Daimler
- Michael Schröder - Redakteur

China macht (E-) mobil

Die Zahl der Elektroautos soll bis 2020 auf fünf Millionen steigen. Die Regierung unterstützt das Vorhaben durch hohe Subventionen. Springt der Funke auch auf andere Märkte über?

Die Chinesen wollen das Elektroauto. Mit aller Macht. Die stickigen Metropolen sollen endlich entlastet werden. China will sich einen „grünen Anstrich“ verleihen, helfen soll dabei ein gigantisches Förderprogramm für Elektroautos. In Zukunft wird auch Daimler seinen Beitrag dazu leisten, dass Mega-cities wie Peking oder Shanghai vom Smog befreit werden. Mit viel Tamtam wurde vor wenigen Tagen auf der Automesse in Peking nämlich Daimlers neues Elektroauto vorgestellt. Der Stromer ist aus dem Joint-Venture mit dem Batteriehersteller BYD (Build Your Dreams) entstanden und wurde speziell für den Markt in China entwickelt. Das Auto kommt weder unter dem Label von Daimler noch BYD. Für das Elektroauto wurde eigens die Marke Denza ins Leben gerufen. 300 Millionen Euro haben beide Unternehmen in die Entwicklung gesteckt. Basis für den Denza bildete die alte Mercedes-B-Klasse. Ergebnis: fünf Sitze, eher schlichtes, zurückhaltendes Design, dafür aber eine komfortable Reichweite von 300 Kilometern. „Wir sind vorbereitet auf einen Boom von Elektro-Fahrzeugen in China“, sagt Daimler-China-Chef Hubertus Troska. Sportliche Ziele, bei einem stolzen Preis von knapp 43.000 Euro.

BMW
65,92 €
75,00 €
57,00 €
16.05.2014

Megamarkt China

Der Erfolg des Denza hängt natürlich von den Förderprogrammen der chinesischen Regierung für die E-Autos ab. „Wenn die Chinesen etwas machen wollen, dann gehen sie rigoros vor“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut. Soll heißen: China wird im Vergleich zu Deutschland auch nicht lange zögern und Milliarden in den Ring werfen. „Die Zentralregierung gibt umgerechnet 6.700 Euro Unterstützung für die Zulassung von Elektroautos – in Peking kommen nochmals 6.700 Euro lokale Hilfen hinzu“, ergänzt Dudenhöffer. Dadurch würde der Kaufpreis für den Denza auf unter 30.000 Euro sinken. Das soll helfen, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Bis 2020 sollen fünf Millionen Elektroautos in China fahren. Im ersten Quartal 2014 wurden 7.000 Elektroflitzer neu zugelassen, das sind 0,15 Prozent aller verkauften Autos in diesem Zeitraum. Jährlich werden 18 Millionen neue Autos verkauft, Tendenz steigend.

Bislang scheitert die Elektro-Offensive in China noch an der notwendigen Infrastruktur. Es fehlen Ladestationen. Zudem wohnt ein Großteil der Bevölkerung in den Metropolen in gigantischen Hochhäusern. Wie also werden in Zukunft Steckdose und Auto zusammenkommen? Als mögliche Lösung hat Chinas Regierung Pläne für riesige Parkhäuser inklusive Ladesäulen in der Schublade.

Joint-Venture und Technologietransfer

Was für Daimler BYD ist, ist für BMW Brilliance. Beide zusammen bauen den Zinoro, ein Elektroauto auf Basis des X1. Bislang tritt der Zinoro in China aber nur als Mietwagen in Erscheinung. Ein offizieller Verkauf des Autos ist nicht geplant. Warum also der Aufwand? Wer in China produzieren will, muss ein Joint-Venture mit einem lokalen Hersteller eingehen – Technologietransfer inklusive. So die Bedingung der chinesischen Regierung. Das heißt: „Mit Denza und Zinoro machen Daimler und BMW eher eine Art Pflichtübung“, sagt Dudenhöffer. „Der Erfolg für Daimler mit dem Denza wird sicherlich überschaubar sein. Jedoch muss man hier einfach das Gesamtbild sehen“, ergänzt der Auto-Experte.

Für Daimler und BMW ist die Zusammenarbeit mit BYD oder Brilliance wichtig. Anleger sollten von den Elektroflitzern allerdings keine großen Ergebnisbeiträge erwarten. Hier geht es eher darum, die Regierung in China zufriedenzustellen, um für die Zukunft die Chancen in diesem Wachstumsmarkt mit der kompletten Produktpalette nutzen zu können. Hier macht Daimler im Vergleich zu BMW und Volkswagen derzeit die bessere Figur. Vor Kurzem hat Daimler-Chef Dieter Zetsche gute Zahlen für die ersten drei Monate vorgelegt. Zudem wird die Modelloffensive die Aktie weiter antreiben: Vor wenigen Monaten kam der Geländewagen GLA, darauf folgte der Crossover. Dennoch: Der chinesische Markt wird Signalwirkung für viele andere Staaten haben.

Profiteur im Windschatten

Deutschland und die USA könnten ihre Anstrengungen verstärken, endlich Schwung in den Markt für Elektroautos zu bekommen. Subventionen könnten fließen, eine Infrastruktur in Form von Ladestationen wird entstehen, die der US-Autobauer Tesla dann nicht mehr, wie derzeit in den USA oder in Deutschland, in Eigenregie stemmen muss. 2014 will der ehrgeizige Firmenchef Elon Musk mit seiner Mannschaft 35.000 Autos des Model S verkaufen. 2015 kommt das Model X in die Tesla-Stores, eine Mischung aus SUV und Van. 2017 folgt das Model E, ein Mittelklasseauto, zugeschnitten auf Familien zu einem Preis von 35.000 Euro, quasi das Einsteigermodell in die Tesla-Familie. Damit nimmt Elon Musk endgültig den Massenmarkt ins Visier und startet den Frontalangriff auf BMW, Daimler und Co.

Einsteigen, anschnallen

Daimler hat derzeit die Nase knapp vor BMW und Volkswagen. Die Modelloffensive wirkt sich positiv auf die Zahlen aus. Charttechnisch befindet sich die Aktie im intakten Aufwärtstrend. Wer es spekulativer mag, der setzt auf den Elektroautopionier Tesla. Die Aktie ist nach der Korrektur wieder einen Blick wert.

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