Airbus Group
- Markus Bußler - Redakteur

Der Überflieger

Die Namensänderung ist überfällig: Aus EADS wird Airbus. Im kommenden Jahr soll es so weit sein. Mit EADS verknüpfen die meisten Anleger noch einen Rüstungs- und Raumfahrtkonzern. Doch längst ist es die Tochter Airbus, die den größten Teil zu Umsatz und Gewinn beiträgt. Tendenz: steigend.

Während vor allem die Rüstungssparte unter dem Sparzwang der westlichen Industrienationen leidet, läuft der Bereich zivile Luftfahrt prächtig. Im Sommer hatte Airbus erstmals über 5.000 Bestellungen in den Büchern stehen - mittlerweile sind es über 5.300. Mit anderen Worten: Wer heute das neue Langstreckenmodell A350 bestellt, muss bis zum Jahr 2020 warten, bis das Flugzeug ausgeliefert wird. So weit, so gut.

Airbus Group
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07.11.2013

Dennoch musste Airbus im vergangenen Jahr einen Prestigeverlust hinnehmen: Boeing lieferte erstmals nach vielen Jahren mehr Flugzeuge aus als der europäische Konkurrent. Doch dieser Fehler soll schnell korrigiert werden. Bei den Bestellungen liegt Airbus im laufenden Jahr bereits wieder vor Boeing. "2017/2018 werden wir auch bei den Auslieferungen wieder in Führung gehen", kündigte Airbus-Chef Fabrice Brégier kürzlich an. Der Grundstein dafür ist gelegt: Nach jahrzehntelangen vergeblichen Versuchen, auf dem japanischen Markt Fuß zu fassen, ist es Airbus jetzt gelungen. Japan Airlines hat insgesamt 56 Langstreckenflugzeuge des Typs A350 geordert - ein Flugzeug also, das sich derzeit noch in der Entwicklungsphase befindet. Ein hoher Vertrauensvorschuss. Freilich: Hinter vorgehaltener Hand heißt es, Airbus habe sich diesen Markteintritt teuer erkauft. Von bis zu 30 Prozent Rabatt auf den Listenpreis ist die Rede. Doch bei Airbus will man davon nichts wissen. Von einem "wettbewerbsfähigen Angebot" spricht Brégier. Der Auftrag werde gewinnbringend sein - für Airbus und für Japan Airlines.

Anteil soll rapide steigen

Blickt man in die Zukunft, dann wird schnell klar, weshalb sich der japanische Markt für Airbus als gewinnbringend herausstellen wird: Derzeit hat der Flugzeugbauer einen Marktanteil von 13 Prozent ¿ weltweit hat Airbus einen Anteil von rund 50 Prozent. Doch nicht zuletzt dank der neuen Bestellung soll der Anteil von Airbus in Japan bis zum Jahr 2020 auf 25 Prozent ansteigen. Und langfristig soll auch in Japan jedes zweite neue Flugzeug aus dem Hause Airbus stammen.

Sicherlich: Die Stärke von Airbus hat auch mit der Schwäche des Konkurrenten Boeing zu tun. Der Dreamliner hat sich für den US-Konzern zum Problemfall entwickelt. Feuer bei den Lithium-Ionen-Batterien sorgte dafür, dass der Dreamliner mehr am Boden als in der Luft gewesen ist. Betroffen davon auch: Japan Airlines.

Angesichts der ausgezeichneten Perspektiven für Airbus ist es daher nur schwer verständlich, weshalb Boeing an der Börse noch immer 80 Prozent höher bewertet ist als EADS, obwohl die beiden beim Umsatz nahezu gleichauf liegen. Der Grund dürfte die Margenschwäche von EADS sein. Die Marge von Boeing war im vergangenen Jahr fast dreimal so hoch wie bei EADS. Doch das soll sich ändern. EADS will die Umsatzrendite bis 2015 auf zehn Prozent steigern, derzeit dümpelt das Unternehmen bei sechs Prozent herum. Allein der Wegfall der Sonderbelastungen durch den Militärtransporter A400M und die teure Neuentwicklung des A350XWB sollten dabei helfen.

Kosteneinsparungen

Doch damit nicht genug: Im Zuge der Umbenennung in Airbus will Konzernchef Thomas Enders auch Kosten sparen - vor allem im Raumfahrts- und Verteidigungssegment. Dazu werden die Verteidigungssparte Cassidian, die Raumfahrt-Division Astrium und der Militärtransportflugzeug-Hersteller Airbus Military zusammengelegt. Der neue Unternehmensteil soll Airbus Defence and Space heißen. Genaue Zahlen sind zwar noch nicht bekannt ¿ klar ist jedoch: Die Profitabilität wird in den kommenden Quartalen mehr und mehr in den Mittelpunkt rücken.

Für Benjamin Fidler, Analyst bei der Deutschen Bank, ist klar: Die Aktie von EADS ist zu günstig bewertet. "EADS bleibt der Top-Wert in der Branche", sagt Fidler. Die Kurstreiber für die kommenden Wochen und Monate dürften die im Branchenvergleich niedrige Bewertung und die Aussicht auf ein anhaltendes Gewinnwachstum sein.

Vor allem der Markt für zivile Luftfahrt wächst weiter ungebremst. Airbus ist auf Jahre hinweg ausgelastet. Die Umstrukturierung wird in den kommenden Quartalen für eine steigende Marge sorgen. Die Aktie bleibt ein Kauf.            

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