Curasan
- Michael Schröder - Redakteur

Außergerichtliche Einigung nicht wahrscheinlich

Curasan steht vor einer Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der Spezialist für Regenerative Medizin stellt für 2015 erstmals nach 2010 wieder ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht. Sollte das Gerichtsverfahren gegen Stryker S.A. noch im laufenden Jahr entscheiden werden, steht bereits 2014 ein deutlicher Gewinnsprung ins Haus. Entgegen einer zwischenzeitlichen Ankündigung bleibt CEO Hans Dieter Rössler nun doch bis zum ursprünglich vorgesehenen Vertragsende am 31.12.2014 im Amt.

DER AKTIONÄR sprach mit Vorstandschef Rössler über seine Ziele für 2014, die Suche nach einem Nachfolger und die Aussichten auf eine außergerichtliche Einigung mit Stryker.

Curasan
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07.05.2014

Herr Rössler, am 9. April hatte Curasan gemeldet, dass Sie aus gesundheitlichen Gründen mit Ablauf des 30. April aus dem Amt ausscheiden werden. Nun werden Sie Ihren Vertrag voraussichtlich allerdings doch bis zum vorgesehenen Vertragsende, dem 31.12.2014, erfüllen. Erlauben Sie uns zunächst eine persönliche Frage: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Hans Dieter Rössler:
Mir geht es gut, sodass ich meine Aufgaben engagiert erfüllen kann. Auf Anraten der Ärzte und auf Wunsch meiner Familie wollte ich nur noch auf beratender und zeitlich reduzierter Basis tätig sein. Diverse organisatorische Aspekte gestalteten dieses Vorhaben jedoch schwieriger als zunächst angenommen, so dass wir uns die ursprünglich festgesetzte Zeit bis Ende des Jahres nun doch nehmen.

Ist Ihre Nachfolge bereits geregelt? Favorisieren Sie mit Dr. Erwin Amashaufer eine interne Lösung?

In den letzten Jahren war ich alleiniger Vorstand und Herr Dr. Amashaufer mein Vertreter. Insofern macht seine Berufung sehr viel Sinn. Auf Sicht ist daran gedacht, einen zweiten Vorstand von extern zu holen, der seinen Fokus auf das operative Geschäft legen wird.

In einem früheren Interview hatten Sie eine Suche nach externen Kandidaten als Nachfolger angekündigt, der Sie bereits 2014 unterstützen sollte. Warum war die Suche bisher nicht erfolgreich?

Wir haben eine Unternehmerpersönlichkeit mit einer nennenswerten Beteiligung am Kapital der Gesellschaft gesucht und aus mehreren geeigneten Kandidaten ausgewählt. Leider mussten wir die Verhandlungen abbrechen, als sich herausstellte, dass die vereinbarte Investition vorerst nicht erfolgen würde.

Kommen wir auf die neuesten Produkte zu sprechen: Curasan hat die europäische Zulassung für CERACELL Paste erhalten. Welche Bedeutung hat dieses Produkt für Curasan?

Ceracell und Cerasorb gibt es jetzt als Paste aus der Spritze. Beide Produkte ähneln sich und sind insbesondere für einfacheres Handling bei minimalinvasiven Eingriffen entwickelt worden. Durch diese beiden Produkte sind wir bei der Auslizenzierung der Vertriebsrechte flexibler.

Zudem ist vor wenigen Tagen der Startschuss für CERASORB FOAM, eine neue Produktvariante im Dentalmarkt gefallen. Wo liegen die Unterschiede zur bereits eingeführten CERASORB Granulaten? Welche zusätzlichen Umsatz- und Ergebnisbeiträge erwarten Sie hier mittelfristig?

Cerasorb Foam optimiert durch den Kollagenanteil die Knochenregeneration und bietet im Vergleich zu Granulaten Handlingsvorteile, da es sich beliebig formen lässt und als Träger für Knochenmark oder Stammzellen geeignet ist. In Europa sehen wir alleine im Dentalmarkt ein Potential von drei bis fünf Millionen Euro, das wir jetzt anfangen, über unsere Vertriebspartner zu erschließen.

Die Ergebnisprognose des Konzerns sieht für das Geschäftsjahr 2014 bei prognostizierten Umsatzerlösen von 6,5 bis 7,5 Millionen Euro eine Ergebnisverbesserung auf -1,0 bis -1,5 Millionen Euro vor. Welche Rolle spielt das internationale Geschäft in Ihren Planungen?

Während 2012 das Inlandsgeschäft noch mehr als die Hälfte vom Umsatz beisteuerte, dominierte bereits in 2013 das Exportgeschäft. Diese Entwicklung werden wir stabilisieren und ausbauen. Mittelfristig streben wir in den USA Umsätze wie in Deutschland an, längerfristig werden die USA unser umsatzstärkster Markt sein.

Sie gehen davon aus, in 2015 erstmals nach 2010 wieder ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis erzielen zu können. Sind Sie bis zum Erreichen des Break-even durchfinanziert?

Wir haben konsequent und erfolgreich Kostenmanagement betrieben. Auf der Basis der gesteckten Umsatzziele sind wir durchfinanziert.

Sofern sich das Gerichtsverfahren gegen Stryker S.A. im laufenden Jahr entscheiden sollte, rechnen Sie mit einer deutlichen Ergebnisverbesserung. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass es eine außergerichtliche Einigung mit Stryker geben wird? Sind Sie kompromissbereit oder spekulieren Sie auf ein positives Urteil zu Ihren Gunsten?

Auf ein positives Urteil müssen wir nicht spekulieren, da die Entscheidung auf Schadensersatz dem Grunde nach bereits rechtskräftig ist. Vor diesem Hintergrund sind wir zwar kompromissbereit, aber in engeren Grenzen als von Stryker erwartet wird. Von daher ist die Wahrscheinlichkeit einer außergerichtlichen Einigung eher gering.

Welche Ziele haben Sie sich für die letzten acht Monate Ihrer Amtszeit gesetzt?

Ich werde das Unternehmen so in Position bringen, dass 2015 ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden kann. Im Bedarfsfalle stehe ich nach meinem Ausscheiden beratend zur Verfügung.

Die Curasan-Aktie bewegt sich seit Monaten in einem stetigen Abwärtstrend. Was wollen Sie unternehmen, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen?

Ich möchte nicht von einer Vertrauenskrise sprechen, weil dafür keine operativen Gründe stehen. Vielmehr hat Warburg Research vor wenigen Tagen eine Analyse mit Kaufempfehlung und Kursziel 3,00 Euro herausgegeben. In den ersten vier Monaten 2014 sind bereits mehr unserer Aktien gehandelt worden als früher jeweils im ganzen Jahr. Trotzdem hat es auf der Käuferseite bislang keine Meldungen zum Erreichen einer Schwelle gegeben. Anscheinend ist jemand am Aufbau einer Position zu günstigen Einstiegskonditionen interessiert.

Herr Rössler, vielen Dank für das Gespräch!

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