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- DER AKTIONÄR

Beteiligungsperle Aurelius voll auf Kurs: Weitere Übernahmen sorgen für Fantasie

Aurelius fährt aktuell ein rasantes Expansionstempo. Mit der Übernahme der AKAD University hat die Münchner Mittelstandsholding nach dem Erwerb des Schweizer Werbevermarkters Publicitas und der T-Systems-Tochter IDS bereits den dritten Deal im laufenden Monat gemeldet. Die AKAD University ist in Deutschland die Nummer 2 im Markt für private Fernhochschulen und erwirtschaftete zuletzt rund 16,5 Millionen Euro Umsatz mit rund 9.000 Studenten.

DER AKTIONÄR sprach mit Aurelius-Vorstand Dr. Dirk Markus über seine Pläne im Bildungssektor, die weitere Expansionsstrategie und die finanziellen Möglichkeiten der Münchner.

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29.04.2014

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Markus, Aurelius baut sein Engagement im Bildungssektor mit dem Erwerb der AKAD University aus. Was reizt Sie an diesem Markt, dem privaten Bildungssektor?

Dr. Dirk Markus:
Durch unsere Tochter „Studienkreis“ sind wir im Bereich der privaten Aus- und Weiterbildung ja schon erfolgreich tätig. AKAD ist eine schöne Abrundung dieses Engagements. Die veränderten Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt verlangen eine permanente Weiterbildung. Die zehn wichtigsten privaten Fernhochschulen in Deutschland verzeichneten in den letzten Jahren Wachstumsraten von durchschnittlich zwölf Prozent pro Jahr und erwirtschafteten dabei deutlich zweistellige EBITDA-Margen. AKAD hat an dieser erfreulichen Marktentwicklung bisher zu wenig teil gehabt, das wollen wir ändern. Neue Phänomene wie Offene Massen-Online-Kurse – durch die beispielsweise Harvard oder MIT Vorlesungen von Tausenden Studenten weltweit online gehört und gesehen werden – zeigen, welche Dynamik und Potential in diesem Markt steckt.  

Wie ist AKAD im privaten Bildungssektor aktuell positioniert und welche Pläne verfolgen Sie?

Neben dem Trend der permanenten beruflichen Weiterbildung spielt E-Learning im Bildungsmarkt eine immer größere Rolle. Erfolgreiche Geschäftsmodelle werden durch gute E-Learning-Angebote deutlich Marktanteile gewinnen. AKAD ist in diesem Bereich als Nummer 2 im Markt für private Fernhochschulen sehr gut positioniert und wird bei dieser Entwicklung führend sein. Studienkreis ist unter Aurelius in den Online-Nachhilfe Markt eingestiegen und verzeichnet dort sehr starke Zuwächse. Die dort gemachten Erfahrungen mit der Onlinevermittlung von Lerninhalten lassen sich gut für die Weiterentwicklung des Produktangebotes der AKAD nutzen.

Welche Rolle spielt der Bereich B2B in Ihren Plänen?

Die Zusammenarbeit mit Industrie und Unternehmen ist in der berufsbegleitenden Hochschulbildung ein absolutes Muss. Je besser das Lehrangebot auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnitten ist, desto größer wird die Unterstützung durch Unternehmen sein. Wir werden das Profil der AKAD deutlich schärfen und das Online-Angebot verbessern.

Wie sieht die operative Situation aktuell aus und mit welchen weiteren Maßnahmen wollen Sie AKAD wieder in die Erfolgsspur zurückbringen?

Die AKAD ist derzeit noch defizitär, Grund hierfür sind Versäumnisse der Vergangenheit Dieser Situation will AKAD mit einer zweistufigen Restrukturierungsstrategie begegnen. Stufe 1 ist bereits weitgehend abgeschlossen und beinhaltete vor allem die Bündelung des Präsenzunterrichts am Standort Stuttgart. Die laufenden Kosten konnten dadurch deutlich reduziert werden. In Stufe 2 wollen wir die Abläufe weiter optimieren und uns durch noch attraktivere Angebote für die Studierenden beim Umsatz weiter verbessern.

Wann erwarten Sie bei AKAD die Rückkehr in die Gewinnzone und welche Margen halten Sie mittelfristig für realistisch?

Mittelfristiges Ziel ist eine zweistellige EBITDA-Marge. Dass dieses Ziel realistisch ist, zeigen andere Anbieter in diesem Markt. AKAD wird sicher bald wieder schwarze Zahlen schreiben. Die schon in Umsetzung befindliche Reduktion von vier auf einen Standort für den Präsenzunterricht bedeutet eine deutliche Kostenreduktion. Kombiniert mit steigenden Studentenzahlen durch den Ausbau der Branchenkompetenz können wir die Nummer 1 unter den privaten Fernhochschulen werden.

