Invision Software
- Michael Schröder - Redakteur

Dienstleistungen aus der Wolke

Mit der erfolgreichen Umstellung des Geschäftsmodells wurde das Feld für einen kräftigen Ergebnisanstieg bestellt. Wer jetzt einsteigt, dürfte schon bald Gewinne ernten.

Peter Bollenbeck war in der Vergangenheit eigentlich stets ein offener und nachgefragter Gesprächspartner. Doch in den letzten Monaten hat sich der Vorstand der Invision AG (WKN 585 969) rar gemacht. Selbst die Kommunikation zu den Quartalszahlen fiel nur kurz und knapp aus. Was war geschehen?

Invision Software
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12,50 €
12.11.2012

Ganz einfach: Die Gesellschaft befand sich in den letzten Monaten in einem Transformationsprozess. Es gab einfach nicht viel zu besprechen. Bollenbeck wollte erst seine Gesellschaft neu ausrichten. Er wollte weg vom reinen Software-Anbieter für Lösungen zur effizienten Personaleinsatzplanung. Das ist ihm gelungen. Mittlerweile agiert Invision als Anbieter von Cloud-basiertem Workforce Management. "Wir sind ziemlich planmäßig durch die Transformationsphase durchgekommen", so Bollenbeck gegenüber dem AKTIONÄR. "Inzwischen kümmern sich 95 Prozent unserer Entwicklungsressourcen ausschließlich um die Weiterentwicklung von Cloud-basierten Services", führt der Firmenlenker aus. Im Software-Bereich werden zwar immer noch Wartungsarbeiten durchgeführt, aber nur noch in einem sehr überschaubaren Umfang.

Effizienz aus der Cloud

Trotz der Transformation verliert Bollenbeck seine Mission, die 1995 mit der Gründung der in Ratingen ansässigen Gesellschaft startete, nicht aus den Augen. „Wir möchten mit unserem Workforce-Management-System vor allem eines sicherstellen: dass unsere Kunden mit einem geringen Aufwand immer die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit am richtigen Ort einsetzen." Gleichzeitig wollen die Rheinländer ihre Stellung als eines der international führenden Unternehmen im Bereich der effizienten Personaleinsatzplanung behaupten. Dazu beitragen soll eine nachhaltige Durchdringung internationaler Märkte, die sukzessive Diversifizierung der Zielbranchen und Einsatzgebiete für die entwickelten Workforce-Management-Lösungen - und jetzt auch die Cloud!

Kontinuierliche Lieferung

Ein Blick hinter die Wolke zeigt, dass die Gesellschaft durch die Umstellung des Geschäftsmodells auf Cloud-Computing vor allem viel flexibler agieren kann. "Wir sind inzwischen in der Lage, eine Veränderung der bereitgestellten Leistung viel schneller durchzuführen. Wenn es sein muss, sogar mehrmals am Tag", erklärt Bollenbeck die Vorzüge des Arbeitens aus der Wolke. Zum Vergleich: "Früher musste ein Unternehmen auf eine neue Version erst mal warten. Nach der Installation der neuen Software-Version, gerade bei größeren Unternehmen immer ein ziemlicher Aufwand, hat es teilweise mehrere Jahre gedauert, bis Kunden neue Features anständig nutzen konnten", so der Vorstand. "Jetzt haben wir eine kontinuierliche Lieferung unserer Anwendungen auf unsere Cloud-Infrastruktur. Vorher war der gesamte Entwicklungsprozess eher von Release-Zyklen geprägt", fasst Bollenbeck zusammen.

Vor einem Quantensprung

Die Gesellschaft steht bei den Entscheidungen für IT-Budgets regelmäßig an erster Stelle, da Unternehmen mit Invision-Lösungen einen hohen Return-on-Investment erzielen und sich die Investitionen in kurzer Zeit vollständig amortisieren. Mit dem Umbau auf das Cloud-Computing ist Bollenbeck und seinem Team ein Quantensprung gelungen, der sich in den kommenden Jahren spürbar im Zahlenwerk widerspiegeln dürfte. In den ersten neun Monaten des Übergangsjahres 2012 ist der Umsatz bereits um rund neun Prozent auf knapp zehn Millionen Euro gestiegen. Operativ ist zudem die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelungen. Das EBIT wurde um 2,4 Millionen Euro auf 0,3 Millionen Euro gesteigert.

Wiederkehrende Umsätze

Doch das dürfte erst der Anfang gewesen sein. "Wir halten es für ausgeschlossen, dass wir in der nächsten Zeit noch mal negativ werden", so Bollenbeck.  Für 2012 erwartet der Vorstand eine Umsatzsteigerung im einstelligen Prozentbereich und ein EBIT von mindestens 0,8 Millionen Euro. Unter dem Strich dürfte nach Schätzungen des AKTIONÄR ein Gewinn je Aktie von mindestens 0,28 Euro stehen. Wenn man die Entwicklung aus diesem Jahr linear auf die nächsten beiden Jahre hochrechnen würde, sollte das EBIT sogar überproportional zulegen. In den kommenden Jahren dürfte das Geschäft dann so richtig Fahrt aufnehmen. Invision arbeitet inzwischen auf einer Kostenbasis von zwölf Millionen Euro. Davon sind mehr als zwei Drittel durch wiederkehrende Umsätze abgedeckt. Um profitabel zu sein, ist die Gesellschaft damit nur noch in geringem Maße auf Neukunden- oder Projektgeschäft angewiesen - verfügt aber gleichzeitig über einen enormen Gewinnhebel, zumal die Erlöse durch den neuen Liefermodus ebenfalls kräftiger ansteigen dürften als bisher. Durch den Umstieg auf das Software-Mietmodell kommt noch ein weiterer Aspekt zum Tragen. Bisher wird die Aktie auf Basis eines klassischen Software-Geschäftsmodells bewertet. Firmen aus dem Cloud-Computing-Bereich werden in der Regel deutlich höhere Bewertungen zugesprochen.

Viel Kurs- und Gesprächspotenzial

Invision ist im Bereich des unternehmensweiten Workforce Managements breit aufgestellt. Der operative Gewinn dürfte in den nächsten Jahren überproportional zulegen. Selbst ein drohender Konjunkturabschwung dürfte kaum belasten. Im Gegenteil: Gerade in Krisenzeiten müssen Kunden stets Prozesse optimieren, Kosten senken und Produktivitätssteigerungen erzielen. Mit der erfolgreichen Transformation im Gepäck dürfte Vorstand Bollenbeck bereits in naher Zukunft wieder zum stark frequentierten Gesprächspartner werden. Neben Details zur Umstellung des Geschäftsmodells dürfte dabei auch immer wieder das enorme Kurspotenzial der Aktie zur Sprache kommen.

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