Barrick Gold Corp.
- Markus Bußler - Redakteur

Das heimliche Comeback

2013 ist Geschichte. Zum Glück, werden zumindest die Aktionäre des weltgrößten Goldproduzenten Barrick Gold sagen. Die Aktie hat sich im vergangenen Jahr fast halbiert. Die Liste der Probleme ist lang: Das mit viel Vorschusslorbeeren versehene Großprojekt Pascua-Lama im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien bereitete den Verantwortlichen vor allem eines: Kopfschmerzen. Die Kosten explodierten und am Ende entschied der Vorstand, das Projekt gänzlich auf Eis zu legen.

Auch auf der Finanzseite gab es Schwierigkeiten: Der Schuldenberg von Barrick Gold wuchs nicht zuletzt wegen der bereits getätigten Investitionen in Pascua-Lama immer weiter. Das Unternehmen benötigte frisches Kapital. Eine Kapitalerhöhung musste her. Und die nahm historische Ausmaße an. Im November kam es zur größten Kapitalerhöhung in der kanadischen Minenhistorie. 163,5 Millionen neue Aktien platzierte der Konzern, 2,9 Milliarden Dollar flossen in die Unternehmenskasse. Die Finanzierung ist gesichert – doch der Kurs kam noch einmal unter Druck.

Barrick Gold Corp.
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22.01.2014

Schwacher Goldpreis

Letztlich lassen sich aber alle Probleme bei Barrick Gold auf einen Nenner zurückführen: den schwachen Goldpreis. Das Edelmetall hat im vergangenen Jahr knapp 30 Prozent an Wert eingebüßt. Die Margen der Goldproduzenten schrumpften im Rekordtempo. Die Finanzierung neuer Projekte wurde zusehends schwieriger. Bei den Explorern verschwand bereits der eine oder andere Titel vom Kurszettel – schlechte Aussichten für die gesamte Branche.

Oder mit anderen Worten: Ein Comeback der Minen-Aktien wird es nur dann geben, wenn der Goldpreis sich endlich stabilisiert. Glaubt man den Analysten, dann ist eine Erholung jedoch in weiter Ferne. Goldman Sachs sieht für 2014 einen weiter fallenden Goldpreis – von einem Preis von 1.057 Dollar je Feinunze sprechen die Experten. Und der eine oder andere Analyst sieht den Goldpreis bereits unter die magische Marke von 1.000 Dollar je Feinunze fallen. Die großen Goldproduzenten haben dabei vor allem ein Problem: Ihre All-In Sustaining Costs sind zu hoch. Im Schnitt lagen sie im abgelaufenen Jahr ungefähr bei 1.180 bis 1.200 Dollar je Unze. Damit ist die Gewinnmarge schon zum jetzigen Zeitpunkt fast vollständig aufgezehrt.

Chance auf einen Trendwechsel

Doch wird es wirklich so weit kommen? Einen nochmaligen Abverkauf kann zwar niemand mit Gewissheit ausschließen. Derzeit deutet jedoch aus charttechnischer Sicht einiges auf einen Doppelboden hin. Zudem dürften nach den massiven Abflüssen aus den Gold-ETFs die schwachen Hände mittlerweile den Goldmarkt verlassen haben. Zumindest eine Stabilisierung rückt daher in greifbare Nähe. Und mit Goldpreisen im Bereich von 1.250 Dollar je Unze kann Barrick als einer der wenigen großen Produzenten gut leben.

Niedrige Produktionskosten

Warum? Weil Barrick Gold mit All-In Sustaining Costs von etwa 950 Dollar im abgelaufenen Jahr die geringsten Kosten unter den Senior-Produzenten aufweist. Das liegt vor allem daran, dass sich Barrick Schritt für Schritt von seinen australischen Minen mit hohen Produktionskosten trennt. Kurz vor Weihnachten gab das Unternehmen bekannt, die Plutonic Mine im Westen Australiens für 22,4 Millionen Dollar an Northern Star Resources verkauft zu haben. In der Plutonic Mine hat Barrick in den ersten neun Monaten im abgelaufenen Jahr 86.000 Unzen Gold zu All-in-Kosten von 1.110 Dollar je Unze produziert. Unterm Strich konnte Barrick im abgelaufenen Jahr die Kosten um zwei Milliarden Dollar senken. Und für die kommenden Jahre plant das Unternehmen Einsparungen von 500 Millionen Dollar jährlich.

Amerika als Rettungsanker

Vor allem die nordamerikanischen Minen von Barrick, wie zum Beispiel die Cortez Mine in Nevada mit Produktionskosten von 416 Dollar je Unze, und die Minen in Südamerika, wie Laginas Norte in Peru mit 633 Dollar je Unze, bestechen mit niedrigen Kosten. Insgesamt stammen rund 55 Prozent der Produktion aus fünf Minen, die im Schnitt zu ungefähr 700 Dollar je Unze produzieren. Damit ist Barrick gerüstet, die Durststrecke bei den Rohstoffpreisen gut zu überstehen.

Flaggschiff liegt auf Eis

Eigentlich sollte Pascua-Lama das neue Flaggschiff von Barrick werden. 17 Millionen Unzen Gold sollen dort lagern. Da das Gold im Tagebau hätte abgebaut werden können, sollten die Kosten auch in der Tradition der amerikanischen Minen von Barrick vergleichsweise niedrig liegen. Doch die andauernden Rechtsstreitigkeiten vor allem in Chile in Verbindung mit den hohen Investitionskosten, um Pascua-Lama in Produktion zu bringen, haben den Vorstand schließlich dazu veranlasst, das Projekt auf Eis zu legen. Das ist sicherlich für das Management aus Prestigegründen ein herber Rückschlag – strategisch ist der Schritt jedoch richtig. Derzeit wäre niemanden zu vermitteln, auf der einen Seite Kapital aufzunehmen, um es auf der anderen Seite in ein Projekt zu investieren, dessen Start aufgrund der Rechtsstreitigkeiten mehr als fraglich ist. Aber aufgeschoben ist in diesem Fall nicht aufgehoben. Das Management hält sich nämlich ausdrücklich das Hintertürchen offen, den Bau schrittweise voranzutreiben, sollten sich die Rahmenbedingungen nachhaltig verbessern.

„Der Zeitpunkt ist jetzt“

Auch wenn die meisten Analysten nach wie vor einen Bogen um die Aktie machen, gibt es bereits erste mutige Stimmen. So rechnet beispielsweise die Schweizer Großbank UBS weiterhin mit einem schwachen Goldpreis. Doch bei den Goldminen-Aktien sehen sie Kaufchancen. „Wir sehen hier eine große Gelegenheit“, sagte Adrian Day Ende 2013 auf einer Konferenz. „Der Zeitpunkt, um einzusteigen, ist jetzt.“ Er geht sogar noch einen Schritt weiter: Goldminen-Aktien seien „fantastische Käufe“.

Auf den Kostenführer setzen

Sicher: Der Goldpreis schwebt als große Unbekannte über dem Engagement bei Barrick Gold. Doch das Unternehmen hat seine Hausaufgaben gemacht. Und als Kostenführer unter den großen Goldproduzenten dürfte die Aktie als erste durchstarten. Die Kapitalerhöhung gibt dem Konzern zudem finanziellen Spielraum.

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