 Sie sind ja dafür bekannt, dass Sie sich hohe Chancen einkaufen bei geringen Risiken. Welches Risiko ist mit diesem Deal für Aurelius verbunden?

Unternehmerisches Handeln ist immer mit Risiko verbunden, aber wir haben in den letzten Jahren ja erfolgreich gezeigt, dass wir diese Risiken eng begrenzen können. Bei der Übernahme der AKAD handelt es sich um einen klassischen Aurelius-Deal. Die AKAD macht einen Umsatz von rund 16 Millionen Euro, im Verhältnis zum Gesamtumsatz des Aurelius-Konzerns in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro eine sehr kleine, aber feine Investition. Der Kaufpreis war dementsprechend. Der Markt zeigt einen sehr positiven Trend und die Marke „AKAD“ ist nach wie vor hervorragend.

Wann erwarten Sie den Break-even mit AKAD?

Durch die bereits eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen zusammen mit weiteren, schon identifizierten Kosteneinsparungspotentialen werden wir den Break-even des Geschäftes mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Zeitraumes von ungefähr 18 Monaten erreichen. Da die Restrukturierungsaufwendungen durch die Reserven an liquiden Mittel der Gesellschaft weitestgehend abgesichert sind, haben wir für diese Phase der Konsolidierung ausreichende Planungssicherheit. Ähnlich wie bei unserer Beteiligung Studienkreis sind wir sehr sicher, dass eine Herauslösung aus einer Bildungskonzernstruktur viel kreative, unternehmerische Energie freisetzen kann, die wir bestmöglich unterstützen wollen.  

Aurelius fährt aktuell ein rasantes Expansionstempo. Nach dem Schweizer Werbevermarkter Publicitas und der T-Systems-Tochter IDS ist AKAD bereits der dritte Deal innerhalb weniger Tage. Haben Sie überhaupt genügend Managementkapazitäten in der Aurelius Gruppe, um neben der Betreuung des bisherigen Portfolios die erfolgreiche Integration der neuen Gesellschaften zu gewährleisten?

Langweilig ist uns nicht. Aber wir haben nach über 40 größtenteils erfolgreichen Transaktionen viel Erfahrung darin, auch mehrere Zukäufe auf Konzernebene gleichzeitig und effizient in den AURELIUS Konzern zu integrieren und dann zu restrukturieren. Und das ist auch gut so, denn es ermöglicht es uns, Chancen dann zu nutzen, wenn sie sich bieten.

Wie ist es nach den drei aktuellen Übernahmen um die Finanzen von Aurelius bestellt? Welches Kapital steht Ihnen noch für weitere Akquisitionen zur Verfügung?

Aurelius verfügt auch nach den drei jüngsten Transaktionen weiterhin über einen hohen Cash-Bestand. Wir verfügen über fast 150 Millionen Euro an freien Mitteln, die wir für lukrative Übernahmen aufwenden können, und unsere Konzernunternehmen haben zusätzlich einen Betrag in gleicher Dimension für das operative Geschäft zur Verfügung. Dazu kommen Mittel, die im operativen Geschäft laufend verdient werden und weitere Veräußerungserlös aus Beteiligungsverkäufen.

Dann benötigen Sie auch keine Kapitalmaßnahme zur weiteren Expansionsfinanzierung?

So ist es, Kapitalmaßnahmen sind nicht geplant.

Apropos Exits: Wie sieht Ihre Transaktionspipeline auf der Verkaufsseite aus? Stehen nach dem erfolgreichen Verkauf der Healthcare-Sparte von brightONE in den kommenden Monaten weitere Exits an?

Der Verkauf der Healthcare-Sparte von brightONE war für uns in der Tat ein sehr erfreulicher Deal. Nach nur sechs Monaten Zugehörigkeit zum AURELIUS Konzern konnten wir diesen Bereich mit einem Vielfachen der Investitionssumme weiterveräußern. Der Deal war dabei sowohl für unsere Aktionäre als auch für das Unternehmen und seine Mitarbeiter die beste Option. Mit weiteren Verkäufen noch in diesem Jahr dürfen Sie rechnen, wir sind mit mehreren Interessenten in intensivem Austausch.

Herr Dr. Markus, vielen Dank für das Gespräch!

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| Markus Horntrich | 0 Kommentare

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