittelfristigen Ziele der Kölner.

BASTEI LUEBBE
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14.02.2014

DER AKTIONÄR: Herr Schierack, die Bastei Lübbe AG hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres den Umsatz um 16 Prozent und das operative Ergebnis um 30,1 Prozent gesteigert. Wie zufrieden sind Sie mit dem operativen Abschneiden?

Thomas Schierack:
Wir sind mit dem operativen Ergebnis zufrieden, zumal man berücksichtigen muss, dass hier auch IPO-Kosten in Höhe von rund einer Million Euro im operativen Ergebnis enthalten sind. Zusätzlich ist anzumerken, dass wir in den letzten neun Monaten auch stark in Personal investiert haben, was sich sofort in den Kosten, aber erst später in den Umsätzen niederschlagen wird. Der Großteil der Neueinstellungen ist dabei im digitalen Bereich erfolgt.

Was waren aus Ihrer Sicht – neben dem IPO – die bisherigen Highlights des Geschäftsjahres 2013/14?

Programmatische Highlights waren sicherlich die Bestseller „Inferno“ von Dan Brown und „Echt übel“ von Jeff Kinney, der achte Band aus der Reihe „Gregs Tagebuch“, sowie „Noah“, der neue Roman von Sebastian Fitzek, einem der erfolgreichsten deutschen Thriller-Autoren, der erstmals bei Bastei Lübbe veröffentlicht hat. Ein strategisches Highlight ist der enorme Zuwachs im digitalen Bereich, die Umsätze haben sich hier nahezu verdoppelt. Auch die internationale Digitalisierung macht große Fortschritte. Gerade bei den Gesprächen mit potentiellen Joint-Venture-Partnern in China und in Amerika hilft es uns auch, dass wir inzwischen ein börsennotiertes Unternehmen sind.

Es gibt auch einen Wermutstropfen. Zum Stichtag 31.12.2013 bestanden Forderungen von Bastei Lübbe gegen die inzwischen insolvente Weltbild-Gruppe in Höhe von rund 0,59 Millionen Euro. Inwieweit sind Sie gegen einen entsprechenden Forderungsausfall versichert? Erwarten Sie nachhaltig negative Auswirkungen durch die Insolvenz Ihres Kunden?

Es ist richtig, dass wir einen Forderungsausfall von 0,59 Millionen Euro durch die Weltbildinsolvenz haben. Davon sind 0,55 Millionen Euro versichert, mit einem Selbstbehalt von zehn Prozent. Insofern gehen wir hier von einem tatsächlichen Forderungsausfall von maximal 80.000 Euro aus. Das ist in jedem Fall zu verschmerzen. Ob die Weltbildinsolvenz nachhaltige Auswirkungen auf die Umsätze der Verlage haben wird, bleibt abzuwarten. Es haben sich jetzt wohl doch recht viele Interessenten für eine mögliche Übernahme von Weltbild angekündigt. Aus derzeitiger Sicht sehen wir keine ernsthaften nachhaltigen Umsatzrückgänge durch die Weltbildinsolvenz, da wir davon ausgehen, dass zumindest im Wege der Zerschlagung die umsatzstarken Teilbereiche von Weltbild weitergeführt werden.

Sie haben sich selbst als Interessent für einen Teil der Weltbild-Gruppe ins Gespräch gebracht. Auf welche Bereiche haben Sie konkret ein Auge geworfen? Prüfen Sie bereits ein Angebot?

Weltbild ist für uns seit Jahren ein wichtiger und kompetenter Partner. Da ist es eigentlich nur konsequent, dass wir im Falle der Insolvenz nicht nur Interesse an der Weiterführung der Vertriebswege haben, sondern ggf. hier auch selbst tätig werden. Deswegen habe ich von Anfang an gesagt, dass wir an dem Teilbereich Versandbuchhandel und digitale Plattform (Weltbild.de/Buecher.de) Interesse haben könnten. Allerdings ist es zu früh, hierzu etwas zu sagen. Wir müssen intern jetzt erst einmal diese beiden Teilbereiche analysieren und überlegen, ob wir ein Angebot für die Bereiche abgeben.

Anfang Februar hat sich Bastei Lübbe mit 25 Prozent an der neu gegründeten Medienproduktionsgesellschaft HPR Bild & Ton GmbH beteiligt. Was versprechen Sie sich von dieser Beteiligung? Welchen Umsatz erwarten Sie aus dieser Beteiligung?

 Mit der HPR Gruppe arbeiten wir bereits seit geraumer Zeit zusammen. Es gibt diverse Projektplanungen und -gespräche für neue Formate und Shows, die mit einigen Partnern besprochen werden. Dabei geht es unter anderem um die Entwicklung und Umsetzung neuer Fernsehformate, was aber erfahrungsgemäß immer einen langen Zeitlauf hat.

