Cancom
- Jochen Kauper - Redakteur

Auf Wolke Sieben

Diese Aktie wird in den kommenden Wochen durchstarten.

Klaus Weinmann schon immer von der Technikwelt fasziniert. Den ersten Computer gab's im zarten Alter von acht Jahren. Damals beherrschte noch der C64 von Commodore die Schreibtische. In der Schule besuchte Weinmann natürlich den Informatikkurs. Als er sich  während seines Studiums dann etwas dazu verdienen wollte, gründete Weinmann die Firma Cancom (WKN 541 910). Computer wurden in den USA gekauft und hierzulande an Firmen weiter verkauft. Auf Kundenfang ging man über die „Gelben Seiten" oder sogar via Fax. Wenn Weinmann heute an die neunziger Jahre zurück denkt, kann er sich ein schmunzeln nicht verkneifen. „Diese Art von Werbung oder Verkauf wäre heute gar nicht mehr möglich", so der Vorstand von Cancom.

Cancom
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19.11.2012

Starke Basis

Innerhalb der letzten Jahre ist daraus ist ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern entstanden. Der Umsatz ist auf rund 500 Millionen Euro gewachsen. Und Klaus Weinmann ist noch längst nicht am Ziel, er sprudelt nur so vor lauter neuen Ideen. In den letzten zwanzig Jahren ist die Firma zum drittgrößten Systemhaus Deutschlands aufgestiegen. Das heißt, Cancom verdient sein Geld mit dem Verkauf von Hard- und Software-Produkten von Firmen wie Hewlett Packard, Apple, oder IBM. Dabei hat sich die Mannschaft von Klaus Weinmann auch nie an einen größeren Hersteller gebunden. „Als eines der drei größten unabhängigen Systemhäuser Deutschlands kann Cancom durch die Breite seines Produkt- und Serviceangebots flexibel auf die Kundennachfrage und Markttrends reagieren. Vielen der meist deutlich kleineren Wettbewerber gelingt dies nicht, deren Kapazitäten und finanzielle Möglichkeiten reichen dafür häufig nicht aus", so Analyst Andreas Wolf von Warburg Research.

Gute Zahlen

Dass Cancom einmal mehr gut im Rennen liegt, hat Weinmann mit seiner Mannschaft in den ersten neuen Monaten demonstriert. Der Umsatz stieg um 5,1 Prozent auf 406,8 Millionen Euro. Das EBIT kletterte um 22,6 Prozent auf 15,2 Millionen Euro. „Auch wenn die Dynamik im zweiten Quartal nachgelassen hat, so sind wir zweifellos gut aufgestellt um Umsatz und Gewinn im Jahr 2012 erneut zu steigern". Sicher, auch vor Cancom macht die derzeit wirtschaftliche Entwicklung mit mickrigen Zuwachsraten durch die Euro-Krise nicht halt - dennoch: „Wir sind zufrieden wie es läuft. Auch wir hängen natürlich im Konjunkturzyklus. Rund 10 Prozent pro Jahr entwickeln wir uns besser als der Markt. Die großen Hardwarehersteller müssen derzeit sogar Rückgänge verkraften. Dadurch, dass wir organisches Wachstum haben, schneiden wir einfach besser ab als der Gesamtmarkt", so Weinmann weiter. Auch Analyst Wolf zeigt sich zufrieden. „Das Wachstum zeigt in erster Linie, dass Cancom gut aufgestellt ist, sich deshalb in einem schwierigen Marktumfeld gut behaupten kann und daher Marktanteile gewinnt. Es zeigt aber auch, dass Cancoms Kundenbasis, zu der insbesondere der deutsche Mittelstand zählt, seine IT-Investitionen unternehmerisch nach langfristigen Gesichtspunkten ausrichtet und sich nicht von kurzfristigen Unsicherheiten beeinflussen lässt", so der Experte.  

Große Themen im Fokus

Zudem geht Cancom mit der Zeit. Weinmann und seine Mannschaft ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Mittlerweile hat sich die Firma von einem Systemhaus mit reinem Hard- und Softwareangebot zu einem IT-Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Cancom verdient also auch mit dem Design von IT-Architekturen und sogenannte IT-Landschaften ihr Geld. Was sich kompliziert anhört, kann man relativ einfach erklären. Wie ein Häuslebauer einen Architekten braucht, so benötigen Firmen IT-Häuser wie Cancom, um die technische Infrastruktur innerhalb der Firma aufzubauen. Cancom übernimmt dann dafür die Planung. Größtenteils werden die Sachen dann komplett von Cancom betreut. Neudeutsch spricht man dann von „Outsourcing". „Das schöne daran ist, dass solche Kundenbeziehungen in der Regel von langer Dauer sind. Grundsätzlich zählen insbesondere selbständige, Mittelständler, Großunternehmen oder sogar Einrichtungen der öffentlichen Hand zum Kundenstamm", erklärt Weinmann.

Wachstumsmarkt Cloud Computing

Sehr viel verspricht sich Weinmann vom Thema Cloud Computing. Experten verwenden hierfür die kompliziertesten Definitionen. Weinmann dagegen bringt es einfach auf den Punkt: „Cloud ist eine Lösung die irgendwo im Internet läuft, die man praktisch nicht mehr selber auf dem Rechner hat. In dem Moment in dem man zum Beispiel ein iPhone verwendet, greift man nahezu nur noch auf Cloud Lösungen zurück. Sei es Aktienkurse aus der Finanzwelt oder Musik". Die Zahl der Unternehmen, die mit dem Einsatz von Cloud Computing ihre bestehenden Geschäftsstrukturen neu gestalten und umstrukturieren wollen, wird sich in den kommenden drei Jahren von 16 auf 35 Prozent mehr als verdoppeln. Dies ergab eine Studie von IBM und der Economist Intelligence Unit, für die über 500 Führungskräfte befragt wurden. „Cancom hat schon sehr früh Akzente im Bereich Cloud Computing gesetzt. Der Markt weist Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent auf", ergänzt Analyst Wolf.

Ab in die App

Ein großes Plus von Cancom ist die Weitsicht, mit der man seine Zukäufe tätigt. Während viele Firmen genau dann Geld für Akquisitionen ausgeben wenn die Konjunktur fast heiss läuft, macht Stratege Weinmann nahezu genau das Gegenteil. Er kauft nämlich genau dasnn , wenn das Wirtschaftswachstum am Boden liegt. Weinmann läuft also nicht Gefahr, Mondpreise zu bezahlen. Nicht nur deshalb hat sich der Konzern in den letzten Jahren so hervorragend entwickelt. Zuletzt geschehen im Juni 2012. Zu dem Zeitpunkt schlug Weinmann erneut zu. Und zwar bei der Glanzkinder GmbH. Experten zu Folge einem der besten und aussichtsreichsten  deutschen Entwickler von mobilen Apps. Zwar muss hier vorerst kräftig in die Weiterentwicklung der Firma investiert werden, dennoch: Der 49-prozentige Zukauf wird Cancom einen weiteren Schritt nach vorne bringen.

Auf geht's in die Cloud

Cancom-Vorstand Weinmann hat das ehrgeizige Ziel ausgerufen, den Umsatz in den nächsten Jahren auf rund eine Milliarde zu steigern. Mit Hilfe weitere gezielter Übernahmen sowie dem Fokus auf das wachstummstarke Cloud Computing wird Weinmann seine Visionen erreichen. Ab in die Cloud. Kaufen.

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