Bertrandt
- Norbert Sesselmann - Redakteur

Bester Autozulieferer

Alle großen Automobilhersteller setzen auf die schlauen Köpfe von Bertrandt. Die substanzstarke Aktie hat viel Potenzial.

Das war kein Fieber mehr, das war Fieberwahn. Der Aktienkurs einer winzigen Medienfirma namens EM.TV stieg um das Hundertfache. Unternehmen wie Intershop, Metabox und Gigabell waren an der Börse plötzlich mehr wert als der Automobilbauer Daimler. Millionen Anleger träumten vom Millionärsleben - am Ende wurden Mil­liar­den verbrannt. Die Rede ist vom Neuen Markt.

Bertrandt
63,25 €
85,00 €
50,00 €
29.10.2012

Der Beständige

Der Anfang war eigentlich ganz beschaulich. Nur zwei Unternehmen standen am ersten Handelstag (10. März 1997) auf dem Kurszettel. Nummer 1 war Mobilcom, Nummer 2 der Automobilzulieferer Bertrandt (WKN 523 280). Über zwei Drittel der Neuer-Markt-Unternehmen sind heute in der Versenkung verschwunden. Bertrandt ist noch da - und wie. Mit einem Kursanstieg von über 15 Prozent in den letzten vier Wochen ist die Aktie auf ein neues Allzeithoch geklettert. Auslöser für diese starke Kursentwicklung waren wieder einmal starke Quartalszahlen. So kletterten Umsatz und Nettogewinn im dritten Geschäftsquartal um etwa ein Viertel auf 518 Millionen Euro beziehungsweise 37 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wird ein Rekordumsatz von 708 Millionen Euro erwartet, ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das EBIT soll um 24 Prozent auf fast 75 Millionen Euro steigen. Zum Vergleich: In den Neuer-Markt-Zeiten vor rund 15 Jahren betrug der Umsatz lediglich 60 Millionen Euro.

Kein „normaler" Autozulieferer

Die eindrucksvolle Geschäftsentwicklung unterstreicht die Sonderstellung des Unternehmens. Bertrandt hat streng genommen gar nichts mit einem Teilelieferant für die Automobilindustrie zu tun. Mit rund 4.000 Ingenieuren sind die Schwaben der mit Abstand größte Entwicklungsdienstleister Europas. Für die großen Automobilkonzerne wie beispielsweise VW, Porsche, Daimler und Ford wird alles Mögliche entwickelt: Komponenten für Karosserie, Motor und Fahrwerk. Dabei kann Bertrandt als einziger Konzern die komplette Wertschöpfungskette der Automobilentwicklung anbieten. Zuletzt profitierte Bertrandt vor allem von der Modelloffensive der Premium-Hersteller, deren Luxuskarossen sich trotz Katerstimmung in Europa in der Welt gut verkauft hatten.

Her mit den Ingenieuren

Und die Geschäfte werden in den nächsten Jahren auf Hochtouren laufen. 2013 werden zweistellige Wachstumsraten erwartet, auch wenn sich die Autokonjunktur etwas abschwächt. Denn eines werden die Automobilhersteller nicht machen: Die Budgets im Bereich Forschung und Entwicklung kürzen. „Wer jetzt die Entwicklung einstellt, kegelt sich aus dem Markt, der hat dann in vier oder fünf Jahren den Anschluss verpasst. Das wissen alle", so der Automobilwirtschaftler Willie Dietz in einem Interview im Spiegel. Wie sehr das Geschäft brummt, zeigt sich auch bei den Mitarbeitern wieder. Die Schwaben stellen derzeit massiv ein: Die Zahl der Beschäftigten hat sich in den letzten fünf Jahren auf 9.500 verdoppelt. Und damit ist längst nicht Schluss. Aktuell sind mehr als 1.000 Stellen auf der Bertrandt-Internetseite ausgeschrieben.

Viel zu günstig

Nicht nur die Perspektiven stimmen bei Bertrandt, auch die Bilanz gibt ein sauberes Bild ab: Der Konzern ist schuldenfrei und die Eigenkapitalquote liegt bei über 50 Prozent. Beim Gewinn je Aktie kann im laufenden Geschäftsjahr mit einem Wert von 5,30 Euro gerechnet werden. Beim aktuellen Kurs von knapp 63 Euro würde das einem Kurs-Ge­winn­-Verhältnis von 11,8 ent­sprechen. Eine solche Bewertung ist an­gesichts der hohen Wachstumsraten und des relativ robusten Geschäftsmodells viel zu günstig.

Attraktive Rendite

Christan Ludwig hat daher sein Kursziel auf 82 Euro erhöht. Die Dividende könnte nach Ansicht des Bankhaus-Lampe-Experten im nächsten Jahr von 2,10 auf 2,50 Euro klettern. Damit würde sich die Rendite von 3,3 auf attraktive 4,0 Prozent erhöhen.

Sei schlau, kauf Bertrandt

Die Autoindustrie verlangt nach neuen, technisch immer raffinierteren Modellen. Bertrandt wird als Ingenieurdienstleister von diesem langfristigen Trend profitieren. Die Aktie ist günstig und bietet eine großzügige Dividende.

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