Deutsche Telekom
- Michael Schröder - Redakteur

Der lachende Vierte

Der Mobilfunkmarkt in den Vereinigten Staaten kommt nach dem Deal zwischen Softbank und Sprint ins Rollen. Am Ende könnte ein anderer profitieren.

"Die US-Regierung hat Klage gegen eine Fusion eingelegt, weil sie überzeugt ist, dass sie schädlich für den Wettbewerb wäre." Diese Ankündigung der amerikanischen Kartellbehörde FCC stammt vom letzten August und sie war der Sargnagel für einen geplanten Mega-Deal zwischen AT&T und T-Mobile USA, der Amerika-Tochter der Deutschen Telekom. AT&T reagierte damals überrascht, in der Bonner Zentrale der Deutschen Telekom (WKN 555 750) war man nichts weniger als entsetzt. Eine Fusion hätte Telekom-Chef René Obermann von einer großen Sorge befreit - der ungeliebten US-Tochter. Der Kursverlust der T-Aktie von mehr als acht Prozent zeigte, wie sehr sich auch die Investoren einen Verkauf gewünscht hatten. Am Ende und über den Umweg MetroPCS könnte der Wunsch doch noch in Erfüllung gehen.

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30.10.2012

Markt in Bewegung

Der US-Mobilfunkmarkt ist gemessen an 3G-Verträgen nicht nur der weltweit größte, er ist gleichzeitig auch extrem wettbewerbsintensiv. Lange waren die Rollen klar verteilt: AT&T und Verizon Wireless dominierten das Feld, für Sprint Nextel auf Rang drei und T-Mobile USA auf Rang vier blieben die Reste. T-Mobile litt zudem unter dem "Makel", als einziger der vier großen Mobilfunker Apples iPhone nicht im Programm zu haben. Dieser Wettbewerbsnachteil hatte Folgen: Im zweiten Quartal verlor T-Mobile USA netto 205.000 Kunden und damit so viele wie nie zuvor. Doch jetzt gerät die Branche wieder mächtig in Bewegung. Der japanische Beteiligungsriese Softbank will für 70 Prozent der Anteile an Sprint 20 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Für die Deutsche Telekom kommt die Ankündigung zu einem günstigen Zeitpunkt, teilte der Konzern doch Anfang Oktober die beabsichtigte Fusion seiner US-Tochter mit dem kleineren Mobilfunker MetroPCS mit. Sprint war ebenfalls an MetroPCS interessiert, konnte einen Deal aber nicht eintüten. Branchenkenner hatten deshalb befürchtet, dass es Dan Heese, der Vorstandschef von Sprint, auf einen Bieterwettstreit ankommen lassen könnte. Die Gefahr scheint erst einmal gebannt.

Komplexer Deal mit Hintertürchen

Der Deal zwischen T-Mobile USA und MetroPCS ist als sogenannter "Reverse Merger" konzipiert und damit aufwendig. Die Telekom bringt bei dem Konkurrenten die US-Tochter und ein Darlehen von 15 Milliarden Dollar ein. Im Gegenzug erhalten die Bonner 9,5 Millionen neue Kunden und außerdem 73 Prozent der Anteile, die nun jedoch - und das ist der eigentliche Clou - börsennotiert sind. Auf diese Weise erreicht René Obermann ein Listing für T-Mobile USA. Sollte er sich dazu entschließen, das Abenteuer in Übersee zu beenden, könnte er die Anteile nach und nach über die Börse verkaufen. DER AKTIONÄR glaubt, dass genau das der langfristige Plan ist.

Hübsch machen und tschüss sagen

Durch den Kauf von MetroPCS stärkt T-Mobile USA mit 43 Millionen Kunden zunächst seine Position als viertgrößter Mobilfunkanbieter in den Vereinigten Staaten. Anschließend beackern die Konzerne - offensichtlich jeder unter seinem eigenen Markennamen - das schnell wachsende Feld der Prepaid-Angebote. Branchenexperten zufolge tendieren Prepaid-Kunden häufiger dazu, ihre Smartphones auszutauschen. Dieser Trend spielt T-Mobile/MetroPCS also durchaus in die Karten. Gemeinsam wollen die Firmen ihre Infrastruktur zügig auf den schnellen LTE-Übertragungsstandard hochrüsten. Vorausgesetzt, die Integration beider Unternehmen verläuft ohne größere Probleme und die Verhandlungen mit Apple über das iPhone (hat auch MetroPCS nicht)  sind erfolgreich, könnte das Duo T-Mobile/MetroPCS bei Prepaid-Angeboten dem bislang erfolgreicheren Konkurrenten Sprint zusetzen. Spätestens dann könnte der Zeitpunkt für Obermann gekommen sein, Kasse zu machen.

Marktposition in Europa stärken

Ein solcher Plan erscheint auch sinnvoll, weil sich die Bonner dann auf ihre eigentliche Stärke besinnen könnten: das Europageschäft. Vor allem in Südosteuropa ist die Deutsche Telekom eine Macht. Neben Deutschland ist der Konzern in weiteren neun Mobilfunkmärkten, darunter in Griechenland, Albanien, Polen und Ungarn Marktführer. Ohne Deutschland erzielt die Telekom rund 28 Prozent ihrer Erlöse in der Europasparte und damit knapp mehr als in den USA. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) liegt der europäische Beitrag mit 28 Prozent am Konzern-EBITDA um 40 Prozent über dem der US-Sparte - trotz Schuldenkrise und dank umfangreicher Kostensenkungsmaßnahmen insbesondere in Griechenland und Ungarn. Erfahrungsgemäß dürfte die Telekom mit ihrer starken Marktposition in Südosteuropa gestärkt aus der anhaltenden Krise hervorgehen und Marktanteile auf Kosten schwächerer Mitbewerber hinzugewinnen. Wann es zu einer Stabilisierung oder gar einem Aufschwung in den südlichen Volkswirtschaften kommt, ist zwar kaum abzusehen, die Bonner verfügen jedoch über ausreichend Finanzmittel, um die Krise auszusitzen.

Hohe Dividende - auf Jahre hinaus

Trotz einer Nettoverschuldung von 40 Milliarden Euro betreibt der Bonner Telekomkonzern eine überaus freundliche Aktionärspolitik. Timotheus Höttges will ungeachtet der geplanten Fusion mit MetroPCS und damit verbundenen Abschreibungen an der Ausschüttungspolitik des Unternehmens festhalten: "Handelsrechtlich besteht bei einem Gewinnvortrag von 1,6 Milliarden Euro und einer Gewinnrücklage von 15,5 Milliarden Euro kein Zweifel an unserer Dividendenfähigkeit", sagte Höttges in einem Interview mit der Börsen-Zeitung. Die auf drei Jahre angelegte Finanzstrategie der Bonner sieht eine Mindestausschüttung von 0,70 Euro je Anteilschein vor. Auf dem aktuellen Kursniveau errechnet sich für die Telekom somit eine attraktive Dividendenrendite von 7,6 Prozent.

Attraktive Bewertung lockt

Die T-Aktie ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Spekulation auf den Turn­around im US-Geschäft. Im Heimatmarkt und in Resteuropa laufen die  Geschäfte überraschend solide, zudem weist das Papier eine attraktive Dividendenrendite auf. Langfristanleger sollten die Aktie auf dem aktuell günstigen Niveau zukaufen.

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| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

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