Jenoptik
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Knoff-Hoff

Diese deutsche Technologiefirma ist ein Fels in der Brandung.

Lichteffekte, chemische Reaktionen, physikalische Überraschungen. Wer schon als Kind bei Wissenschaftssendungen wie der "Knoff-Hoff-Show" mit offenem Mund vorm Fernseher gesessen hat, kommt auch beim Blick auf das breite Produktportfolio der Jenoptik AG (WKN 622 910) aus dem Staunen nicht heraus.

Jenoptik
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07.11.2012

Faszinierend ist etwa der patentierte Nanomotte-Effekt. Vorbild sind die Natur beziehungsweise die perfekt entspiegelten Augen von Motten. Auf diesen sind Millionen winzigster Noppenmuster angebracht. Der Clou: Das Licht wird dadurch nicht abrupt, sondern sanft gebrochen. So verrät kein reflektierter Lichtschimmer Fressfeinden die Position der Motte. Die zufällige Entdeckung dieses Entspiegelungseffekts durch Jenoptik macht sich nun bezahlt. Kunden setzen die "Nanomotte" mittlerweile bei Überwachungskameras, der Endoskopie oder in Displays ein.

Auch mit der Verwendung von Mi­krowellenstrahlung für eine besonders effiziente Abluftreinigung geht Jenoptik neue Wege.

Intelligentes Glas

Dabei gelingt es der Jenoptik AG immer besser, die verschiedenen Abteilungen und Technologien zusammenzubringen. Ein gutes Beispiel für die neue Flexibilität ist die Laseranlage Votan. Die bislang für den Zuschnitt von Dünnschicht-Solarmodulen eingesetzte Maschine kaufen Kunden mittlerweile auch für die Herstellung von "intelligentem Glas". Solche Smart Windows sehen wie normale Fensterscheiben aus - doch auf Knopfdruck können sie blickdicht verdunkelt werden.

Eingetrübt hat sich auch die weltweite Konjunktur. Gleich reihenweise hatten in den letzen Wochen Firmen wie Daimler, Leoni, Singulus oder Aixtron Gewinnwarnungen veröffentlicht. Ein wahrer Fels in der Brandung ist hingegen Jenoptik. Firmenchef Dr. Michael Mertin stellte im Gespräch mit dem AKTIONÄR nun unmissverständlich klar: Die Planung steht. Am 8. November werden weitere Details bekannt - dann wird Jenoptik die Quartalszahlen veröffentlichen.

Impulse aus Asien und den USA

Jenoptik hatte im Juli 2012 seine Jahresprognose auf einen EBIT-Zielkorridor von 50 bis 55 Millionen Euro (zuvor 45 bis 50 Millionen) angehoben. Der Umsatz soll dabei um fünf bis zehn Prozent zulegen.

Die hohe Stabilität der Planung ist auch auf die verlässlichen Kunden zurückzuführen. So beliefert Jenoptik etwa den unzyklischen Medizinsektor und die Bundeswehr. Diese nimmt unter anderem kompakte und sehr leichte Energieversorgungssysteme ab, welche in Drohnen verbaut werden. "Hier haben wir eine große Kompetenz", so Mertin, der in diesem Sicherheitsbereich „massiv internationalisieren" will.

Die Auslandsexpansion ist ein großer Wachstumstreiber. Schließlich hat Jenoptik über alle Geschäftsbereiche hinweg wertvolle Technologie aufgebaut, die nun ohne zusätzliche Entwicklungskosten auch in anderen Ländern  vermarktet werden kann. Besonders in den USA und Asien sehen die Ostdeutschen große Chancen für ihre Produkte: Während 2011 in den beiden Regionen erst 20 Prozent der Konzernumsätze erzielt wurden, soll sich der Anteil mittel- bis langfristig auf 40 Prozent erhöhen. Jenoptik wird dabei nicht nur neue Vertriebsgesellschaften gründen, sondern auch direkt vor Ort für große Kunden Komponenten fertigen.

Analystenliebling

Alles in allem befindet sich Jenoptik auf einem sehr guten Weg. Einige Jahre galt Jenoptik im Kapitalmarkt im besten Falle als langweilig und im schlechtesten als unzuverlässig. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Dank starker Zahlen und frischer Produkte ist Jenoptik zum Analystenliebling avanciert. Zehn von zwölf Experten empfehlen das Papier mittlerweile zum Kauf. Die Konsensus-Gewinnschätzungen für 2013 wurden im Jahresverlauf um fast 30 Prozent erhöht. Damit liegt das 2013er-KGV des Technologiekonzerns mittlerweile bei günstigen 11 und die laufende Dividendenrendite bei zwei Prozent.

Auch die Nettoverschuldung hat Jenoptik in den letzten Jahren deutlich abgebaut. "Unser Schuldenstand stellt überhaupt keine Gefahr mehr dar", so der Firmenchef im Gespräch mit dem AKTIONÄR.

Schließlich gefällt auch die Charttechnik. Das Papier hat zuletzt beeindruckende Relative Stärke bewiesen, wichtige Widerstände überwunden und ein neues 2-Jahres-Hoch erreicht.

Wertvolle Aktie

Die Jenoptik-Aktie ist wie geschaffen für das aktuelle Marktumfeld: Attraktiv bewertet und relativ unabhängig von konjunkturellen Launen. Das wertvolle Know-how und reichlich vorhandene Wachstumspotenziale im Ausland machen die Technologieaktie zu einem klaren Top-Tipp. Da das Papier in den letzten Tagen weitere zehn Prozent gestiegen und mittlerweile leicht überkauft ist, bietet sich ein schrittweiser Einstieg an.

(Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 45/2012 erschienen und wurde am 07. November aktualisiert.)

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