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- DER AKTIONÄR

Bayer: Ohne Nebenwirkungen

Klotzen, nicht kleckern lautet das Motto in der Pharmabranche, wenn es um Zukäufe geht. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein weiterer Multimilliarden-Dollar-Deal eingefädelt wird. Rund 46 Milliarden Dollar lässt sich etwa der kanadische Pharmariese Valeant den Zukauf des Botox-Herstellers Allergan kosten. Novartis legte für die Krebssparte von Glaxo SmithKline schlappe 14,5 Milliarden Dollar auf den Tisch und Pfizer feilt an einem Rekorddeal: Der US-Pharmariese bietet 106 Milliarden Dollar für den britischen Wettbewerber AstraZeneca. Obwohl Pfizer die ursprüngliche Offerte von 100 Milliarden Dollar aufgestockt hat, lehnten die Briten das Angebot als unzureichend ab.

Neue Fusions- und Übernahmewelle

Bayer
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26.05.2014

Analyst Thorsten Strauß von der NordLB ist überzeugt, dass in der Pharmabranche jetzt „eine neue Phase von Fusionen und Übernahmen bevorsteht“. Die großen Pharmafirmen kämpfen mit auslaufenden Patenten für ihre Blockbuster-Produkte und fehlendem Nachschub aus den eigenen Produktpipelines. Logische Konsequenz: Sie kaufen sich Umsatz zu. Nach Einschätzung des Aktionär könnte in diesem Umfeld ein Schwergewicht wie der DAX-Konzern Bayer ins Visier eines kapitalstarken Jägers geraten.

Neue hochmargige Pharmaprodukte

Vor allem die fünf neuen Pharmaprodukte von Bayer dürften Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz wecken. Bayers Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Deckers bekräftigte zudem jüngst die Anhebung des jährlichen Spitzenumsatzpotenzials dieser fünf aussichtsreichen Präparate.

Die Medikamente sollen in naher Zukunft nicht mehr 5,5, sondern 7,5 Milliarden Euro erlösen. Im laufenden Jahr plant das Management für Xarelto, Eylea, Adempas, Stivarga und Xofigo bereits einen Gesamtumsatz von gut 2,8 Milliarden Euro. Bayer will den Umsatz im Pharmageschäft bei einer hohen Marge von mindestens 33 Prozent bis 2016 pro Jahr um durchschnittlich acht Prozent steigern.

Adempas und Xarelto mit Potenzial

Interessant erscheint etwa das Lungenhochdruckmittel Adempas. Mit Merck & Co. besteht hier eine strategische Kooperation im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, welche diesen Wirkstoff einschließt. Im Rahmen der vereinbarten Zusammenarbeit wird der US-Konzern Zahlungen von bis zu 2,1 Milliarden Dollar an Bayer leisten.

Das Präparat Xarelto wird zur Behandlung von Schlaganfällen und Thrombosen eingesetzt. Sehr gute Ergebnisse im Rahmen eines abgeschlossenen Phase-III-Studienprogramms ergaben, dass Xarelto h0chwirksam ist und das Risiko (unter anderem durch Tod) nahezu halbiert. Aussichtsreich ist zudem das Augenmedikament Eylea.

Krebsmittel Xofigo

Gr0ße Erwartungen hat Bayer zudem für seine beiden Krebsmedikamente Stivarga und Xofigo. Im laufenden Jahr gelang Bayer ein strategisch wichtiger Coup. So schlug der Vorstandsvorsitzende Deckers bei Algeta zu und übernahm den norwegischen Krebsspezialisten für 2,1 Milliarden Euro. Bayer gelangte dadurch in den Besitz von Algetas Pros-

tatakrebsmittel Xofigo.

Prostatakrebs ist in Deutschland unter Männern die häufigste Krebserkrankung. Pro Jahr werden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bundesweit über 63.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. In der Liste der zum Tode führenden Krebserkrankungen steht Prostatakrebs an dritter Stelle. Xofigo gibt radioaktive Alphastrahlung ab und wirkt so gezielt gegen Krebszellen in den Knochen bei Patienten mit Prostatakrebs. Das Präparat könnte Spitzenumsätze von über eine Milliarde Euro pro Jahr erreichen.

Verkauf der Kunststoffsparte?

Dass die Bayer-Führung mit Druck einen Verkauf des zuletzt schwächelnden Kunststoffgeschäfts prüft, könnte den Konzern in den Augen eines möglichen Käufers zusätzlich attraktiv erscheinen lassen. Für die Sparte soll es Gerüchten zufolge bereits mehrere Interessenten geben. Der Punkt: Gelingt die Veräußerung dieses Segments, würde bei Bayer die starke Fokusierung auf das Pharmageschäft deutlicher hervortreten. Dies würde dazu führen, dass eine Übernahme wahrscheinlicher wird.

Deal mit rezeptfreien Medikamenten

Bayer verstärkte sich erst vor wenigen Tagen durch den Zukauf des Comsumer-Care-Geschäfts des US-Pharmakonzerns Merck & Co. Der Health-Care-Konzern legte für dieses lukrative Segment 14,2 Milliarden Dollar auf den Tisch. Damit steigt Bayer zum weltweit zweitgrößten Anbieter von rezeptfreien Arzneimitteln auf. Das Management ist dem angestrebten Ziel der Weltmarktführerschaft dank dieser Transaktion einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln gilt in der Branche aufgrund der hohen Margen und stabilen Cash-Flows als hochlukrativ.

Pflanzenschutzsparte mit Wachstum

Damit nicht genug: Erst kürzlich prognostizierte die Bayer-Führung auf der Investorenkonferenz „Meet Management“ in Leverkusen für die Pflanzenschutzsparte ein außergewöhnlich hohes Wachstum. So sollen neue Produkte aus dem Bereich Pflanzenschutz, die seit 2006 auf dem Markt sind, im Jahr 2016 auf einen Umsatz von etwa 2,6 Milliarden Euro kommen. Zum Vergleich: In 2013 erzielte diese Produktgruppe noch Erlöse von 1,5 Milliarden Euro.

Rekordergebnis

Auch sonst läuft es bei den Leverkusenern rund: Das Management verkündete Ende April die Zahlen für das Geschäftsjahr 2013. Überaus erfreulich: Mit einem Umsatz von 40,2 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis in Höhe von 4,9 Milliarden Euro erreichte der Life-Science-Spezialist das beste Ergebnis in seiner 150-jährigen Firmengeschichte.

Der Start ins neue Jahr war allerdings noch überzeugender. So gelang dem Unternehmen im ersten Quartal 2014 ein Umsatzplus von 2,8 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn stieg um 22,7 Prozent auf 1,42 Milliarden Euro. Damit fielen die Zahlen deutlich besser aus als erwartet.

Übernahmefantasie und Top-Chart

Für einen finanzstarken Aufkäufer wäre der Zukauf von Bayer wohl zu schultern. Die Pharmasparte wird nur mit gut 50 Prozent der Bewertung der Konkurrentenpipelines bezahlt. Gegenspieler wie Sanofi, Merck, Roche und Novartis weisen zudem eine deutlich höhere Marktkapitalisierung auf. Spannend ist zudem die aktuelle charttechnische Verfassung, da Bayer nur kurz davor steht, nachhaltig das Allzeithoch bei 104,35 Euro zu überwinden. Anleger sollten mit dem Einstieg nicht allzu lange warten.

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| Werner Sperber | 0 Kommentare

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