Wie sieht Ihre weitere Expansionsstrategie aus? In welchen Bereichen und Märkten wollen Sie zukaufen?

Der strategische Ansatz, den wir verfolgen, ist eindeutig. Wir setzen ganz stark auf die Digitalisierung national wie international. Hinzu kommt, dass wir die Digitalisierung etwas anders als andere Verlage verstehen. Für uns ist es sehr interessant und wichtig, dass wir über eigene Rechte verfügen, die wir dann digital national und international bespielen können. Hier werden wir in Rechte und Manpower investieren. Wir verhandeln zudem derzeit noch ganz interessante Optionen, die zwar nicht konkret etwas mit diesem Bereich zu tun haben, aber in unserem Kernbereich liegen und uns EBIT-mäßig weiter nach vorne bringen würden.

Kommen wir zurück auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen: Welche Ziele haben Sie sich für das Gesamtjahr 2013/14 gesetzt?

Unser Ziel für das Geschäftsjahr 2013/14 ist es, den Umsatz und das EBIT um rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu steigern, wobei hier eben zu berücksichtigen ist, dass wir noch keine zusätzlichen aus dem Börsengang resultierenden Umsätze in diesem Geschäftsjahr erwirtschaftet haben, aber mindestens eine Million Euro Kosten im Ergebnis haben.

Die letzten Monate waren von den Verkaufserfolgen der Bestseller „Inferno“ von Dan Brown und „Gregs Tagebuch 8“ von Jeff Kinney geprägt. Welche potenziellen Bestseller haben Sie für die kommenden Monate in der Pipeline?

In den nächsten Wochen erscheint das zweite Buch über „Bob, den Streuner“, die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Straßenkater Bob und Straßenmusiker James in London. Vom ersten Bob-Buch haben wir über eine halbe Million Exemplare verkauft, und es steht seit Monaten auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Zudem setzen wir große Erwartungen in das Roman-Debüt „Elisabeth wird vermisst“ der englischen Autorin Emma Healey: eine berührende Geschichte über Verlust und Vergessen, die in über 20 Ländern erscheinen wird.

Die Bastei-Aktie schwankt seit dem IPO in einer engen Bandbreite um den Ausgabepreis. Mit aktuell 7,50 Euro notiert sie deutlich unter dem Analystenkursziel von 11,50 Euro. Worauf führen Sie die Zurückhaltung der Anleger zurück?

Die Zurückhaltung ist nicht ganz zu verstehen, da wir seit Jahren aus meiner Sicht eine sehr erfreuliche Entwicklung hinlegen. Ein Grund mag sein, dass es sich bei Bastei Lübbe im Vergleich mit DAX- oder MDAX-Konzernen um ein eher kleines Unternehmen handelt und die Investoren hier abwartend reagieren. Bereits auf unserer Roadshow haben einige institutionelle Investoren erklärt, dass sie unsere Story sehr interessant fänden, dennoch würden sie uns zunächst einmal „nur“ auf die „Watchlist“ setzen und abwarten, wie wir uns entwickeln. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt erst einmal im digitalen internationalen Bereich auch Erfolge und Abschlüsse melden müssen, damit der Aktienkurs dann entsprechend anzieht. Allerdings erwarte ich, dass dies noch in diesem Jahr geschieht.

Investoren legen in der Regel Wert auf eine solide Dividendenrendite. Können Sie uns schon Angaben zu Ihrer künftigen Ausschüttungspolitik machen?

Diese Frage haben wir auf der Roadshow schon klar und eindeutig beantwortet. Wir werden 40 bis 50 Prozent der ausschüttungsfähigen Gewinne in Form einer Dividende auszahlen. Das ist eine klare Aussage, zu der wir auch stehen.

Bastei versteht sich als ein „Familienunternehmen mit Zukunftsvision“. Lassen Sie uns über diese Zukunftsvision sprechen: Wo sehen Sie die Bastei-Gruppe in fünf Jahren?

Bastei Lübbe wird in fünf Jahren ein international tätiges Medienunternehmen sein, das mehr als 50 Prozent der Umsätze digital erwirtschaftet. Für uns wird es ganz neue Geschäftsfelder geben, wie den B2B-Bereich, und wir werden erheblich mehr eigene Rechte verwalten, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Einen großen Anteil der Umsätze werden wir dann mit unseren internationalen Inhalten und den angedachten Joint Venture, insbesondere in China, aber auch in den USA, machen.

Herr Schierack, vielen Dank für das Interview!

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