GFT Technologies
- Michael Schröder - Redakteur

Die Banken machen mobil

20091007 GFT

In der Finanzbranche wird wieder kräftig investiert. Allein die Deutsche Bank will bis 2015 mehr als vier Milliarden Euro unter anderem in die IT-Infrastruktur investieren, um die Effizienz bei betrieblichen Abläufen zu erhöhen. Aber auch bei anderen Banken und Versicherungen finden umfangreiche Investitionen statt, beispielsweise um den Anforderungen von Basel III zu entsprechen. Zudem sorgt das Thema SEPA (Single Euro Payments Area) für Investitionen der Finanz­in­sti­tute in entsprechende Lösungen. Zu guter Letzt erwarten Branchenkenner steigende Ausgaben für Sicherheitslösungen im Bereich Mobile Banking.

Das alles spielt der GFT Technologies in die Karten. Die Stuttgarter erzielen etwa zwei Drittel ihres Umsatzes mit der Finanzindustrie. „Insbesondere in unserem stark wachsenden Geschäftsfeld GFT Solutions fokussieren wir unser IT-Beratungsangebot auf die Finanzdienstleistungsbranche“, erklärt GFT-Finanzvorstand Dr. Jochen Ruetz gegenüber dem AKTIONÄR. „Diesen Kunden sind wir durch unser umfassendes Branchenverständnis überaus nahe, mit anderen Worten: Wir verstehen Bank“, führt der Finanzchef aus. „GFT profitiert aufgrund seiner Expertise, die nicht nur die IT abdeckt, sondern auch tiefes Prozess-Know-how in der Finanzindustrie mit sich bringt“, stimmt Andreas Wolf von Warburg Research zu. Die Kundenliste liest sich wie das Who is Who der Branche: Unter anderen setzen Banco Santander, Commerzbank, Deutsche Bank, Deka und Goldman Sachs auf die Dienste der Schwaben.

GFT Technologies
7,25 €
8,50 €
5,90 €
14.01.2014

Starke Zahlen

Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Nach einem planmäßig verlaufenen ersten Halbjahr hat die Gesellschaft ihre Wachstumsdynamik im dritten Quartal beschleunigt. Nach neun Monaten erzielte GFT einen Umsatzzuwachs von sechs Prozent auf 185,4 Millionen Euro. Dabei erwirtschaftete GFT einen Überschuss von 8,4 Millionen Euro – ein Anstieg um 64 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Großen Anteil an der guten Entwicklung hat der auf IT-Lösungen für den Finanzsektor spezialisierte Geschäftsbereich GFT Solutions, der nach neun Monaten ein Umsatzplus von 30 Prozent auf 118 Millionen Euro verzeichnete. Davon entfallen rund zehn Millionen Euro auf die in diesen Bereich zum Halbjahr übernommene Sempla. Bereinigt um diesen Umsatzbeitrag verzeichnete GFT Solutions ein Wachstum von 19 Prozent. Der Ergebnisbeitrag des Segments stieg in den ersten neun Monaten um 62 Prozent auf 12,8 Millionen Euro. Die im Vergleich zum Umsatz überproportionale Ergebnissteigerung resultiert vor allem aus dem erhöhten Auslastungsgrad.

Viel Fantasie

Der im Vergleich sehr kleine Geschäftsbereich emagine lag mit einem Umsatz von 67,6 Millionen Euro 20 Prozent unter dem Vorjahreswert. „Das Segment befand sich 2013 in einer Umbruchphase“, erklärt der Finanzchef. „emagine agiert in dem wachsenden Markt der Vermittlung von Fachkräften in flexiblen Arbeitsverhältnissen – kurz Freiberuflern. Dieser Markt ist unverändert dynamisch und bietet in unseren drei Märkten Deutschland, Frankreich und UK Wachstumsper­spektiven“, so Ruetz weiter. „Nachdem wir unsere internen Hausaufgaben gemacht haben, werden wir hier in 2014 wieder wachsen.“ Die Neuausrichtung dieses Segments belastet das Ergebnis mit etwa einer Million Euro, sodass das EBIT bei nur einer Million Euro liegen dürfte. „Im nächsten Jahr dürften diese Effekte nicht mehr auftreten“, stuft auch Warburg-Analyst Wolf das Jahr 2013 für diesen Bereich als Übergangsjahr ein.

Ebenfalls positiv: Der Bereich trägt zur Kostenflexibilisierung bei GFT bei, weil die Gesellschaft auf einen großen Pool von 180.000 IT-Experten zurückgreifen kann. „Zudem hilft die Vermittlung der Freiberufler, die Tür zu neuen Kunden aufzustoßen“, weiß der Analyst. Auch der Ausblick passt: „Wir sehen in den kommenden Quartalen weiteres Wachstum – organisch in unserem Kerngeschäft, aber auch weil Sempla im kommenden Jahr erstmals vollständig miteinbezogen wird“, erwartet der Finanzchef eine Fortsetzung des positiven Trends.

Strategische Übernahme

Die italienische Sempla ist auf IT-Dienstleistungen für Geschäfts- und Privatbanken spezialisiert und hat den Umsatz von 2009 bis 2012 um durchschnittlich elf Prozent pro Jahr gesteigert. „Durch die Akquisition kam auch die Expertise im Bereich der Kreditmonitoring-Lösungen hinzu, die man nun auch den Kunden der GFT anbieten kann“, erklärt Analyst Wolf. Damit wird GFT zu einem der führenden Anbieter von IT-Lösungen für Finanzdienstleister in Europa.

Der Vorstand erwartet deutliche Synergieeffekte. Vor diesem Hintergrund hat er die Prognose für das Gesamtjahr für das Vorsteuerergebnis auf rund 16 Millionen Euro (vormals mindestens 15 Millionen Euro) angehoben und erwartet nun eine Umsatzsteigerung auf mindestens 260 Millionen Euro (Vorjahr: 230,7 Millionen Euro). Mittelfristig soll der Umsatz auf 400 Millionen Euro klettern. Im Mittelpunkt der Wachstumsstrategie steht das organische Wachstum. Zudem sollen bis 2015 rund 100 Millionen Euro durch Akquisitionen beigesteuert werden. „Wir haben erkannt, dass wir unser Leistungs- und Kundenspektrum durch strategische Zukäufe sehr effizient erweitern können“, sagt Ruetz. Der Finanzchef sieht bei einer Unternehmensgröße von 2.000 Mitarbeitern auch die erzielbaren „Skaleneffekte noch nicht ausgereizt“. Gute Zukäufe dürften sich daher auch positiv auf das Lösungsportfolio und damit auf die Rentabilität der Gesellschaft auswirken.

In die Zukunft investieren

GFT hat neben einer guten Positionierung auch ein gutes Management. Mit einem 2014er-KGV von 13 und einer Dividendenrendite von rund zwei Prozent hat die Aktie angesichts des enormen Wachstumspotenzials noch deutlich Luft nach oben.

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