RIB Software
- Thomas Bergmann - Redakteur

Auf den Spuren von SAP

Dieses Unternehmenwill bei der Digitalisierung im Bauwesen Maßstäbe setzen und eine führende Rolle spielen.

Die Aktie der RIB Software (WKN A0Z 2XN) notiert am Montagmorgen deutlich über dem Freitagsschluss. Der Grund: Die Schwaben haben mit der Pekinger Yonyou Software, Chinas führendem ERP-Lösungsanbieter, eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, um die eigene BIM-Technologie für Design und Bauausführung im chinesischen Markt einzuführen.

RIB Software
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24.06.2013

Hohe Ziele

Thomas Wolf, ehemals Chef des Pleiteunternehmens Mühl Produkt & Service und jetzt Vorstand der RIB Software, hat wieder mal ganz große Ziele. Mit RIB will er den Markt für Bausoftware auf links drehen und einen Weltstandard setzen. Dieses Mal könnte Wolf positiv überraschen. Für Anleger bahnt sich hier eine lukrative Sache an.

Die Hoffnungen ruhen auf RIB iTWO, einer Software, die 3D-Geometrie mit Zeit- und Kostenaspekten kombiniert und auf diese Weise den gesamten Bauprozess abbildet. „Überall auf der Welt erlassen die Regierungen Gesetze, dass Firmen, die öffentliche Bauaufträge annehmen wollen, zunächst virtuell bauen müssen, ehe es zu einer Auftragserteilung kommt", erklärt Wolf. "Die chinesische Regierung hat Regularien erlassen, nach denen Großprojekte bis 2015 nach BIM-Technologie zu entwickeln sind." Mit der Software können Fehler rechtzeitig erkannt und Doppelarbeiten vermieden werden. Das spart Geld. Fachleute schätzen das Einsparpotenzial auf bis zu 30 Prozent der Prozesskosten, was einem Quantensprung gleichkommt.

Vorstand unter Druck

RIB iTWO hat nach den Worten von Wolf großes Potenzial. Der Durchbruch soll am 20. November dieses Jahres gelingen, wenn die Gesellschaft in Hongkong eine Konferenz mit ihren weltweit größten Kunden abhält. "Unsere Topkunden sollen demonstrieren, wie sie mit unserer Software beim Bauen extreme Vorteile erzielen konnten", sehnt der RIB-Chef diesen Tag herbei. "Außerdem wollen wir dort Abschlüsse bekannt geben."

Wolf muss liefern. Das weiß der Manager auch: "Wir liegen jetzt ein Jahr hinter unserer Zeitplanung hinterher. Die Aktionäre sind auch nicht so zufrieden mit dem Kursverlauf. Wir müssen unsere Technologie jetzt unter Beweis stellen". Im letzten Jahr konnte Wolf seine Prognose nicht einhalten und die geplanten sechs Phase-II-Aufträge (im Volumen zwischen 500.000 und einer halben Million Euro) an Land ziehen. Am Ende waren es nur fünf gewesen. Für 2013 hat Wolf neun dieser Aufträge in Aussicht gestellt.

Möglicherweise kommt auch noch ein Phase-III-Deal dazu, also ein Auftrag im Wert zwischen 5 und 50 Millionen Dollar. Die Gesellschaft verhandelt derzeit mit einem ausländischen Baukonzern, der die Software konzernweit bei 10.000 Ingenieuren einsetzen möchte. Bei Lizenzkosten je Arbeitsplatz zwischen 5.000 und 10.000 Dollar lässt sich das Volumen leicht abschätzen. "Und diese Großaufträge gehen voll ins Ergebnis".

Jährlich 30 Prozent Wachstum bis 2020

Für das laufende Geschäftsjahr hat RIB Software bei einem Umsatzwachstum von 30 Prozent ein Nettoergebnis zwischen sieben und 13 Millionen Euro in Aussicht gestellt. "Bei neun Aufträgen der Phase II sollten es um die zehn Millionen Euro sein", sagt Wolf.

Der Konzernlenker hat auch die langfristigen Ziele schon abgesteckt: "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir bei unserer deutschen Kundschaft von 100.000 auf 200.000 Anwender wachsen können. Und China bietet die Chance auf künftig eine Million iTWO-Anwender. Michael Sauer, der Finanzvorstand der RIB, ergänzt: "Auf Basis der strategischen Partnerschaft mit Yonyou können wir unser Ziel eines Wachstums von 30 Prozent bis 2020 erreichen. Wir streben unverändert eine führende Position auf den Schlüsselmärkten an: Europa (D, A, CH), Nordamerika (USA, Canada) und Asien (China), die als weltweit führend im Bauwesen angesehen werden. Diese Märkte repräsentieren zehn Prozent des weltweiten BIP und erreichen bis 2020 ein Volumen von zehn Billionen Dollar.

Aktie mit Potenzial ...

Für Analyst Sebastian Grabert von der Berenberg Bank, die den Börsengang begleitet hatte, hat die RIB-Aktie durchaus Potenzial. Sein Kursziel lautet derzeit auf 5,90 Euro, was einem Aufschlag von 60 Prozent entspricht. RIB iTWO sei in der Tat ein erstklassiges Produkt, für das auch ein riesengroßer Markt vorhanden ist. Wolf sei auch bei den jüngsten Akquisitionen strategisch sinnvoll vorgegangen. Durch die beiden Zukäufe in den USA Ende 2012 habe man sich Zugang zum größten Markt für Bausoftware verschafft und nach kurzer Zeit einen Auftrag gewinnen können. Außerdem hat die Gesellschaft jetzt deutlich mehr Berater in ihren Reihen, die die Software beim Kunden auch implementieren können.

"Dies war in der Vergangenheit meist der Flaschenhals", sagt Grabert. "RIB hatte einen potenziellen Großauftrag in der Tasche, konnte dem Kunden aber die Implementierung nicht anbieten, weil sie nicht genügend Leute dafür hatten." Ein Problem ist nur, dass die eingekauften Mitarbeiter nicht auf die Kernlösung iTWO trainiert sind. Das dürfte noch ein paar Monate dauern.

… und Risiken

Grabert mahnt aber auch an, dass die RIB-Aktie "ein riskantes Spiel" ist. Sollte sich kein organisches Umsatzwachstum einstellen und dadurch die operative Marge weiter verwässert werden, könne dies den Kurs belasten. Außerdem habe das Management in seinen Augen noch sehr wenig M&A-Erfahrung vorzuweisen. Andererseits bieten gerade auch Übernahmen neue Chancen.

Zukäufe stehen auf der Agenda von Wolf ganz oben. "Im Fokus stehen Unternehmen, die uns ein stärkeres internationales Profil verleihen und uns Zugang zu einem internationaleren Kundenstamm gewähren." Die nötigen Mittel stehen ihm zur Verfügung: Neben 68 Millionen Euro Cash besitzt RIB Software für rund 31 Millionen Euro eigene Aktien, insgesamt also rund 100 Millionen Euro. Das sind 2,55 Euro je Aktie an liquiden Mitteln.

Die Vision lebt

Thomas Wolf ist ein Visionär, der in der Vergangenheit ab und zu den Mund etwas voll genommen hat. Mit RIB iTWO hat er aber einen Pfeil im Köcher, mit dem er dieses Mal den großen Treffer landen könnte. Da gleichzeitig der Börsenwert der RIB Software durch reichlich Cash unterlegt ist, sollten sich mutige Anleger auf dem aktuellen Kursniveau ein paar Stücke ins Depot legen.

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